Grazer Grünen-Stadträtin Wirnsberger tritt zurück

Die Grazer Umwelt- und Frauenstadträtin Tina Wirnsberger hat am Freitag überraschend ihren Rücktritt mit spätestens Ende des Jahres erklärt. Wirnsberger füllt die Funktion erst seit eineinhalb Jahren aus, hatte aber nie so richtig in Erscheinung treten können. Auch die Funktion als Grazer Parteichefin (seit 2016) legt sie zurück. Als Grund wurden am Freitag Gesundheitsprobleme genannt.

Es bestehe kein Grund sich ernsthafte Sorgen zu machen, aber es stehe auch eine Operation im Raum und es sei Wirnsberger nicht möglich, die Funktion in vollem Umfang und in der dafür notwendigen Intensität auf Dauer auszuüben, hieß es seitens der Grünen. „Es ist mir nicht leicht gefallen, diesen Entschluss zu fassen, aber es ist eine Vernunftentscheidung und der Zeitpunkt ist der richtige“, sagte die 36-jährige Wirnsberger.

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Über die vergangenen eineinhalb Jahre zog sie eine aus ihrer Sicht positive Bilanz. Sie habe innerhalb der Partei einen Öffnungsprozess auf Schiene gebracht und ein Arbeitsprogramm zusammen mit vielen engagierten Menschen erarbeitet, das demnächst fertiggestellt werde. Wichtige Stadtthemen wie Grünraum-Debatte, die dringende Klimawandelanpassung und die Erhöhung der Förderung für Fraueneinrichtungen seien angegangen worden.

Die Nachfolge von Wirnsberger ist noch unklar. Der steirische Landessprecher und Landtagsklubchef Lambert Schönleitner sagte am Freitag dazu, man werde in den nächsten Wochen zusammen mit der Stadtpartei eine Entscheidung treffen. „Die Gesundheit hat immer Vorrang“, sagte der steirische Grünen-Chef. Er danke ihr sehr herzlich für ihre Arbeit für die Stadt Graz und das gesamte Grüne Projekt in den vergangenen Jahren, wie auch für ihr Engagement im menschenrechtlichen Bereich. Selbst sei er am Donnerstagabend von Wirnsberger über ihren Schritt informiert worden.

Tina Wirnsberger wurde am 6. April 1982 in Graz geboren und stammt nach eigenen Angaben aus einfachen Verhältnissen. Sie ist seit 2012 in der Politik und bei den Grünen und fungierte u.a. als Bezirkssprecherin im migrationsstarken Bezirk Lend und seit 2014 als Mitarbeiterin im Gemeinderatsklub. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2015 als engagierte Initiatorin der Plattform „Flüchtlinge Willkommen in der Steiermark“ bekannt. Bei der Mitgliederversammlung Ende Juni 2016 bekam die Quereinsteigerin ohne Gegenkandidaten 87,4 Prozent Zustimmung. Die diplomierte Sozial- und Berufspädagogin hatte bei der GR-Wahl am 5. Februar 2017 rund 12,14 Prozent mit sechs Gemeinderats- und einem Stadtsenatssitz zu verteidigen. Geworden sind es 10,51 Prozent, ein minus von 1,63 Prozentpunkten. Damit gab es fünf Sitze im 48-köpfigen Gemeinderat und den Posten als Umwelt- und Frauenstadträtin.