Glyphosat soll nun doch verboten werden

FPÖ will SPÖ-Antrag unterstützen – ÖVP könnte sich Teilverbot vorstellen – Bauern-Vertreter: „Nehmen Regelung zur Kenntnis“

Glyphosat wird auf den Feldern als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Die Verträglichkeit des Mittels für die Gesundheit wird immer wieder in Frage gestellt. Nun soll es in Österreich verboten werden.
Glyphosat wird auf den Feldern als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Die Verträglichkeit des Mittels für die Gesundheit wird immer wieder in Frage gestellt. Nun soll es in Österreich verboten werden. © AFP/Monier

Von Christoph Steiner

Seit langem ziehen sich die Diskussionen um die Verträglichkeit bzw. Schädlichkeit des Unkrautvernichtungmittels Glyphosat. Die Zahl der Gutachten von Gegnern, Befürwortern sowie Hersteller ist Legion. Nun soll die Diskussion zumindest in Österreich ihren Abschluss finden. Die FPÖ hat gestern die Unterstützung eines SPÖ-Antrags für ein GlyphosatVerbot im Nationalrat angekündigt.

„Es gibt genügend Studien, in denen die Gefahr, die Glyphosat für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen hat, ausreichend belegt werden. Es ist daher ein Zeichen für verantwortungsvolle Umweltpolitik, dieses Verbot auf Schiene zu bringen“, begründete FPÖ-Klubobmann Norbert Hofer die Zustimmung. Der Antrag muss nun Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft behandeln werden. Eine Abänderung des Pflanzenschutzmittelgesetzes ist schon in der Sitzung des Nationalrates am 2. Juli möglich.

ÖVP will Teil-Verbot

Die ÖVP geht beim Glyphosat-Verbot nicht mit und bringt einen eigenen Antrag ein, der nur ein Teilverbot vorsieht. Dieser zielt darauf ab, dass Glypohsat nur bei Kindergärten und anderen sensiblen Bereichen wie Schulen verboten sein soll. Dass die Volkspartei der rot-blauen Initiative nicht zustimmt, verteidigt Bauernbund-Obmann Strasser mit rechtlichen Gründen. Seiner Darstellung nach ist das Total-Verbot nämlich nicht EU-konform.

„Nehmen es zur Kenntnis“

Christian Krumpfhuber von der Landwirtschaftskammer OÖ sieht die Dinge im VOLKSBLATT-Gespräch pragmatisch. Es sei eine politische Entscheidung, die es zur Kenntnis zu nehmen gelte. Durch das Verbot müssten künftig mehr Maschinen bei der Vorbereitung von Feldern verwendet werden, führt er dabei eine der Konsequenzen an.

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger fordert eine ganzheitliche Betrachtung und ruft zu einer wohl überlegten Entscheidung auf. „Das Thema Glyphosat erfordert eine besonnene Herangehensweise. Ich appelliere daher an die Vernunft der Mandatare im Parlament. Ein leichtfertiges Totalverbot würde unserer heimischen Landwirtschaft einen weiteren Wirkstoff nehmen. Als Konsequenz müsste der Lebensmittelhandel dann auch alle Import-Produkte aussortieren, die unter Verwendung von Glyphosat produziert wurden“, erklärt Hiegelsberger.

Bayer unter Druck

Die österreichische Entscheidung wird nur einen kleinen weiteren Beitrag zur Konfusion beim deutschen Pharma-Riesen Bayer leisten. Doch es fügt sich hinzu, die Leverkusener sind seit der milliardenschweren Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto arg in Bedrängnis.

Seit dem Kauf von Monsanto ist der Börsenwert des Konzerns um teilweise mehr als 40 Prozent eingebrochen. Zumindest erstinstanzliche verlorene Schadenersatzklagen mit Bußgeldern in Millionen-Höhe lassen nicht nur die Anleger nervös werden. Angesichts des Abwärtstrends bemühte sich die Bild-Zeitung schon zu fragen, ob sich Bayer mit Monsanto nicht den Tod ins Haus geholt habe. Auf jeden Fall war es ein teures Vergnügen: Kolportierte 63 Milliarden Dollar war den Deutschen die Übernahme wert.

Bei der vergangenen Hauptversammlung hatten die Aktionäre Konzernchef Werner Baumann dann die Entlastung verweigert. Der Aufsichtsrat sprach Baumann jedoch sein Vertrauen aus.

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