Graz plant großen Tram-Ausbau und dritten Nahverkehrsknoten

Die Stadt Graz will anhand einer Studie des Schweizer Verkehrsplaners Willi Hülser drei Tramlinien ab 2023 realisieren. Laut Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hätten dann erstmals alle Bezirke eine Tramstrecke. Am günstigsten wären der Anschluss der Innenstadt nach Gösting zum dort zu errichtenden ÖBB-Nahverkehrsknoten sowie eine Linie vom Bahnhof zur Uni, dazu die Südwestlinie nach Straßgang.

Nagl war am Freitag beim Pressegespräch in Graz überzeugt, dass der Öffi-Verkehr mit der Tram Potenzial habe: “Mehr Straßenbahn für übermorgen – in diesem Sinne werden wir gemeinsam jene Linien vorschlagen, von denen wir überzeugt sind.” Er habe auch mit seinem Koalitionspartner FPÖ gesprochen, er gehe davon aus, dass es im September einen einstimmigen Grundsatzbeschluss im Gemeinderat geben werde. Damit erhielten Straßgang, Wetzelsdorf und Gösting endlich Tramanschlüsse.

Die Kosten für die etappenweise zu bauenden Projekte belaufen sich auf rund 285 Millionen Euro. “Es ist ein bisschen ein Wermutstropfen, denn wir waren auf einem guten Weg mit dem Bund zur Finanzierung, das wird sich leider verschieben”, sagte Nagl zum Platzen der Regierung. Die Zusage der Landeszuschüsse ist aber aufrecht. Bemerkenswert war das vorsichtig-freundliche Klima zwischen Nagl und Kahr, die sich seit Beginn der Legislaturperiode heftige Sträuße – u.a. zur Gondelbahn über den Plabutsch – geliefert hatten. Von letzterer war am Freitag übrigens gar nicht die Rede. Man könne jedenfalls bis 2030 mit rund 50.000 neuen Fahrgästen rechnen, ein Plus von einem Sechstel des jetzigen Passagieraufkommens.

Die besten Karten zur Realisierung haben drei Vorhaben. Zum einen die Nordwestlinie (Roseggerhaus-Lendplatz über Wiener Straße nach Gösting), wo ein Nahverkehrsknoten mit S-Bahnhaltestelle nahe des Interspar-Marktes errichtet werden soll. Bei diesem aufwendigen Projekt müssten die ÖBB miteingebunden sein. Weiters die neue Linie 2 (Uni-Linie), die den Hauptbahnhof über die Keplerstraße und den Geidorfplatz zum Resowi der Uni Graz und bis zur Leonhardstraße anbinden würde. Hier habe man mit der Einsparung von Betriebskosten laut Hülser eine hohe Wirksamkeit – alleine schon durch die Uni-Anbindung. Drittens die Südwestlinie – hier gebe es mehrere Varianten.

Verkehrsstadträtin Kahr sagte, sie sei immer überzeugt gewesen, dass “die Tram das Rückgrat des städtischen Verkehrs bildet. Das Vorhaben ist ein guter erster Schritt, noch in diesem Jahr soll die politische Willensbildung abgeschlossen sein.” Sie sei sehr froh, dass nun an einem gemeinsamen Schienenstrang gezogen werde.

Hülser sagte zum geplanten Ausbau, das Ziel sei eine geringere Anzahl von Autos: “Die Maßzahl war, wie kriegen wir mit welchem Projekt wie viele Personen auf wie vielen Kilometern auf der Tram weiter.” Mit mehr Passagieren kämen auch Autos von der Straße weg.

Andere Projekt wie etwa eine 7er-Verlängerung nach Süden zur Belgierkaserne oder die 1er-Verlängerung zum Parkhaus in der Fölling habe man nicht völlig vergessen, sagte Martin Bauer von der Stadtabteilung für Verkehrsplanung. Aber sie seien wegen zu hoher Kosten bei gleichzeitig geringem Potenzial nicht prioritär und teils auch nicht in Studie gewesen. Abgesehen von den neuen Plänen, befinden sich die schon vorgestellten Projekte bis 2023 wie etwa die Innenstadtentflechtung über die Neutorgasse in Umsetzung.

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