Österreich erwägt Einreisestopp für Großbritannien

Österreich erwägt offenbar eine Verschärfung der Einreisebestimmungen für Großbritannien, die Niederlande, Dänemark und Norwegen. „Das ist eine Möglichkeit, die wir besprechen“, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Corona-Krisenkoordination GECKO solle morgen eine Einschätzung dazu abgeben. Scharfe Kritik an den medial kolportierten Plänen war zuvor auch vom Koalitionspartner ÖVP gekommen.

Die Einstufung als Virusvariantengebiet kommt einem Einreiseverbot gleich, was insbesondere Winterurlaubsdestinationen treffen könnte. Österreichische Staatsbürger und EU-Bürger sind zur Einreise berechtigt, müssen aber besonders strenge Quarantäneregelungen – zehntägige Quarantäne, PCR-Test bei der Einreise, Registrierung – einhalten. Die Verordnung soll laut einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ am Mittwoch verlautbart werden und ab dem 24. Dezember gelten. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Für die APA war dort auf mehrfache Anfrage keine Bestätigung zu erhalten.

Heftige Attacken ob des vermeintlichen Vorhabens ritt Seilbahn-Obmann und ÖVP-Abgeordneter Franz Hörl gegen den Koalitionspartner in Person von Mückstein. Die drohende Einstufung von Großbritannien, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden als Virusvariantengebiete sei ein „Schlag ins Gesicht für die heimischen Tourismusbetriebe“. „Dass nun tausende Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer de facto in einen Lockdown gedrängt werden, nimmt der Branche die letzte Hoffnung auf einen erfolgreichen Start in die Wintersaison“, so der Zillertaler Hotelier, der aus allen Rohren gegen Mückstein schoss: Mit der „überraschenden und mit Fehler behafteten Einreiseverordnung“ habe dieser „bereits wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er nach über 21 Monaten Pandemie nichts dazu gelernt hat“.

„Trotz Kritik an der Vorgehensweise und dem wiederholten Angebot zu Gesprächen setzt Mückstein sein Missmanagement fort“, kritisierte Hörl und sprach von „Chaos- und Resignationspolitik“ des Ministers. Komme es ab Donnerstag wirklich zu einem kompletten Einreiseverbot für Menschen aus Großbritannien bzw. zu einer Quarantänepflicht für Gäste aus Dänemark, den Niederlanden und Norwegen – „trotz 2G-Status und gültigem PCR-Test“ – würden manche Tourismusregionen mit einem Schlag entleert, warnte der oberste Seilbahnvertreter.

In dieselbe Kerbe wie Hörl schlugen auch NEOS. Vizeklubchef Gerald Loacker sah den Minister „mit dem Pandemiemanagement heillos überfordert“. Mückstein ersticke „jeden Fremdenverkehr im Keim, wenn der die neue Verordnung so erlässt wie kolportiert wird“, schrieb Loacker am Dienstagnachmittag in einer Aussendung. „Zuerst lässt man wochenlang Tausende Flugpassagiere trotz Omikron ohne PCR-Tests ins Land und jetzt sollen sie ab Freitag plötzlich trotz 2G und negativem PCR-Test zehn Tage in Quarantäne“, bezeichnete der Vorarlberger Nationalratsabgeordnete den vermeintlichen Plan Mücksteins als „absolut nicht mehr nachvollziehbar“. „Wenn er 2G in Verbindung mit einem PCR-Test nicht mehr traut, kann er gleich einen Dauerlockdown für die nächsten zwei Jahre verhängen“, so Loacker in Richtung des Grünen Ministers.

Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Bisher gelten nur die afrikanischen Länder Angola, Botswana, Eswatini, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe und Südafrika als Virusvariantengebiete. In Südafrika war die Omikron-Variante zum ersten Mal nachgewiesen worden. Mittlerweile gibt es zahlreiche bestätigte Fälle in ganz Europa. Deutschland hatte deshalb bereits am Montag Großbritannien als Virusvariantengebiet eingestuft.

Zuletzt war Kritik an der Landung zahlreicher Flieger aus Großbritannien, wo Omikron in einigen Landesteilen bereits die dominierende Coronavirus-Variante ist und eine Überlastung des Gesundheitssystems befürchtet wird, laut geworden. Der Genetiker Ulrich Elling erklärte im „Ö1“-Morgenjournal am Dienstag: „Ich glaube, es sind 26 Flugzeuge allein in Salzburg und Innsbruck gelandet. Wenn da insgesamt etwa 5.000 Personen an Bord sind und die Inzidenz im Moment so ist in England wie sie ist, dann muss man davon ausgehen, dass pro Tag 15 Fälle importiert werden und die dann ja natürlich auch direkt in die Skigebiete gehen und in die Hotels.“

Das könnte Sie auch interessieren

Wie ist Ihre Meinung?

Um Ihre Meinung zu posten, müssen Sie bei Facebook registriert und angemeldet sein.

Social Media Inhalt
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.