Glyphosat-Urteil: Anschober drängt weiter auf Ausstieg

US-Gericht hatte krebskranken Kläger 253 Mio. Euro zugesprochen — Verbindlicher Stufenplan: Landesrat appelliert an Länder und Bund

LINZ —Nach dem bahnbrechenden Gerichtsurteil in den USA mit einem Schmerzensgeldentscheid von 253 Millionen Euro gegen Monsanto und für einen 46-jährigen Krebspatienten, der jahrelang als Hausmeister Grünflächen mit einem glyphosathältigen Präparat bearbeitete, fordert Oberösterreichs Umwelt-Landesrat Rudi Anschober Konsequenzen: „Das war erst der erste Schritt, ich erwarte viele weitere Gerichtsurteile in eine ähnliche Richtung. Jetzt muss endlich gehandelt werden und als erster Schritt in Österreich ein flächendeckendes Glyphosat-Verbot entwickelt werden. Dazu braucht es sowohl die Zuständigkeiten des Bundes als auch der Länder“, appelliert Anschober an das Umweltministerium, für September zu einem Glyphosat-Gipfel einzuladen, bei dem die Vorgangsweise paktiert und ein verbindlicher Stufenplan entwickelt wird. „Der Österreich-Konsens muss lauten: Rasch raus aus dem Einsatz von Glyphosat und die Versprechungen der vergangenen Jahre endlich umsetzen.“

EU will umstrittenes Mittel nicht verbieten

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Trotz des millionenschweren Schadenersatz-Urteils bleibt es bei der Zulassung des Unkrautvernichters in Europa. Die EU-Kommission verwies am Montag in Brüssel auf die Entscheidung vom Dezember, das Mittel grundsätzlich weitere fünf Jahre am Markt zu lassen. Es liege aber in der Hand der Mitgliedsstaaten, Lizenzen für die Nutzung zu erteilen. Die Kommission hatte die weitere Zulassung Mitte Dezember nach Zustimmung der Mitgliedsstaaten beschlossen. Nach einer gründlichen wissenschaftlichen Analyse aller verfügbaren Daten sei man zu dem Schluss gekommen, dass es keine Verbindung zwischen der Chemikalie und Krebserkrankungen bei Menschen gebe, erklärte die Kommission damals.

4000 Klagen laufen derzeit in den USA

Doch allein in den USA laufen über 4000 ähnliche Klagen gegen Monsanto. Für die zentrale Streitfrage, ob das Herbizid Glyphosat krebserregend ist, hat das Urteil nur begrenzte Aussagekraft. Monsanto und Bayer bleiben bei ihrer Verteidigungslinie. Sie verweisen auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde, die Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit“, die zum Schluss gekommen seien, dass Glyphosat keinen Krebs verursache. Dem entgegen steht jedoch insbesondere die WHO-Krebsforschungsagentur, die den Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen einstufte. Das Urteil sorgte an der Börse für Unruhe. Die Bayer-Aktie brach am Montag um rund zehn Prozent ein.