Geschlechterkampf bei „Don Gil“

In Traun scheitert „Don Gil“ an widrigen Rahmenbedingungen

Im Sommer 2021 zeigte der Kulturpark Traun mit Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ im oberösterreichischen Sommertheater stark auf. Eine Saison später ist vom damaligen Neustart mit Eigenproduktion und Profil für die eigene Spielstätte „Spinnerei“ nichts mehr übrig. Seit Donnerstag (und noch weitere fünfmal) bringt die Tourneetruppe der „Theaterachse Salzburg“ eine Version von Tirso de Molinas „Don Gil mit den grünen Hosen“ in den Park und plagt sich dabei vor allem mit schlechten Rahmenbedingungen.

Schlechte Bedingungen

Da ist zunächst einmal die Kargheit in der Ausstattung des Tourneetheaters, Bühnenbild null außer ein paar Hockern, einem Tisch, einen mal hier, mal dahin gestellten Kerzenleuchter. Glas und Metall der Spinnerei-Fassade bieten Hintergrund für ein Spiel, das sich in den Kostümen doch der Entstehungszeit des frühen 17. Jahrhunderts verpflichtet sieht. Das sechsköpfige Ensemble hat links von der Bühne eine schwarz verkleidete Katakombe als Garderobe und die teils mehrfach besetzten Rollen lassen ahnen, wie sehr da in der abendlichen Juliwärme beim Umziehen geschwitzt werden muss.

Lärmbelästigungen

Nebenbei leidet das Bühnengeschehen unter akustischer Konkurrenz aus dem unmittelbar benachbarten, am Premierenabend sehr stark frequentierten Gastgarten.

Ein Zeichen des Himmels wünscht sich die Figur Ramon, im Publikum wünschen wir uns Headsets fürs Ensemble. Unverstärkt verlieren seine Dialoge zuerst gegen das Small-Talk-Getöse und nach der Pause auch Publikum, da zeigen sich einige Reihen deutlich gelichtet.

Die Komödie, hier unter dem Bearbeitungstitel „Don Gil – Der betrogene Betrüger“, lebt von der Verwirrung um den Anlass, dass Eifersucht eine Frau in die Verkleidung als Mann drängt, um dem Künftigen einen dubiosen Heiratsschwindel zu durchkreuzen. Lydia Nassall wirbelt als Mann/Frau Gil/Juana über die Bühnenbretter. In einer Zeit nach einem 2022 wirklich würdig und intensiv begangenen Pride-Monat Juni würde hier naheliegen, manieriert Bezüge zur Gegenwart auszuspielen. Das bleibt als Chance weitgehend vertan. Nur in der umworbenen Donna Ines, der steinreichen Partie, wegen der sich alle in ihre Verwechslungen verdrehen, findet sich ein kurzes pansexuelles Augenzwinkern. Alles in allem: Viel Mühe mit zu wenig Ertrag. Mehr Herz und Fürsorge für die Kunst!

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Mögen sich alle dafür Verantwortlichen in der Stadt Traun anstrengen, den Schlussplatz im diesjährigen Ranking aller bisher in Oberösterreich präsentierten Sommertheaterproduktionen 2023 wieder abzugeben und einen höheren Platz zu belegen.

Von Peter Klimitsch

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