Grazer Jochen-Rindt-Gedenkjahr mit Straßenbahn eröffnet

Mit der Präsentation einer der Formel-1-Legende Jochen Rindt gewidmeten Straßenbahn ist das wegen Corona nach hinten verschobene Gedenkjahr für den Grand Prix-Piloten eröffnet worden. Bei der Veranstaltung am Mittwoch beim Grazer Zentralfriedhof waren der Halbbruder des vor 50 Jahren tödlich Verunglückten, Uwe Eisleben, sowie die Tochter, Natascha Rindt, als Ehrengäste anwesend.

Dass Graz den in Mainz geborenen, aber in der steirischen Hauptstadt aufgewachsenen Rindt als ihren Sohn betrachtet, daran ließen die Redner bei der Eröffnung des Gedenkjahres keinerlei Zweifel aufkommen. Er sei – ungeachtet seiner deutschen Staatsbürgerschaft – “ein Österreicher, ein Steirer, ein Grazer geworden”, erklärte etwa Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP), der ebenso wie Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zur Ehrung Rindts gekommen war.

Für das Gedenkjahr habe man sich daher einiges einfallen lassen, wie die Straßenbahn, die extra auf Jochen Rindt “gebrandet” worden sei. Die Aufschriften “Popstar”, “Weltmeister” und “Weltenbürger” sollen den verschiedenen Facetten Rindts gerecht werden, so der Bürgermeister. Als ein weiterer Höhepunkt des Gedenkjahres soll ab Mai nächsten Jahres im Grazmuseum eine große Jochen-Rindt-Ausstellung zu sehen sein: “Damit auch die nächsten Generationen wissen, dass er ein ganz, ganz großer Grazer war.” Die Tram trägt auch den Schriftzug “Jochen Rindt lebt” – dies dürfte sich wohl darauf beziehen, dass F1-Fans in den Rennen nach Rindts Unfalltod in Monza noch lange Schilder mit der Aufschrift “Jochen lives” während der Grands Prix hochgehalten hatten.

Die Eröffnungsveranstaltung in einem extra aufgebauten, Corona-tauglichen Zelt hinter dem Haupteingang des Zentralfriedhofs wurde vom ehemaligen ORF-Sportkommentator Robert Seeger moderiert. Persönliche Erinnerungen an Jochen Rindt gaben Jugendfreund Helmut Marko, der sich nur ungern an illegale Autorennen mit dem späteren posthum F1-Weltmeister gewordenen Champ erinnern ließ, und Uwe Eisleben, der “nur ein einziges Mal, und das ungern” von seinem berühmten Halbbruder chauffiert wurde, zum Besten. Rindt-Tochter Natascha, die extra aus Genf in Vertretung ihrer rekonvaleszenten Mutter Nina angereist war, bedauerte allerdings, keine Erinnerungen an ihren Vater zu besitzen: “Ich war zu jung.”

Die Veranstaltung, bei der den Gästen eine exklusiv gestaltete und Corona-gerecht verpackte, “Boxenstopp”-Jausenschachtel inklusive der nachempfundenen, angeblichen “Lieblingsnascherei” des jungen Jochen Rindt gereicht wurde, endete mit einem gemeinsamen Gedenken am Ehrengrab Rindts am Zentralfriedhof.

Im Zuge des Gedenkjahres soll auch ein Platz nach Jochen Rindt benannt werden. Wann der “Jochen-Rindt-Platz” im Neubau-Stadtteil Reininghaus eingeweiht werden soll, steht noch nicht fest. Der ORF plant anlässlich des 50. Todestags der Formel-1-Ikone am kommenden Sonntag einen Sendeschwerpunkt.

SERVICE: Informationen zum Jochen-Rindt-Gedenkjahr der Stadt Graz unter: )

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