Russische Attacke auf Odessa

Bei einer russischen Attacke auf die südukrainische Hafenstadt Odessa ist nach Angaben der Behörden ein Jugendlicher getötet worden. Ein Raketenangriff habe ein Haus zerstört, in dem sich fünf Menschen aufhielten, teilte die Stadtverwaltung am Montagabend mit. Ein 15-Jähriger sei getötet und ein Mädchen verletzt worden. Odessa war zuletzt immer wieder Ziel von Attacken. Im Asowstal-Werk in Mariupol sollen rund 200 Zivilisten in verschütteten Bunkern gefangen sein.

Erst am Samstag wurde nach ukrainischen Angaben beim Beschuss des Flughafens in Odessa die Landebahn durch Raketen zerstört. Der russische Generalmajor Rustam Minnekajew hatte im vergangenen Monat angekündigt, Ziel der nun eingetretenen „zweiten Phase“ des Militäreinsatzes in der Ukraine sei die Eroberung des Donbass und des Südens des Landes. Neben einer Landverbindung zur annektierten Krim-Halbinsel würde so auch eine bessere Unterstützung für prorussische Separatisten in Transnistrien in der Republik Moldau ermöglicht, erklärte er.

Diese von russischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Äußerungen deuten darauf hin, dass Moskau neben der kompletten Einnahme der seit Wochen heftig umkämpften Hafenstadt Mariupol auch die Eroberung von Odessa anstrebt. Odessa mit seinen rund einer Million Einwohner ist wegen seiner langen Geschichte sowohl für Ukrainer als auch für Russen symbolisch wichtig. Zudem liegt in der vorwiegend russischsprachigen Metropole der größte Hafen der Ukraine, diese ist somit lebenswichtig für die Wirtschaft des gesamten Landes.

Nach Angaben des ukrainischen Militärs sind im Stahlwerk Asowstal in Mariupol rund 200 Zivilisten in verschütteten Bunkern gefangen. Der stellvertretende Kommandant des Asow-Regiments, das sich in dem riesigen Werksgelände verschanzt hat, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in den Schutzräumen seien Kinder, Frauen und Ältere. Seine Truppen hätten aber kein schweres Gerät, um die Eingänge freizuräumen, meinte Swiatoslaw Palamar.

20 Zivilisten haben nach ukrainischen Angaben am Montagabend das belagerte Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol verlassen. Das an der Verteidigung des Stahlwerks beteiligte Asow-Regiment erklärte, die Evakuierungsaktion habe erst mit fünfstündiger Verspätung stattfinden können, da das Werksgelände wieder von russischen Soldaten beschossen worden sei. „Die Artillerie des Feindes verursachte neue Trümmer und Zerstörung“, erklärte der stellvertretende Kommandeur Swjatoslaw Palamar.

Den Donezker Separatisten zufolge wurden zugleich mehr als 200 Menschen nach Besimenne in östlicher Richtung aus der Stadt herausgebracht. In der stark zerstörten Hafenstadt mit einst über 400.000 Menschen sollen noch mehr als 100.000 Menschen leben. Am Wochenende waren über 120 Zivilisten aus dem belagerten Werksgelände herausgelangt. Der Stadtrat kündigte für den Dienstag einen weiteren Evakuierungsversuch an.

Mariupol war unmittelbar nach dem russischen Angriff Ende Februar von russischen Truppen eingeschlossen worden. Einzig das Gelände des Stahlwerks Asowstal steht noch in Teilen unter Kontrolle von ukrainischen Soldaten.

Einem US-Insider zufolge erzielte Russland in den vergangenen Tagen „bestenfalls minimale“ Fortschritte bei seiner Offensive im Donbass im Osten des Landes. Medienberichte, wonach der russische Generalstabschef in der vergangenen Woche bei Kämpfen im Donbass verletzt worden sei, bestätigten die Vereinigten Staaten nicht. Dass Waleri Gerassimow die Region besucht habe, sei dagegen wahr, so ein hochrangiger US-Militärvertreter. In den umkämpften Gebieten Charkiw und Donezk wurden Behörden zufolge am Montag mindestens vier Zivilisten getötet und 16 weitere verletzt.

In der „ZiB2“ des ORF meinte der Militärstratege Günther Hofbauer zu einem möglichen Atomwaffeneinsatz Russlands: „Wir sollten das schon ernst nehmen, aber auch nicht übertreiben.“ Er sah diese Option einerseits als Nachricht an den Westen, sich „nicht einzumischen“. Andererseits handle es sich dabei um eine nach innen gerichtete Kriegspropaganda des Kreml unter dem Motto: „Seht her, welche Möglichkeiten wir haben“, so der Generalmajor.

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