Grausliches Gemetzel, schönes Latein

Österreicher haben großen Anteil daran: „Barbaren“ unter populärsten Netflix-Serien weltweit

Laurence Rupp als Arminius
Laurence Rupp als Arminius © Katalin Vermes

Sie ist ein weltweiter Hit und gleich mehrere Österreicher haben ihren Anteil daran: Die sechsteilige Netflix-Serie „Barbaren“ ist der bisher erfolgreichsten nichtenglischsprachigen des Streamingdienstes, „Haus des Geldes“, auf den Fersen, hat es in 91 Länder unter die Top 10 geschafft. Regie führte bei den ersten vier Teilen Barbara Eder („Cop Stories“, „Thank You for Bombing“), der Wiener Laurence Rupp spielt die Hauptrolle und nicht zu vergessen die gebürtige Ottensheimerin Sophie Rois, die als schräge Waldhexe ihr brodelndes Süppchen kocht. Eine Fortsetzung ist bereits beschlossene Sache.

Adrenalin pur

Adrenalin pur: Trommelschläge, die den Marschrhythmus diktieren, der metallische Klang der Schwerter, finstere Zeiten, in denen ständig überall eine Bedrohung lauert. Die übermächtigen Römer fordern als Besatzer von den Germanen Tribut – bis zu jener legendären, historisch belegten Varusschlacht, in der Stämme sich 9 nach Christus zusammentun und die römische Übermacht im Teutoburger Wald vernichtend schlagen.

Erzählt wird zunächst die Vorgeschichte: Der römische Feldherr Arminius ist das Kind eines germanischen Stammesfürsten und wurde seiner Familie einst von den Römern als Pfand für den Frieden genommen. Mit seinem römischen Ziehvater Varus kehrt er als Heerführer zurück und denkt zunächst nicht daran, die Seiten zu wechseln. Er strebt nach Höherem — im Römischen Reich. Doch als ihn Varus in Germanien zurücklassen will, wendet sich das Blatt…

In „Barbaren“ sind höchst professionell alle Zutaten vermischt, mit denen so eine historische Action-Serie bestens funktioniert, wie es schon „Game of Thrones“ oder „Britannia“ vorgezeigt haben: starke Helden, viel Blut und Gemetzel, Verrat und Lügen, Liebesgeschichten und eine ordentliche Portion Sex. Das alles in gewaltigen Bildern und mit großartigen Schauspielern erzählt, aus denen Rupp herausragt. Die Römer in glänzenden Rüstungen, die Germanen mit dreckigen Gesichtern und in Fellkleidern.

Während die hoch kultivierten Römer Latein sehr wohlklingend zum Leben erwecken, sprechen die Germanen — ein wenig befremdlich, aber zumindest gut verständlich — ein modernes umgangssprachliches Deutsch. Es wäre interessant gewesen, ein wenig mehr von ihrem Alltag zu erfahren.

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Das historische Ereignis selbst wurde einst von den Nationalsozialisten als Heldenmythos vereinnahmt, die in der Serie als zerstrittener, bösartiger Haufen dargestellten Germanen sollten dem keinen Anlass bieten.

Von Melanie Wagenhofer

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