Größtes Flüchtlingslager Europas brannte völlig nieder

Migranten dürften Feuer selbst gelegt haben – Diskussion um Aufnahme tausender Obdachloser

Oben: In der Nacht brannten die meisten Teile des riesigen Camps völlig aus. Rechts: Noch am Morgen waren nicht alle Brände unter Kontrolle.Am nächsten Tag wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar: Fast das ganze Lager ist zerstört.
In der Nacht brannten die meisten Teile des riesigen Camps völlig aus. Rechts: Noch am Morgen waren nicht alle Brände unter Kontrolle.Am nächsten Tag wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar: Fast das ganze Lager ist zerstört. © AFP/Lagoutaris

Das Camp Moria auf der griechischen Ägäisinsel Lesbos, Europas bisher größtes und seit Jahren notorisch überfülltes Flüchtlingslager, ist in der Nacht auf gestern fast zur Gänze ein Raub der Flammen geworden. Das Lager mit einer Kapazität von eigentlich 2800 Plätzen hat zuletzt knapp 13.000 Menschen beherbergt, die nun obdachlos sind. Es gab mehrere leicht Verletzte, Todesopfer waren nicht zu beklagen. Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis kritisierte die „Haltung einiger Migranten“, die offenbar mehrere Feuer gelegt haben dürften und die Feuerwehr danach bei den Löscharbeiten behindert hätten. Manche haben Feuerwehrleute mit Steinen beworfen. Auch die Regierung geht offiziell von Brandstiftung aus.

Athener Regierung geht von Brandstiftung aus

Tatsächlich hat es laut Behörden mehrere Brandherde gegeben. Windböen von bis zu 70 km/h haben die Flammen rasch ausgebreitet. Dem Großbrand waren Randale vorausgegangen, weil Migranten gegen die Quarantäne von 35 mit Corona infizierten Lagerbewohnern und gegen die zweiwöchige Abriegelung des Lagers wegen der Infektionen protestiert hatten. „Es kann keine Ausreden geben für gewalttätige Reaktionen aufgrund von Gesundheitskontrollen“, sagte Mitsotakis.

Die griechische Zivilschutzbehörde verhängte den Ausnahmezustand über die Insel mit 85.000 Einwohnern. Noch in der Nacht haben die Behörden begonnen, Menschen aus dem Lager zu bringen.

Die EU-Kommission sagte gestern zu, den Transfer und die Unterbringung der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen auf das griechische Festland zu finanzieren. „Die Sicherheit und der Schutz aller Menschen in Moria hat Priorität“, erklärte Innenkommissarin Ylva Johansson. EU- Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigte sich „tief traurig“ und erklärte via Twitter: „Wir stehen mit den Mitgliedstaaten bereit zu helfen“.

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Auch Österreich hat Griechenland Unterstützung angeboten. Zwar lehnten Innenminister Karl Nehammer und Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) die Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland weiterhin strikt ab.

Österreich bietet Hilfe in Griechenland vor Ort an

Man wolle Athen aber an Ort und Stelle mit allen Mitteln unterstützen, sagten sie. Umweltministerin Leonore Gewessler von den Grünen, die sich für eine Aufnahme aussprechen, sagte, es sei ein Gebot der Menschlichkeit, dass es nun rasch Unterstützung der EU gebe. Viele Hilfsorganisationen sprachen sich dafür aus, besonders schutzbedürftige Personen auch in Österreich aufzunehmen. SPÖ-EU-Abgeordnete Vollath erklärte es zur „gemeinsamen Aufgabe der Europäischen Union, das Lager zu evakuieren“.

Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR warnt vor Konflikten zwischen Flüchtlingen und Bewohnern von Lesbos. Eine vorübergehende Lösung zur Unterbringung obdachlos gewordener Menschen sei in Arbeit.

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