Gluck: Orfeo ed Euridice (erato)

Barockmusik wird gerade zum letzten Schrei gepuscht, also auch die Oper. Eine solche Aufnahme ist bei „erato“ erschienen. Dabei hat man sich des Opernreformators Christoph Willibald Gluck erinnert, der u. a. der Poesie, getextet von Calzabigi, einen gleichwertigen Rang einräumt. Die vorliegende Einspielung muss allerdings als vorbildlich bewertet werden. Zwar wurde, wie heute üblich, auf die Erstfassung der Oper „Orfeo ed Euridice“, also mit einem Countertenor als Orpheus zurückgegriffen, was Gluck später korrigiert hat, um Gleichförmigkeit zu verhindern, da das Dreipersonenstück sonst von Sopranstimmen dominiert wird. Diesmal ist die Besetzung mit einem Countertenor ein Glücksfall. Mit Philippe Jaroussky hat man eine Glanzbesetzung aufgeboten, seine makellos geführte Countertenorstimme ist eine Klasse für sich. Auch die Stimmen von Amanda Forsythe (Euridike) und Emöke Barath (Amor) werden ihren Aufgaben mehr als gerecht. Star der Aufnahme ist jedoch der Chor der Radiotelevisione Svizzera, selten agiert eine Sängergruppe so klangschön und textdeutlich. Dies alles im Verein mit dem Orchester „I Barocchisti“ unter Diego Fasolis, der die Partitur in ihrer Erhabenheit, Größe und instrumentalen Prachtentfaltung zum Klingen bringt. Nicht nur für Freunde der Barockmusik, denen der Hörgenuss aber besonders zu empfehlen ist. G. Sz.