Grimes: Miss Anthropocene

Vier Jahre nach der EP „Art Angels“ veröffentlichte Claire Elise Boucher alias Grimes (31) mit „Miss Anthroposcene“ ein neues Album.

Das Anthropozän steht für ein neues Erdzeitalter, in dem der Mensch zum maßgeblichen Einfluss auf die Biologie, die Atmosphäre und die Geologie geworden ist. Dem Thema Klimawandel nähert sich die kanadische Sängerin, die gemeinsam mit dem Automobil- und Raumfahrtunternehmer Elon Musk ihr Kind erwartet, aber aus einer ungewohnten Perspektive.

Wo sonst wahlweise Endzeitszenarien oder Leugnungsstrategien die Debatte bestimmen, findet Grimes, der Klimawandel solle „Spaß“ machen, wie sie etwa dem „Crack Magazine“ sagte. Sonst höre man von dem Thema nur, wenn es darum gehe, Schuldgefühle auszulösen.

Auch klanglich ist das Album speziell: Die Produktion klingt stellenweise, als lauschte man Grimes bei einem Auftritt in einer menschenleeren Halle aus der Entfernung. Grimes bettet ihren Mut zur Opulenz an vielen Stellen in die Struktur von Popsongs. Das gilt etwa für das Stück „Delete Forever“, das soft und beschwingt daherkommt.

„Miss Anthropocene“ ist jedenfalls kein reines Clubalbum und auch keines, das sich beim ersten Hören gleich erschließt — ganz wie das Kunstprojekt Grimes selbst.

Hörprobe:

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