Großes Kino auf der Theaterbühne

„Shakespeare in Love“: Gefeierte Premiere der Kulturfabrik Helfenberg

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schaexpir+(34).jpg © Reinhard Winkler

„Theater! Ein Pfuhl des Unflats!“, Parodie oder mögliche Variante der Wirklichkeit? Gleich an zwei Intendanten verkauft Will Shakespeare sein ungeschriebenes, noch nicht einmal recht ausgedachtes Stück, weil — eh klar — Geldnöte ihn plagen. Irgendwas mit einer Piratenbraut soll es werden, ein Hund (sehr lieb der bühnenerfahrene Legolas) muss mitspielen, weil die Queen das mag. Doch eine Schreibblockade erstickt jeden seiner Gedanken.

Als Anspielung auf die Diskussion um den Ursprung Shakespeare´scher Stücke, hilft Konkurrent Marlowe dem Dichter auf die Sprünge. Lukas David Schmidt beeindruckt als Shakespeares kreatives Pendant. Die Kulturfabrik Helfenberg spielt heuer auf einer Freiluftbühne vor Burg Piberstein. Zum Auftakt der Alptraum aller Open Airs — zum Beginn der Premiere beginnt es zu regnen. Sekundenschnell uniformiert sich das Publikum mit den bereitgestellten gelben Regenponchos. Bald vergessen sind Nässe und Kälte, unbemerkt fast hört der Regen auf.

Als Film erhielt „Shakespeare in Love“ (1998) sieben Oscars, 2014 kam die Bühnenfassung in London zur Aufführung, zum Klassiker bereits wurde die Story über die Entstehung der größten Liebesgeschichte aller Zeiten, doch mehr noch eine geistreich funkelnde Komödie über das Theater und seine Protagonisten. Die ins Heute transferierte Verwechslungskomödie bringt Shakespeare mit der wohlhabenden Viola de Lesseps zusammen, die zum einen als Jüngling verkleidet zum Theater drängt, andererseits als sittsame junge Frau dem Adligen Wessex, (fantastischer Ungustl John F. Kutil) versprochen ist.

Beim ersten Anblick verfällt Will der Schönen, schlagartig fließen überschwängliche Sonette von seinen Lippen, „Romeo und Julia“ entsteht wie von selbst direkt auf der Bühne, quasi als „Work in Progress“. Nicht nur heillose Romantiker kriegen weiche Knie, wenn Will das wahre Geschlecht des verkleideten Jünglings erkennt. Die Welt steht still, Blicke, Staunen, Erkennen, mittendrin das Publikum. Mit Haut und Haar lässt sich die Inszenierung auf den süßen Augenblick ein. Im Finale endlich als Theater im Theater die Uraufführung von „Romeo und Julia“, erstmals gehen die Tode der Unsterblichen über die Bühne. Unaufgefordert spielt das Publikum das ideale Publikum. Auf der obersten Ebene der Bühne (Roland Ploner) rückt am Ende eine verschrobene Queen (Petra Strasser) die Schicksale ins rechte Lot.

Tolle Regie und ein grandioses Ensemble

Regisseurin Brigitta Waschnig nimmt Maß an großen britischen Inszenierungen. Mehr als ebenbürtig agiert ihr Ensemble. Da fesseln filmreife Fecht- und Kampfszenen, mittelalterliche Musik, Chöre und Tänze (Daniel Grosse Boymann brilliert als musikalischer Leiter wie schauspielerisch als Mercutio), unzählige Zitate fließen locker wie Alltagssprache. Okan Cömert in der Titelrolle beherrscht viele Facetten der Komik ohne je dick aufzutragen. Soffi Povo als Julia-Viola gibt der lieblichen Frauenfigur einen wohltuenden Schub lässig lockerer Weiblichkeit. Auf der Bühne agiert ein großes Ensemble, viele in mehreren Rollen. Die Homogenität des Ensembles, die Kongenialität aller Spieler macht das Treiben auf der Bühne zum uneingeschränkten Vergnügen. Langer Applaus! Empfehlung: Warm anziehen, Karten sichern.

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Von Eva Hammer

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