Green-Mobility-Konsortium verstärkt sein Werben um MAN

Gespräche mit LH Stelzer – Ex-OeNB-Chef mit an Bord – Betriebsrat droht

Das Green-Mobility-Konsortium rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) bemüht sich um eine Weiterführung des Werks in Steyr.
Das Green-Mobility-Konsortium rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) bemüht sich um eine Weiterführung des Werks in Steyr. © APA/fotokerschi.at/Kerschbaummayr

Nachdem es erst vergangene Woche öffentlich das Interesse an einer Fortführung des MAN-Standorts in Steyr noch einmal bekräftigt hatte, intensiviert das Green-Mobility-Konsortium rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) nun die Bemühungen.

Hatte das Konsortium damals mit der MAN-Mutter in München eine Vertraulichkeitserklärung zur Aufnahme weiterer Gespräche abgeschlossen, präsentierte man am vergangenen Freitag die Pläne nun auch Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. Rund eine Stunde hätten die Gespräche gedauert, berichtete Konsortiumssprecher Gerald Ganzger dem VOLKSBLATT.

„Suchen Zukunftslösung“

Über den Inhalt des Gesprächs wurde Stillschweigen vereinbart, LH Thomas Stelzer und LR Achleitner betonten aber auf Anfrage die gemeinsamen Anstrengungen: „Wir als Landesregierung sprechen mit allen Interessenten, die eine Zukunftslösung für den MAN-Standort Steyr vorlegen. Für uns ist vordringlich, dass möglichst viele Arbeitsplätze der Mitarbeiter erhalten und abgesichert werden“, erklärten die beiden.

Raidl mit an Bord

Auch personell hat sich das Konsortium nun prominent noch breiter aufgestellt. Mit dem Industriellen und Ex-Notenbankchef Claus Raidl konnte ein neuer Sprecher gewonnen werden.

Gesprochen wurde am Freitag von Seiten des Konsortiums nicht nur mit der Politikspitze, sondern auch mit den Belegschaftsvertretern Helmut Emler und Thomas Kutsam. Das vorgestellte Konzept sei in Ordnung, so Emler über das Treffen. Ausdrücklich begrüßte er die Unterstützung des ehemaligen voestalpine-Vorstands Raidl.

Als nächsten Schritt will die „Green Mobility“ das Konzept nun fertig ausarbeiten, im Juni sollen mit MAN dann konkretere Gespräche geführt werden. Auch Investor Siegfried Wolf könnte dabei einbezogen werden.

„Wollen Mitarbeiter mitnehmen“

Konsortiumssprecher Ganzger betonte am Dienstag noch einmal, die Mitarbeiter bei einer möglichen Weiterführung mit ins Boot holen zu wollen.  Es solle eine echte strategische Mitarbeiterbeteiligung an einer dann noch zu gründenden Standortsbetriebsgesellschaft geben – angelehnt an ein Modell, das die voestalpine bereits in den 90er-Jahren etabliert hat.

Neben einer Gewinnbeteiligung verfügt die Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung dort über  einen Sitz in der Hauptversammlung und ein Mandat im Aufsichtsrat. Zwar sind Aktiengesellschaft und GmbH nicht vergleichbar, doch soll es die Wertigkeit der Mitarbeiterstimme verdeutlichen.

Der neue Industriesprecher Claus Raidl kommt aus der Voest, war dort Vorstand, er hat diese Idee auch bei der Green Mobility nun voran getrieben. Beim Betriebsrat wurde die Idee nach ersten Gesprächen sehr wohlwollend aufgenommen.

Betriebsrat droht

Weniger positiv gestimmt als bei den Gesprächen mit möglichen Investoren ist Betriebsrat Emler bezüglich der Verhandlungen mit der MAN-Führung über einen neuen Sozialplan. Hier stimmte der Betriebsratsvorsitzende härtere Töne an.

Sollte es nach den Verhandlungen der vergangenen Woche auch bei den nächsten Gesprächen – sie sollen diese, spätestens nächste Woche stattfinden – keine nennenswerten Fortschritte geben, würden Maßnahmen ergriffen. „Wenn man wieder drei Stunden diskutiert und es kommt nichts dabei raus“, so Emler, werde reagiert.

Auf die Frage, ob das die erste Streikdrohung sei, erklärte der Betriebsrat, dass Streik eine Möglichkeit sei. Aber auch die schon öfter ins Spiel gebrachte Feststellungsklage über die Rechtmäßigkeit des Standortsicherungsvertrag bzw. des darin enthaltenen Kündigungsverzichts liege im Bereich des Möglichen. Würde der Vertrag halten, könnte die Schließung des Werks MAN laut Gewerkschaft 1,5 Milliarden Euro kosten.

Von Christoph Steiner

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