„Gesunder Lebenswandel ist nicht kompliziert“

LH-Stellvertreterin benotet das abgelaufene Arbeitsjahr mit Gut — Impfpflicht bleibt Forderung

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist Christine Haberlander Mitglied der Landesregierung, seit Dezember 2018 ist sie auch Landeshauptmann-Stellvertreterin.
Seit etwas mehr als zwei Jahren ist Christine Haberlander Mitglied der Landesregierung, seit Dezember 2018 ist sie auch Landeshauptmann-Stellvertreterin. © Mühlberger

VOLKSBLATT: Der Sommer kehrt zurück. Was empfiehlt die Gesundheitslandesrätin in Sachen Hitzebewältigung?

HABERLANDER: Die klassischen Tricks: Genug Wasser trinken, die direkte Sonneneinstrahlung meiden.

Sind Ihre Urlaubspläne wetterabhängig?

Nein, aber lieber ist es mir schon, wenn es schön und so warm ist, dass man am Abend gemütlich draußen sitzen kann.

Wo wird der Urlaub verbracht?

Jeweils ein paar Tage in Südtirol und in Kärnten.

Politikerarbeitstage sind oft lange — wie schafft man die Regeneration?

Das ist eine gute Frage, auf die ich aber die hundertprozentige Antwort noch nicht gefunden habe. Man muss jedenfalls zwischen physischer und psychischer Regeneration unterscheiden. Manches, wie am Abend einmal Laufen gehen oder am Wochenende einmal ausschlafen, ist in den Alltag integrierbar. Aber der Urlaub ist dafür schon ganz wesentlich.

Im Rückspiegel betrachtet: Welche Note geben Sie dem abgelaufenen Arbeitsjahr?

Ein Gut. In meinen Ressortbereichen wurden große Veränderungsprozesse angestoßen, diese sind auf einem guten Weg. Aber der Anspruch muss sein: Wie können wir morgen noch einmal besser sein als heute?

Sie sind für Gesundheit, Bildung, die Kinderbetreuung und die Frauen zuständig. Gibt es da einen gemeinsamen Nenner?

Der Mensch steht überall im Mittelpunkt. Und es geht um zukunftsfähige Strukturen, mit der Schaffung der Bildungsdirektion ebenso wie mit der Gesundheitsholding.

Aus gespag und KUK wurde die OÖ Gesundheitsholding. Was bringt sie den Patienten?

Am ersten Tag der Gründung ist das weder für die Patientinnen und Patienten noch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein spürbares Thema. Langfristig geht es aber um die Stärkung der regionalen Krankenhäuser, indem wir sie mit der Spitzenmedizin des Universitätsklinikums vernetzen und so die Versorgungsqualität gewährleisten. Man soll gegenseitig voneinander lernen, davon profitiert der Patient.

Freut es die Gesundheitspolitikerin, dass das Rauchverbot in der Gastronomie nun doch kommt?

Ich sehr zufrieden, dass schlussendlich die Prävention die Oberhand gewonnen hat.

Stichwort Prävention: An einer Impfpflicht haben Sie sich bisher die Zähne ausgebissen. Ist ein oberösterreichischer Alleingang denkbar?

Wir haben schon den Mutter-Kind-Zuschuss, der nur ausbezahlt wird, wenn unter anderem bestimmte Impfungen nachgewiesen werden. Dieser Zuschuss ist österreichweit einmalig. Aber die Aufnahme der Impfungen in den Mutter-Kind-Pass macht nur bundesweit Sinn, weil ein Virus bekanntlich an einer Landesgrenze nicht Halt macht.

Ganz grundsätzlich gefragt: Wie überzeugt man die Menschen, einen gesunden Lebenswandel zu führen?

Hier wurde wahrscheinlich die perfekte Lösung noch nicht gefunden. Wir setzen zwei Schwerpunkte: Zum einen zeigen wir, dass ein gesunder Lebenswandel nicht super kompliziert, sondern in den Alltag integrierbar ist. Er ist keine Raketenwissenschaft. Zum anderen bemühen wir uns, den Mehrwert eines gesunden Lebenswandels den Menschen näher zu bringen. Welchen Sinn haben regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, was bringt es, wenn sich der Cholesterinwert in einem bestimmten Ausmaß bewegt, welchen Sinn haben regelmäßige Stabilisierungsübungen für den Rücken — all das versuchen wir schon im Kindergarten und in der Schule zu erklären.

Viel Bewegungsmöglichkeit außerhalb der Schulzeit

Bewegung ist ein Schlüssel für ein gesundes Leben, aber die tägliche Bewegungseinheit in der Schule ein Problem. Verstehen Sie das?

Die Schule muss ohnehin immer mehr Aufgaben übernehmen. Es gäbe außerhalb der Schulzeit so viel Bewegungsmöglichkeit, dass das nicht innerhalb der Schule angegangen werden müsste. Dennoch versuchen wir, Bewegung in der Schule zu integrieren. Man weiß, dass bewegter Unterricht oft besser hängen bleibt, das bieten wir an manchen Schulen auch an. Gleichzeitig bieten wir an den Volksschulen die Haltungs- und Bewegungschoaches an, die werden auch sehr gut angenommen.

Neben der Gesundheitsholding wurde mit der Bildungsdirektion ein zweites großes Projekt auf den Weg gebracht. Hat die Bildungsdirektion ihre Bewährungsprobe schon bestanden?

Die Bildungsdirektion ist mitten im Veränderungsprozess und hat sich bis jetzt sehr gut geschlagen. Mit dem Übergang der Elementarpädagogik in die Bildungsdirektion im Herbst stehen wir vor dem nächsten großen Schritt. Damit ist dann unser Haus der Pädagogik komplett. Der Bildungsdirektor und sein Team leisten hier tolle Arbeit.

Im Herbst gibt es Nationalratswahlen, in zwei Jahren Landtagswahlen: Wie viel Sacharbeit ist derzeit überhaupt noch möglich?

Dinge, wie das Bildungsinvestitionsgesetz, werden nicht mehr von den Ministern, sondern vom Nationalrat auf den Weg gebracht. Manche Dinge, wie Bestellungsverfahren in der Bildungsdirektion, harren einer Entscheidung. Alles ist etwas verlangsamt — was aber hoffentlich umso mehr sichtbar macht, mit welcher Power und mit welchem Drive die oberösterreichische Landesregierung arbeitet.

Was soll im letzten Drittel der Regierungsperiode auf Landesebene noch passieren?

Die Umsetzung der schon angesprochenen großen Strukturprozesse ist ganz wichtig.

Wir haben wieder Ferienzeit, für berufstätige Eltern bringt das die Herausforderung der Kinderbetreuung mit sich. Ist Oberösterreich da gut aufgestellt?

Ich bin stolz auf die Entwicklung, die die oberösterreichischen Gemeinden da — von der Krabbelstube über den Kindergarten bis zur Schule — genommen haben. Wir bauen das Angebot kontinuierlich aus, wir sehen auch, dass sich immer mehr Unternehmen für das Thema Kinderbetreuung interessieren. Natürlich ist es ein Standortvorteil, wenn ich als Unternehmen diesbezüglich etwas anbieten kann. Auch die Sommerkindergärten bei den Unternehmen wachsen deutlich. Bei den Gemeinden werden im Sommer Kooperationen immer attraktiver. Es geht um bedarfsgerechte Angebote.

Für Politikerinnen gibt es keinen Mutterschutz. Ist das noch tragbar?

Es ist leider so, dass es immer Anlassfälle braucht, dieses Thema zu diskutieren. Es ist mehr denn je notwendig zu zeigen, dass Familie und Beruf — in diesem Fall Spitzenpolitik — vereinbar sind. Aber: Auch Männer können in Karenz gehen.

Ihr persönliches Fazit nach zwei Jahren Arbeit in der Landesregierung?

Es ist ein vielfältiger Beruf und es ist toll, im Team von LH Thomas Stelzer arbeiten und mit ihm OÖ gestalten zu dürfen und zu tun, was dem Land guttut.

Die Frage, ob der Schritt in die Politik der richtige war, haben Sie sich noch nicht gestellt?

Ich habe Gottseidank nicht einen Moment gehabt, der mich daran zweifeln hat lassen. Es ist unglaublich schön zu wissen, dass man in einem Bereich arbeitet, in dem man etwas zum Besseren gestalten kann.

Mit LH-STELLVERTRETERIN CHRISTINE HABERLANDER sprach Markus Ebert

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