Grauer Star: Mit OP nicht zuwarten

Der sogenannte „Graue Star“ — eine Trübung der Linse im Auge — ist eine Volkskrankheit im wahrsten Sinn des Wortes. Fast jeder über 65-Jährige ist betroffen, die Hälfte davon hat durch den Grauen Star Probleme beim Sehen. Eine Operation gibt es schon lange, aber in jüngster Zeit hat sich durch eine neue Technik des Eingriffs eine wichtige Veränderung ergeben: Wartete man früher mit der OP zu, soll heute möglichst frühzeitig operiert werden.

„Vor allem in der Nacht, bei Beleuchtung oder im Straßenverkehr merkt der Patient den Grauen Star, später kommt dann beim Sehen ein Grauschleier dazu“, erläutert der Linzer Augenfacharzt Peter Hammer, „dann ist es höchste Zeit für die Abklärung“. Denn der Graue Star wird unweigerlich schlechter, wenn auch in von Fall zu Fall unterschiedlichem Tempo. Eine Heilung ohne Eingriff gibt es nicht.

Frauen und Männer betroffen

Übrigens sind Frauen und Männer in gleichem Maß vom Grauen Star betroffen. Und, wie gesagt, die Eintrübung der Augenlinse tritt in erster Linie ab einem Alter von etwa 60 Jahren auf. Obwohl es, so Hammer, auch schon ab 40 und früher den Grauen Star geben kann. „Eine Operation ist immer möglich, auch in hohem Alter und auch, wenn andere Erkrankungen vorhanden sind, es geht hier um Lebensqualität“, so Hammer, „ich operiere immer wieder auch Tumorpatienten“.

Bei dieser Operation wird die vom Grauen Star betroffene Augenlinse entfernt bzw. durch ein Implantat ersetzt. Früher galt es als medizinische Lehre, den Grauen Star „ausreifen“ und sozusagen „hart werden“ zu lassen, also mit dem Eingriff zuzuwarten. Das hing damit zusammen, dass bei der Operation die Linse mit einer Schlinge „herausgezogen“ wurde. Heute hingegen wird der Graue Star verflüssigt und dann „abgesaugt“. „Das geht natürlich umso leichter und problemloser, je weniger die Linse verhärtet ist“, erläutert Hammer, warum frühzeitig operiert werden soll.

Operation dauert 15 Minuten

Die Operation selbst dauert — nach entsprechender Vorbereitung mit Augentropfen usw. — nicht mehr als 15 Minuten und erfolgt nur unter lokaler Betäubung des Auges. Der Eingriff ist für den Patienten schmerzfrei und wenig belastend, er erfolgt tagesklinisch. Zwischen dem Eingriff beim ersten und beim zweiten Auge wird eine Woche zugewartet. Die Kunstlinse ist optimal verträglich und braucht nie mehr erneuert werden. Und vor allem: Schon am Tag nach der Operation hat der Patient wieder einen lange nicht gekannten „scharfen Blick“.

Mehr als über 10.000 Eingriffe

Augenarzt Hammer — er operiert derzeit im Krankenhaus der Diakonissen in Linz, — hat in seiner beruflichen Zeit bereits mehr als 10.000 Mal einen Grauen Star geheilt. „Man darf die Sache nicht bagatellisieren, es ist eine ernst zu nehmende, aber sichere Operation dank des heute hohen technischen Standards und der Erfahrung aufgrund der Häufigkeit“, sagt Hammer, „auch wenn die Operation selbst nur eine Viertelstunde dauert“. Der Augenspezialist, der auch Hobby-Musiker ist, bringt einen Vergleich: „Wenn ein Pianist eine Sonate von Beethoven spielt, dauert sie 20 Minuten, aber dahinter liegen viel Know-how, Zeit und Arbeit, die man nicht sieht“.

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Von Werner Rohrhofer

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