Große Liebe, giftiger Text

Rasant: „Romeo und Julia“ in der Tribüne Linz

Samuel Pock und Kristin Henkel
Samuel Pock und Kristin Henkel © Klemens Reischl

Von Christian Pichler

Die Trauung kann den blutjungen Liebenden gar nicht schnell genug gehen. Hurtigst die Ringe übergestreift, Bruder Lorenzo (Rudi Müllehner) kommt kaum dazu, seinen Segen zu geben. Endlich fallen Romeo und Julia übereinander her und knutschen, was das Zeug hält. Köstliche pantomimische Szene, auch für Regisseurin Cornelia Metschitzer gilt: Tempo, Tempo! Sie hat den Text (Übersetzung: A. W. Schlegel) gestrafft, Hardcore-Puritaner dürfen Naserl rümpfen, andere sollten ihre Freude haben an dieser Inszenierung.

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Heftig beklatschte Premiere von Shakespeares „Romeo und Julia“ war Mittwoch in der Tribüne Linz. Am Anfang und Ende der Tragödie steht die 90er-Hymne „Zombie“ von den Cranberries, ein wütender Protest gegen den Nordirland-Konflikt. Bei Shakespeare die Familien Capulet und Montague im Bürgerkriegszustand, Amors Pfeil trifft ausgerechnet Romeo und Julia.

In popkultureller Wahrnehmung das ultimative Liebesdrama, hat Shakespeare doch einiges Gift in den Text geträufelt. Die Liebenden wie unschuldige Kinder, ein gefundenes Fressen für hasserfüllte Herzen. Die, die reinen Herzens eine Katastrophe abwenden wollen, lösen sie erst recht aus. Das ist oft nah an der schwarzen Komödie.

Manche Musikeinspielung ein Zuviel an Rasanz, Metschitzer könnte mehr der Stille und fünf toll aufeinander eingespielten Schauspielern vertrauen. Samuel Pock und Kristin Henkel sind ein wunderbares Liebespaar, ihm stockt als Romeo hörbar der Atem, wenn er der weichen, später vor Liebe überschäumenden Julia ansichtig wird. Alexander Lughofer schultert vier Rollen, herrlich sein Mercutio als derb-witziger Kindskopf, der den liebestaumelnden Kumpel Romeo „vernascht“. In Verona pöbeln die schwarz gewandeten Jugendlichen beider Familien, Paula Kühn kämpft auf Montague-Seite und gibt heftig polternd, kindisch kichernd und maßlos verzweifelt Julias Amme. Rudi Müllehner ragt noch heraus, intensiv und abgebrüht, er ist viele, Herr und Knecht in einer Person. Raffinierte Lichtspiele, die Bühne karg, drei Stufen, ein Sofa in Rot.

Dieses schöne, unangreifbare Lächeln, wenn Kristin Henkel verkündet, dass sie in der Gruft bei ihrem Romeo bleiben wolle. Der Entschluss gefasst, Julia folgt ihrem Mann in den Tod. Packende Theatermomente, den Klassiker würdig, wuchtig und zeitgemäß auf die Bühne gesetzt.

Bis 15. Dezember; Karten: 0699/11 399 844