Gewerkschaft geht Homeoffice-Regelung zu langsam

Auf eine nachhaltige Homeoffice-Regelung heißt es in Österreich immer noch weiterwarten. Obwohl sich die Sozialpartner schon vor Weihnachten grundsätzlich geeinigt haben, gibt es auch nach einer Gesprächsrunde auf Expertenebene am Donnerstag weiter keine Lösung. Die Gewerkschaft GPA fordert vom Finanzministerium mehr Tempo. Dieses wollte sich auf Nachfrage dazu nicht äußern. Dafür wurde vom Arbeitsministerium eine tragfähige Lösung angekündigt.

Der Chefin der Gewerkschaft GPA, Barbara Teiber, ist am Donnerstag jedenfalls der Geduldsfaden gerissen. „Der Finanzminister muss endlich ins Tun kommen“, sagte sie zur APA.

Das endgültige Modell hängt an steuerlichen Detailfragen. „Wir verstehen nicht, warum diese wichtige Sache steht“, sagte Teiber. „Klar ist, dass den Arbeitnehmern im Homeoffice gewisse Kosten ein Stück weit abgegolten werden müssen. Es muss Werbungskosten (zum Absetzen, Anm.) geben.“ Etwa sei ein Arbeitszimmer komplett absetzbar. „Aber wie viele Menschen in dieser Republik haben schon ein eigenes Arbeitszimmer zu Hause?“, fragt die Arbeitnehmervertreterin.

„Zum Beispiel müssen die Kosten für einen ergometrischen Stuhl absetzbar sein. Aber da will das Finanzministerium irgendwelche Begrenzungen einziehen. Das ist nicht nachvollziehbar“, so Teiber. Das Gesamtpaket dürfe nicht durch solcherlei Detailfragen blockiert werden, sagte sie in Richtung von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). „Er soll (gegenüber den zuständigen Experten im BMF, Anm.) ein Machtwort sprechen.“

Auf Nachfrage im Blümel-Büro wollte man sich zum Vorwurf des Bremsens nicht äußern. „Ich bin zuversichtlich, dass wir demnächst zu einer guten Lösung kommen werden“, teilte dafür der neue Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) mit. Seinem schriftlichen Statement zufolge habe „die Bundesregierung ein gutes und ausgewogenes Paket vorgelegt und ist nach wie vor gesprächsbereit“.

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„An uns Sozialpartnern scheitert es nicht“, betonte die Gewerkschafterin. „So wie wir das erlebt haben, scheitert es auch nicht am Arbeitsministerium.“ Demnach steht der neue Arbeitsminister Martin Kocher hinter der Einigung, die noch mit seiner Vorgängerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) getroffen worden war.

„Es geht um eine Lösung in Sinne von hunderttausenden Betroffenen“, so Teiber weiter. „In machen Betrieben arbeiten bis zu 90 Prozent im Homeoffice. Oft ist das ungeregelt, weil es keinen Betriebsrat gibt.“ Es gehe etwa um den wichtigen Versicherungsschutz.

Unterstützung erhielt Teiber naturgemäß von anderen Gewerkschaftern. „Gut Ding braucht zwar Weile, aber die Verhandlungen für faire Spielregeln im Homeoffice dauern zu lange“, kritisierte Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin im ÖGB. Schon die „Verzögerungstaktik“ der früheren Arbeitsministerin Aschbacher in Sachen Homeoffice sei „schwer erträglich“ gewesen, so younion-Vorsitzender Christian Meidlinger. „Dass Finanzminister Blümel die Regelung der Heimarbeit jetzt aus kleinlichen Steuergründen platzen lässt, ist endgültig nicht mehr nachvollziehbar.“

Die Homeoffice-Einigung zwischen den Sozialpartnern und der Industriellenvereinigung sieht unter anderem vor, dass eine schriftliche Vereinbarung für ein freiwilliges Homeoffice zwingend ist. Auch ein Rücktrittsrecht ist vorgesehen. Die Arbeitsmittel müssten entweder vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden oder es gibt einen Kostenersatz. Kurz hatte es bereits so ausgeschaut, als würde das Modell noch vor Weihnachten fixiert. „Aber jetzt haben wir den 21. Jänner“, fordert Teiber eine rasche endgültige Lösung. Diese soll nachhaltig auch nach Coronazeiten funktionieren.

Deutschland hat eine solche seit gestern, Mittwoch. Eine weitere Gesprächsrunde auf Expertenebene ist für kommende Woche angesetzt.

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