Geschäfte und Friseure öffnen – Umsatzschub erhofft

Nach sechs Wochen staatlich verordneten Corona-Lockdown dürfen alle Händler und körpernahen Dienstleister wie Friseure, Kosmetiker und Masseure morgen, Montag, wieder öffnen. Die Betriebe hoffen auf einen Umsatzschub, um aus dem Krisenmodus zu kommen. Im Handel stapelt sich noch die Winterware in den Geschäften. Um Platz für neue Saisonware zu machen, wird im Mode-, Schuh- und Sportartikelhandel eine Rabattschlacht erwartet.

Im Handel müssen Kunden und Mitarbeiter mit Kundenkontakt eine FFP2-Maske tragen und im Kundenbereich gilt ein Mindestabstand von 2 Metern. Körpernahe Dienstleister und Gesundheitsdienstleister mit Kundenkontakt sind verpflichtet, spätestens alle sieben Tage einen negativen Coronatest vorzuweisen. Fehlt der Test, müssen die Beschäftigten anstatt eines Mund-Nasen-Schutzes eine FFP2-Maske tragen. Für den Besuch von Friseuren & Co. ist ein negativer Coronatest notwendig, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Es gelten nur die Ergebnisse von offiziellen PCR- oder Antigen-Tests, Selbsttests inklusive Schultests sind laut Gesundheitsministerium nicht gültig. Für Gesundheitsdienstleistungen sind keine Zutrittstests notwendig.

Im Handel gilt ab Montag eine Beschränkung von 20 Quadratmetern anstatt 10 Quadratmetern pro Kunde, bei körpernahen Dienstleistungen sind 10 Quadratmeter pro Kunde vorgeschrieben. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) selbst hatte am vergangenen Montag auf entsprechende Nachfrage noch gemeint, die 20-Quadratmeter-Regel gelte nur für jene Geschäfte, die bisher geschlossen bleiben mussten. Am Freitag erklärte das Gesundheitsministerium, dass die 20-Quadratmeter-Regel ab Montag auch für Supermärkte und Geschäfte des täglichen Bedarfs gilt, die auch während des Lockdowns offen hatten. Wegen des Gleichheitsgrundsatzes müssten für alle Händler die gleichen Regeln gelten, hieß es aus Gesundheitsministerium. Der Handelsverband ist mit der 20-Quadratmeter-Regel für Supermärkte unzufrieden. In Stoßzeiten werde „dies in kleineren Filialen in Ortskernen ein besonderes Augenmerk erfordern“.

WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik und Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will rechnen mit teilweise „massiven Rabatten“ ab Montag. Unter anderem der Modebereich gehe „in Ware unter“, sagte Trefelik. „Da braucht sich keiner aufregen, dass wir mit Rabatten arbeiten.“ Viele Händler müssten Teile ihres Sortiments nach dem wochenlangen Lockdown mit hohen Preisnachlässen abverkaufen, um wieder Geld in die Kassen zu spülen. „Jetzt wird es ohne Rabatte nicht gehen.“ Für den WKÖ-Handelsobmann ist die Öffnung am 8. Februar insgesamt aber „ein erster Hoffnungsschimmer“ für die Branche. Auf positive Effekte hoffen die Händler auch durch Nachziehkäufe, etwa im Möbel- und Elektronikartikelbereich. Nachdem unter anderem der Mode- und Elektrohandel seit Weihnachten nicht offen hatten, werden viele Kunden wohl noch Waren umtauschen und Gutscheine einlösen.

Handelsverband-Geschäftsführer Will erwartet, dass ab nächster Woche im Lockdown „light“ dem Handel noch zwischen 250 und 300 Mio. Euro Umsatz wöchentlich verloren gehen, weil die Kundenfrequenz durch Hygieneeinschränkungen und die bis vorerst Ende Februar gesperrte Gastronomie deutlich niedriger sein wird als in Vorkrisenzeiten. Auch Will rechnet mit hohen Preisnachlässen der Händler in den kommenden Wochen. „Die Preise werden purzeln, weil die Lager prallvoll sind mit Winter- und Weihnachtsware und die neue Frühlings- und Jahresware angekauft werden muss“, sagte der Interessenvertreter. Sorgen bereitet ihm derzeit die Ausbreitung der südafrikanischen und britischen Coronavirus-Mutationen in Österreich. „Wenn wir nach kurzer Zeit wieder schließen müssten, dann wäre es eine doppelte Katastrophe“, so Will.

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Seit 26. Dezember durften aufgrund der Coronapandemie nur Geschäfte für den täglichen Bedarf, unter anderem Supermärkte, Apotheken, Drogeriemärkte und Trafiken, ihre Geschäfte offen halten. Im dritten Lockdown war es erstmals den restlichen Händlern erlaubt, Vorbestellung und Abholung („Click & Collect“) anzubieten. Je nach Branche haben Konsumenten das Abhol-Angebot teilweise gut angenommen.

Ob und wie groß eine mögliche Pleitewelle ausfallen könnte, lässt sich laut dem Handelsexperten der KMU Forschung Austria, Wolfgang Ziniel, derzeit noch schwer beantworten. Vor der Coronakrise hätten rund ein Drittel der Händler in ihrem Geschäftsabschluss einen Verlust ausgewiesen. Dies werde jetzt natürlich deutlich steigen, sagte Ziniel. „Entwicklungen, die vor Corona begonnen haben, werden sich nun ganz besonders zuspitzen“, so der Experte.

Weiterhin geschlossen ist die Gastronomie und Hotellerie, die für den Handel ein wichtiger Frequenzbringer ist. Hotels, Restaurants, Lokale und Cafes dürfen frühestens Anfang März wieder aufmachen. Weitere Öffnungsschritte will die Regierung Mitte Februar beraten.

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