Gorillaz liefern schlauen Soundtrack für „seltsame Zeiten“

Cartoon-Band veröffentlicht neues Album „Song Machine: Season One - Strange Timez“ mit hoher Promi-Dichte

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Es gibt im Pop viele Gags, die schnell schal werden – die Gorillaz gehören nicht dazu. Schon seit über 20 Jahren gibt es diese immens erfolgreiche virtuelle Band, die offiziell aus vier Cartoon-Figuren besteht – de facto aber aus Damon Albarn (Blur, The Good The Bad & The Queen) und Comic-Zeichner Jamie Hewlett („Tank Girl“). Das mit Promi-Gästen gespickte siebente Gorillaz-Album kommt als origineller, schlauer und sehr kurzweiliger Soundtrack für „seltsamen Zeiten“ daher.

„Strange Timez“ heißen dementsprechend ein Untertitel und der Eröffnungssong dieses zwischen Soul-Balladen, Electro, Hip-Hop, Reggae, World-Pop und Indie-Rock elegant entlangtänzelnden Werks. Wie früher schon auf „Plastic Beach“ (2010) und „Humanz“ (2017) hat der Sänger und Multiinstrumentalist Albarn zahllose Hochkaräter auf insgesamt 17 kunterbunte Stücke verteilt: Robert Smith (The Cure) wehklagt wie von ihm gewohnt im Titelsong, es folgen Auftritte von Beck, Elton John, Peter Hook (New Order), St. Vincent, Fatoumata Diawara, Slowthai – um einige der bekanntesten Namen zu nennen.

Der vollständige Titel des am Freitag (23. Oktober) erscheinenden Albums lautet „Song Machine: Season One – Strange Timez“, und es begann ergebnisoffen, wie Albarn (52) aus seiner Londoner Wohnung im Interview der dpa erzählt. „Zunächst hatten wir nur einen einzigen Song, doch es kam bis Juni wirklich jeden Monat ein neuer hinzu. Ein zusammenhängendes Album war überhaupt nicht geplant, aber dann entwarf mein Freund Stuart Lowbridge eine Reihenfolge, und wir hatten eine gute Platte.“

Albarn freut sich über den spontanen „Spirit“ seines Projekts, das wie üblich von witzigen Hewlett-Cartoons und fantastischen Kurzfilmen begleitet wird: „Man startet mit etwas und weiß nicht, wie es enden wird.“ Musik, die „wie ein Puzzle ohne Bildvorlage“ entstehe, sei für ihn viel interessanter als konkrete Richtungsvorgaben.

Der Brite, seit den ersten Erfolgen mit der Band Blur vor gut 25 Jahren ein experimentierfreudiger Pop-Tausendsassa, gibt zu, dass ihm die coronabedingte Bastelarbeit an den meisten neuen Gorillaz-Tracks lag. Nur wenige Mitwirkende kamen vor dem Lockdown noch persönlich ins Studio. „Es war das erste Mal in meinem Leben, dass man das Regelbuch wegwerfen musste, um mit all diesen Restriktionen zurechtzukommen. Ich fühle mich nun unglaublich glücklich, und irgendwie ist es auch ein Wunder, dass ich mit den anderen Leuten dennoch so viel hinkriegen konnte in diesem Jahr.“

Dabei half Albarn seine Vernetzung in der globalen Pop-Szene. Hat er eigentlich ein riesengroßes Telefonnummernbuch, um all diese Kontakte anzubahnen? „Ach, ich arbeite ja praktisch gar nicht mit dem Telefon“, verrät er. „Aber ich schreibe anderen Leuten gern Briefe. Und ich bin dann auch nicht sauer, wenn mal einer Nein sagt.“ Viele Stars sagten indes auch diesmal Ja.

Dass er mit den 1998 gestarteten Gorillaz so dauerhaft (und längst als Konzertmusiker in grandiosen Multimedia-Shows) unterwegs sein würde, überrascht auch Albarn. „Ich habe ja nicht einmal angenommen, dass ich selbst so lange im Musikgeschäft dabei bin, 32 Jahre jetzt“, sagt er lachend. „Also nein, gerade mit den Gorillaz hatte ich das nicht erwartet. Aber wir haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass es mehr ist als nur ein Seitenprojekt.“

Langweilig wurde Albarn/Hewlett damit nie – zumal die Nachfrage anhielt und die Alben weltweit hohe Charts-Plätze erreichten. Daher will der Mastermind der Grammy-dekorierten Cartoon-Truppe möglichst bald auch wieder live unter dem Gorillaz-Banner auftreten. Und dann soll dem „Strange Timez“-Album irgendwann ein Nachfolger „Song Machine: Season Two“ folgen. Am liebsten mit dem Untertitel „Better Timez“ (bessere Zeiten), schlägt Albarn vor.

Von Werner Herpell (dpa)

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