Glanzvoller Aufbruch in neue Welten

Markus Poschner und das Bruckner Orchester unvergleichlich präsent im sinfonischen Festreigen

Sorgten für traumhaften Klangzauber: Markus Poschner und das Bruckner Orchester
Sorgten für traumhaften Klangzauber: Markus Poschner und das Bruckner Orchester © Reinhard Winkler

Von Georgina Szeless

Die neunte Sinfonie von Antonin Dvorak mit dem Beinamen „Aus der Neuen Welt“ war am Sonntag im ersten Brucknerfest-Konzert genau die richtige Wahl, um dem heurigen Motto „Neue Welten“ zu entsprechen. Aber nicht nur deswegen, gibt es doch bei schon zeitlich bedingter Unterschiedlichkeit genauso Ähnlichkeiten im Schöpfungsverlauf beider Komponisten.

Poschner trägt Bruckner im Herzen

Dvorak begab sich 1862 für mehr als zwei Jahre nach Amerika, um seine „Neunte“ zu schreiben, hat aber aus den Eindrücken von dort nie die musikalische Neigung zu Böhmen verdrängen können. Auch eine neue Welt bedeutete für Bruckner die Stadt Wien, wobei er aber in seiner Musik weiterhin ein echter Oberösterreicher blieb. Seine erste Sinfonie c-moll WAB 101, die mit Dvorak am Programm stand, zeugt von dieser Hinwendung. Markus Poschner ließ sie ganz bewusst in der „Linzer Fassung“ spielen, deren Uraufführung übrigens in Linz 1868 unter Bruckners Leitung in den Redoutensälen stattfand.

Das Werk ist formal perfekt gearbeitet, aber technisch noch wenig ausgestaltet, wenn sich Bruckner auch ganz genau, beeinflusst vom Umkreis seiner sinfonischen Vorgänger, mit neuen Absichten substanziell zu artikulieren wusste. Jedenfalls gibt der sinfonische Erstling speziell in der Phrasierung den Interpreten gewisse Freiräume in der Dominanz der Instrumente auf. Poschner trägt Bruckner im Herzen und vor allem im Gefühl, wie weit er in der Dynamik, dem Spiel der Tempi und den rhythmischen Besonderheiten gehen kann und überzeugte vollends von seiner Sichtweise.

Da alle Bruckner-Sinfonien in einer zyklischen Aufführung das Brucknerfest zieren, durfte die „Erste“, entstanden wohlgemerkt nach bereits einer Studiensinfonie in f-moll, nicht fehlen. Allerdings wäre es vielleicht günstiger gewesen, Bruckner an den ersten Programmteil des Abends zu setzen. Der triumphale Beginn des Abends lag nämlich eindeutig bei Dvoraks „Neunter“ aus dem Jahr 1893. Was Poschner hier mit seinem ihm restlos ergebenen Klangkörper alles an gestalterischer Größe unter Aufbietung seines ausdrucksstarken Zeichenrepertoires herausholte, wird vergleichslos bleiben. Man hat das Werk aus Amerika mit literarischen Ideen, zu dem Dvorak durch ein Epos vom Nationalhelden der Indianer inspiriert wurde und das indianische Sagen zu Volksmusik als kunstfähige Materie verarbeitet, gerne primär als Programmmusik aufgefasst.

Und auch sonst verstehen sich die Themen nicht als Leitmotiv und Merkmale etwa einer sinfonischen Dichtung. Poschner brauchte keine dieser Assoziationen. Seine Deutung trug einfach als Gütesiegel die Marke Poschner: einen traumhaften Klangzauber im strahlenden Glanz des Fortissimos zu einem Verhauchen bis ins unhörbare dreifache Piano. Ein unbeschreiblicher Jubel brach darauf los in einer Phonstärke, die bei Bruckner nicht in diesem Ausmaß erreicht wurde.

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