Gucklöcher in geheime Räume

Das neue Stiftsmuseum Wilhering bläst mit einer Mischung aus Moderne und Spiritualität den Staub von seiner bald 875-jährigen Geschichte

Vor allem Menschen, die sich für ein Leben innerhalb der Klostermauern interessieren, ist dieser Raum gewidmet.
Vor allem Menschen, die sich für ein Leben innerhalb der Klostermauern interessieren, ist dieser Raum gewidmet. © Stift Wilhering

Gerade noch wird der letzte Feinschliff verpasst, die letzten Vitrinen werden montiert, die letzten Statuen ins rechte Licht gerückt. Das neue Stiftsmuseum im Zisterzienserkloster Wilhering wird am 6. Dezember feierlich eröffnet.

Das VOLKSBLATT durfte sich schon vorab von den neu gestalteten Räumlichkeiten des Museums einen Eindruck verschaffen. Abt Reinhold Dessl führte durch die Ausstellung, für die innerhalb von zwei Jahren etwa 700 Quadratmeter revitalisiert worden sind.

Kloster investierte rund drei Millionen Euro

Insgesamt rund drei Millionen Euro nahm man dafür in die Hand. Anlass für die Um- und Einbauten sind die 875-Jahr-Feierlichkeiten, die das Stift im Jahr 2021 begehen wird. Kuratorin Lydia Altmann entwarf das Museumskonzept in enger Absprache mit dem Stift. Der erste große Teil der Ausstellung, der sich dem Themenkomplex „Rokoko im Donautal“ verschreibt, erzählt anhand von Zeittafeln die Geschichte des Stiftes. Am langen Tisch in der Mitte können Kinder das komplette Kloster mithilfe von Holzbausteinen zusammenbauen. An der gegenüberliegenden Wand prangt eine große Karte des Stiftes, Gucklöcher geben den Blick frei in diverse Räumlichkeiten und Plätze innerhalb der Gemäuer. Darunter auch einige, die der Öffentlichkeit sonst verwehrt bleiben – etwa die Bibliothek mit ihren 60.000 Bänden oder die Gruft, in der viele Äbte (und Landeshauptmann Johann Nepomuk Hauser) ihre letzte Ruhestätte fanden. Im zweiten Raum „Nah bei den Menschen“ heißt es dann: Kopfhörer aufsetzen. Besucher können dabei von diversen Patres erfahren, ob diese etwa auf Urlaub fahren dürfen bzw. was es bedeutet, in Zölibat zu leben. Ein weiteres Highlight ist eine spätgotische, eineinhalb Tonnen schwere Brunnenschale aus Adneter Marmor, die, jahrzehntelang getarnt als Blumenvase, im Stiftspark entdeckt wurde. Leise hört man dazu aus den montierten Boxen Wasser fließen. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden hier – und auch im übrigen Bereich – immer wieder zum Verweilen ein.

In der räumlich anschließenden Wechselausstellung wird die Geschichte der Stiftsgärten und Stiftshöfe in übersichtlich gestalteten Tafeln nähergebracht und mit zahlreichen Ausstellungsstücken (etwa Marmorlöwen sowie historischen Arbeitsgeräten) erlebbar gemacht. Auch für Kinder gibt es wieder etwas: Ein aufgestelltes Kegelspiel erinnert daran, dass es früher einmal im Kloster auch eine Kegelbahn gegeben hat. Dem heuer verstorbenen Wilheringer Komponisten und Zisterziensermönch Balduin Sulzer wird ein eigener Raum gewidmet, der auf sein Leben und sein Werk zurückblickt. Spannend und lustig zugleich ist dabei die Nachbildung seines Arbeitstisches. Chaos oder „kreative Unordnung“ herrscht hier, ganz wie zu Lebzeiten Sulzers, erklärt Abt Reinhold Dessl schmunzelnd. Der letzte Teil der Ausstellung widmet sich schließlich dem Maler Fritz Fröhlich. Neben einer reduzierten Form seiner seit zehn Jahren existierenden Ausstellung im Kloster, finden sich hier auch Skulpturen von ihm. Und da trifft schließlich Fröhlich auf Sulzer: Wenn man nämlich die zur Verfügung gestellten Kopfhörer aufsetzt, hört man passend dazu abgestimmte Musik des Komponisten. „Die beiden Künstler berühren sich dabei in ihrer Schrägheit und im Unkonventionellen“, so der Abt. Es sind tatsächlich diese Art von spielerischen und verrückten Ideen, die der stilvollen Ausstellung einen sympathischen Stempel aufdrücken.

Am 7. und 8.12. ist freier Eintritt. Generelle Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr

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