Gletscher haben zum Sommerbeginn sehr wenig Schnee

Die heimischen Gletscher gehen mit sehr wenig Schnee in den Sommer © APA/THEMENBILD/EXPA/ JOHANN GRODER

Die heimischen Gletscher starten mit sehr wenig Schnee in den Sommer. Bei den regelmäßigen Messungen der Gletscher in den Hohen Tauern registrierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine der geringsten Schneehöhen der vergangenen Jahre. Entscheidend für die Schmelzrate der Gletscher sei aber das Wetter im Sommer, betonte die ZAMG am Dienstag in einer Aussendung.

Beim Gletscherbeobachtungsprogramm der ZAMG werden in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien jedes Jahr im Frühling die Gletscher am Hohen Sonnblick (Goldbergkees und Kleinfleißkees) vermessen und die Massenbilanzen berechnet. „Um den Massenzuwachs im vergangenen Winter zu berechnen, ermittelten wir an rund 600 Punkten am Gletscher die Schneehöhe mit Sonden und gruben an weiteren sieben Positionen Schneeschächte, um Schneedichte und Schneetemperatur zu messen“, erklärte Gletscherexperte Anton Neureiter von der ZAMG. „Aus den gemessenen Schneehöhen und den -dichten wurde anschließend berechnet, welche Masse an Wasser in der Schneedecke enthalten ist.“

Die Messungen zeigten heuer ein wenig erfreuliches Bild: So lag die mittlere Schneehöhe im Frühling am Goldbergkees bei 330 Zentimeter (70 Zentimeter unter dem Mittel der vergangenen Jahre). Das entspricht einem Massenzuwachs von 1.355 Kilogramm pro Quadratmeter, was 20 Prozent unter dem Mittel der letzten Jahre lag. Am Kleinfleißkees lag die mittlere Schneehöhe bei 260 Zentimeter – 90 Zentimeter unter dem Mittel. Das entsprach einem Massenzuwachs von 1.028 Kilogramm pro Quadratmeter (28 Prozent unter dem Mittel).

Seit Messbeginn gab es hier nur selten so wenig Schnee, so die ZAMG. Das Goldbergkees wird seit 1987 regelmäßig vermessen, das Kleinfleißkees seit 1999.

Allerdings: „Für die langfristige Entwicklung der Gletscher in Österreich ist aber die Witterung im Sommer wichtiger als im Winter“, erläuterte Neureiter. „Entscheidend ist, ob gelegentliche Kaltlufteinbrüche im Sommer auf den Gletschern Schnee bringen. Denn eine frische, sehr weiße Schneedecke reflektiert die Sonnenstrahlen zu fast 100 Prozent und kann den Gletscher bis zu einer Woche vor dem Schmelzen schützen. Ein Gletscher ohne Neuschnee ist hingegen viel dunkler, nimmt daher viel Sonnenstrahlung auf und kann in einer Woche bis zu einem halben Meter Eisdicke verlieren.“

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Laut ZAMG ist die regelmäßige Ermittlung der Massenbilanz der Gletscher in der Sonnblick-Region und der Pasterze mittlerweile ein Vorzeigeprojekt für ein standardisiertes Monitoring im Global Cryosphere Watch Programm der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Die Methoden würden ständig weiterentwickelt, seit 2019 kommen auch Drohnen zum Einsatz.

Mit Hilfe der Drohnen werde ein sehr genaues digitales 3D-Modell der Gletscher erstellt. Die Befliegungen finden im Zuge der Winterbilanzmessung Ende April und am Ende der Schmelzperiode gegen Ende September statt. Durch den Vergleich der Höhenmodelle wird die Volumenänderung der Gletscher berechnet und kann anschließend mit der direkt gemessenen glaziologischen Methode verglichen werden.

Dieser Vergleich dient laut ZAMG dazu, die oberflächliche Massenänderung der Gletscher noch genauer zu erfassen und den Beitrag der Schmelze an der Gletschersohle besser quantifizieren zu können. Außerdem sind dadurch Rückschlüsse auf die vertikale Eisbewegung möglich, die wiederum die Genauigkeit der Schneehöhenmessung mittels Drohne auf dem sich bewegenden Gletscher erhöhen.

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