Große Sprachsinfonie: Bruckner trifft auf Stifter

„Wortklang im Brucknerhaus“: Philipp Hochmair las am Samstag Adalbert Stifters „Hagestolz“

Philipp Hochmair las Stifter im Brucknerhaus.
Philipp Hochmair las Stifter im Brucknerhaus. © Reinhard Winkler

Als wolle er sein Publikum animieren bei vollem Tempo einzusteigen, so aufgeregt und gestikulierend beginnt Philipp Hochmair seine Lesung von Adalbert Stifters Erzählung „Der Hagestolz“ im Rahmen der Reihe „Wortklang im Brucknerhaus“.

Den mittleren Saal füllt am Samstag jener Schauspieler, der schlagartig berühmt wurde, als er für Tobias Moretti über Nacht als Jedermann in Salzburg einsprang. Doch bei Stifter geht nichts so schnell. Es sind die Österreichischen Salonisten, die den Zugang zu Zeitgeist und Gefühlswelt von Anton Bruckner und Adalbert Stifter eröffnen, vier exzellente Musiker: Peter Gillmayr (Violine), Andrej Serkov (Bajan), Judith Bik (Cello) und Roland Wiesinger (Bass).

Evelyn Klauzner arrangierte Musikstücke von Anton Bruckner zu Stifters Erzählung als sei dies der einzig mögliche Soundtrack. Hochmair findet Sprache und Tempo; wie Protagonist Viktor verändert er sich im Lauf der Geschichte. Bald folgt ihm und den Salonisten das Publikum mit Hingabe. Das Bajan (eine Form des Akkordeons) tritt in Dialog mit dem Cello, der Bass besänftigt bis die Violine in Heiterkeit auflöst, zartes Pizzicato trifft Bruckner’sche Wucht. Musik, die Stifters Sprache mit Leichtigkeit, Gewicht und Tiefe zu einem harmonischen Ganzen vollendet. 1844 verfasste Stifter die Erzählung vom Waisenknaben Viktor, der seine geliebte Stiefmutter und Ziehschwester Hanna verlassen muss, um den auf der Insel eines Bergsees lebenden Oheim zu suchen. Aus dem schroffen „Hagestolz“ bricht – als der Junge ihn nach Jahren wieder verlassen will – seine Lebensgeschichte hervor. Hochmair lässt hier Bilder entstehen.

Monolog über das Leben als Glanzlicht des Abends

Großes schauspielerisches Glanzlicht ist ein Monolog des Alten über das Leben schlechthin. Leid über vertane Liebe bricht brüllend heraus, verstummt resignierend, lässt schließlich den gereiften Jungen ziehen. Die anschließende Bootsfahrt über den See bebildern die Salonisten mit Echos und Ruderschlägen aus der Sinfonie Nr. 4. So glücklich das Ende für den Jungen, so wehmütig erkennt der Alte „Zu spät. Was versäumt, ist nicht nachzuholen“. Eine Erzählung dargeboten wie eine Sinfonie mit Musik, die Welten auftut. Ein Glücksfall!

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