Gestörte Körperwahrnehmung

Viele Burschen und Männer leiden darunter, dem vielfach verbreiteten perfekten Körperbild nicht zu entsprechen. Oft erkennen Betroffene und ihr Umfeld gar nicht, dass sich hinter ihrem veränderten Essverhalten und exzessivem Sporteln eine Essstörung verbirgt.

Bei Essstörungen von Burschen und Männern – die stark im Vormarsch sind – kommt dazu, dass sie oft von geradezu exzessiver Sportausübung begleitet werden, weiß die Expertin. © marioArte – stock.adobe.com

„Essstörungen gelten nach wie vor als typisch weiblich, daher scheuen sich viele Männer umso mehr, sich eine solche einzugestehen“, nennt Oberärztin Renate Hagenauer, Internistin im Klinikum Rohrbach, einen Grund, warum die Erkrankung häufig nicht erkannt wird.

Wenngleich Burschen und Männer mit einem Anteil von zehn Prozent weitaus seltener von Essstörungen betroffen sind als Frauen und Mädchen, nimmt ihr Anteil vor allem bei den Jungen dramatisch zu. 2018 landeten um 60 Prozent mehr Burschen im Alter von 12 bis 17 Jahren wegen einer Essstörung im Krankenhaus als zehn Jahre zuvor. Aber auch bei erwachsenen Männern ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten.

„Zum Schamgefühl und zum Status als Tabuthema kommt bei männlichen Essstörungen dazu, dass sie oft von geradezu exzessiver Sportausübung begleitet werden“, sagt die Fachärztin. Besonders zu beobachten ist das bei sehr körperbetonten Sportarten wie Krafttraining, Kampfsport, Turnen, Skispringen oder Ballett. Für manche steht vor allem das Schlanksein im Vordergrund, für andere das Auftrainieren von Muskelmasse.

„Sport dient dann weniger der Freude an Bewegung, sondern vielmehr dem gezielten Kalorien- und Fettabbau oder Muskelaufbau, auch zwischen Essattacken. In der Regel nehmen Betroffene ihren eigenen Körper ganz anders wahr als Außenstehende.“

„Binge Eating“ besonders verbreitet

Etwa acht Prozent der Männer mit Essstörungen leiden unter einer Magersucht, etwa 15 Prozent unter einer Bulimie. Besonders verbreitet bei Männern ist das sogenannte „Binge Eating“ mit rund 20 Prozent. Dabei kommt es zu regelmäßigen Essattacken, oft mehrmals die Woche. Aus Angst vor Übergewicht flüchten sich auch hier viele Betroffene in den exzessiven Sport und es kann zu einer sogenannten „Sport-Bulimie“ kommen.

Anzeichen einer Essstörung erkennen

Weil viele Betroffene ihre Essstörung selbst nicht sehen, sind Freunde und Familie umso mehr gefragt. „Äußern können sich Essstörungen in einem veränderten Essverhalten, einer massiven Ab- oder Zunahme von Gewicht oder einem ausgeprägten Muskelaufbau, manchmal auch mit dem Missbrauch von Substanzen“, sagt die Internistin.

„Und häufig gehen sie mit Depressionen und Ängsten einher, auch mit Verhaltensänderungen oder gar einem Rückzug aus dem sozialen Umfeld.“ Besorgten Angehörigen empfiehlt Hagenauer ein vertrauliches Gespräch und unter Umständen ein gemeinsames Aufsuchen einer Beratungsstelle. Meist braucht es psychotherapeutische Unterstützung.

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