Glücklich wie im hohen Norden

Im Norden ist man froh: Die Dänen gelten als die glücklichsten Menschen der Welt. Hygge nennen sie die Kunst der Zufriedenheit, das Wort steht für das dänische Lebensgefühl. Dazu gehört es auch, sein Zuhause entsprechend zu gestalten, nämlich gemütlich und kuschelig — Geschmack und großartiges Design inklusive. Das schwedische Pendant dazu nennt sich Lagom. Zum Trend gewordene Lebenseinstellungen, die unserem Bedürfnis nach Geborgenheit und Zugehörigkeit entgegenkommen.

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Text: Melanie Wagenhofer

Hygge steht für bewusste Lebensqualität, die getragen ist von Optimismus und Zufriedenheit. Das Gefühl, das man empfindet, wenn man sich in Stricksocken vor den Kamin aufs Sofa kuschelt oder gemeinsam mit Freunden kocht. Der nordische Wohn-Stil ist stets auf das Wesentliche reduziert und richtet sich gegen das Übermaß, gegen die Fülle an Konsumgütern und Lebensstilen, die man heute im Handumdrehen per Mausklick erwerben kann und lässt dabei aber auch nicht außer Acht, dass die eigenen vier Wände ansprechend sein sollen. Zudem wird auf Echtheit Wert gelegt und darauf, dass Dinge handgemacht sind.

Hell und einladend

Hell und einladend sollen die eigenen vier Wände sein, die die Menschen im Norden gern mit Naturmaterialien einrichten: Holz, Leder, Keramik und Leinen lassen die Umgebung warm und lebendig wirken. Viel Weiß, schlichte Möbel und persönliche Dinge bestimmen das Innenleben der Behausungen. Auch die Verbindung von Altem und Neuem spielt eine Rolle: Mit Materialien wie Metall lassen sich moderne Akzente setzen. Dabei sind stets klare Linien gefragt, Einfaches wird bevorzugt. Minimalismus muss aber nicht kühl aussehen. Für die persönliche Note sorgen Gegenstände, die eine emotionale Bedeutung haben. Schöne Dinge, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, wie alte Tierfiguren im Kinderzimmer und Retroteile wie eine Küchenuhr aus den 60ern in der Küche versprühen einen besonderen Charme. Vorhänge, Decken und Kissenberge und – ganz typisch — Schaffelle sorgen für den notwendigen Kuschelfaktor ebenso wie ein Kamin, der Geborgenheit und Wärme ausstrahlt. Gemütliche Sitzecken und Wohninseln laden zur Rast. Hyggekrog ist übrigens der dänische Ausdruck für Kuschelecke.

Beliebte Designklassiker

Nicht umsonst liegen also der nordische Stil und große Designer aus dem Norden wie Arne Jacobsen, Stig Lindberg, Poul Henningsen, Alvar Aalto oder Hans Wegner mit ihren Möbelklassikern, die Designfreunde ohnehin immer schätzten, jetzt besonders im Trend. Sie entsprechen unserem Bedürfnis nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Kommunikation.
Typisch nordisch sind auch Wohnräume, in denen die Farben Schwarz und Weiß dominieren. Das passt ganz wunderbar zum geradlinigen Wohnstil und bietet unendlich viele Möglichkeiten: Hier kann man Akzente setzen, schönes Design tritt dadurch besonders hervor, verschiedene Muster und Accessoires lassen sich leicht kombinieren. Traditionell richtet man sich gern mit natürlichen Farben ein, die Dänen lieben wie alle Nordländer Blau und die Farben eines sommerlichen Blumenbeetes, die Räume harmonisch und auch modernes Design gut wirken lassen. Die dänische Designlegende Verner Panton brachte in den 1960ern Farbe ins Spiel. Leuchtende Farben sollten allerdings immer eine ruhigen Gegenpol bekommen.

Vorliebe für Natürlichkeit

Zur Vorliebe für Natürlichkeit gehört es, sich Inspiration aus oder die Natur selbst in die eigenen vier Wände zu holen. Die Formen von Blättern haben oft ein ganz großartiges Design, das vor einer hellen Wand großartig zur Geltung kommt, Pflanzen werden, richtig gestellt, fast zur Skulptur.
Auch den Schweden wird nachgesagt, ein äußerst glückliches Volk zu sein. Lagom nennt sich die schwedische Version von „leichter leben“. Der Begriff „mysig“, was so viel bedeutet wie gemütlich kuschelig, beschreibt den schwedischen Wohnstil und gilt damit in dieser Hinsicht als Entsprechung zum dänischen Hygge. Lagom beschreibt das Maß der Mitte, ohne Mittelmaß zu sein: Beim Wohnen gibt es viele Ähnlichkeiten mit dem dänischen Stil, auch hier soll es gemütlich sein, kuschelige Plätze eingerichtet und natürliche Materialien verwendet werden. Minimalistisches, klares Design und die Einfachheit von Linien und Form dominiert. Das Schwedische beinhaltet — egal, ob beim Wohnen oder anderswo — stets auch Konzepte der Entrümpelung. Das bringt Freiräume: Schwedische Wohnräume wirken nie überladen. Qualität kommt vor Quantität. Pflanzen und Flohmarktfunde haben ihren Platz. Wichtig ist auch Nachhaltigkeit und Sparsamkeit, beim Geld-, Wasser- und Energieverbrauch. Funktionell und praktisch soll es sein, das kennt man auch hierzulande von einer bekannten schwedischen Möbelfirma. Und nicht zu vergessen: viel Licht, schließlich ist man damit in den langen, kalten Wintern im Norden nicht besonders verwöhnt.