Günstige Gustostückerl in den Galerien

Stieger

Die privaten Galeristen stöhnen. Nur Kosten, keine Einnahmen. Absagen, verschieben, aussortieren, ordnen, abverkaufen und — in die Zukunft blicken. Seit 14. April haben die meisten privaten Galerien wieder geöffnet.

Desinfektionsmittel, Masken stehen den sehr geehrten Besuchern bei Bedarf selbstverständlich zur Verfügung, um telefonische Anmeldung wird gebeten, Abstandhalten kein Thema — die „Sehr geehrten“ kommen kaum. Das VOLKSBLATT hat sich in der Szene umgehört.

„Bilder daheim bewusster sehen“

Die Frühlingsausstellung der Linzer Galerie Seidler fiel flach. „Nach wie vor nur Kosten, keine Einnahmen. In der letzten Woche kamen genau null Besucher“, kommentiert Wilhelm Seidler (Bild), dessen Kunsthaus im Vorjahr 100-jährigen Bestand feierte. Einen positiven Aspekt ringt er sich ab: „Vielleicht schauen sich die Leute jetzt die Bilder daheim an der Wand bewusster an und freuen sich, wenn sie später was Schönes kaufen können.“ Wer auf der Homepage Bilder, Skulpturen oder historischen Schmuck von 1600 bis zur Gegenwart für sich entdeckt, dem stellt der Galerist frei Haus zum Probieren oder Testhängen zu. www.galerieseidler.at Tel. 0664/5454117

„Echte Zuckerl“ im Angebot

Die Galerie in der Schmiede in Pasching verlängert ihre Johann Jascha-Ausstellung bis 22. Mai. Der unverwechselbare Meister der Linie manifestiert „Das Ich als Zeichnung“. Die Pause nutzt Galeristin Christine Stieger für einen Umbau. Parallel dazu erfolgt ein Abverkauf aus dem Depot der Galerie. Stieger will keinen Künstler speziell nennen, verweist aber auf „echte Zuckerl und besonders preisgünstige außergewöhnliche Druckgrafiken“, dabei entschlüpfen ihr dann doch Namen wie Weiler, Prachensky, Korab oder Flora. www.galerieinderschmiede.at, Tel. 0676/31 77 080

Finale mit Wegbegleitern

„Zusperren!“ Erwin Pehböck schließt Ende des Jahres seine Galerie in Naarn, die er 26 Jahre führte. Zum Finale lädt er Wegbegleiter ein. Bis Ende Mai seinen allerersten Aussteller Eduard Bousrd Bangerl, zusammen mit Helga Hofer, Regina Hadraba und Gabriele Hain. Im Herbst kommen Anatol Ak, Ulrich Waibel sowie Wolfgang und Georg Stifter. Pehböck: „Was bleibt, ist eine schöne Privatsammlung und ungebrochene Freude an der Kunst und den Künstlern.“ www.pehboeck.at; Tel. 0664/480 79 23

„Augen zu und durch“

Stefan Brunnhofer, Leiter der gleichnamigen Linzer Galerie, arbeitet mit internationalen Künstlern. Die Vorbereitungen für 2021 liefen, die aufwendigen Kunsttransporte waren organisiert. Ab März ging es um die Rückabwicklung dieser Logistik, seit April um die Rückabwicklung der Rückabwicklung. „Ich lasse aufgrund der Krise keinen Künstler fallen. Augen zu und durch“, sagt Brunnhofer. Auf der Homepage bietet die Galerie derzeit Arbeiten renommierter Künstler aus der Sammlung der letzten 20 Jahre an. Ab 23. April können die Arbeiten auch wieder im Galerieraum als „BestOFFers“ besichtigt werden. www.brunnhofer.at; Tel. 0732/778321

„Fit sein für die Zeit danach“

Verlängert bis 30. April ist die Ausstellung zur Buchedition „die ernte auf thotzenplotzen, eine verzettelte parareale geschichte“ von Wolfram Zaunmüller im Hofkabinett in Linz. Besichtigung nach telefonischer Vereinbarung. Im Juni erscheint eine weitere feine Sammleredition über Erich Ruprechter und dessen Pornografie-Prozess 1960, bei dem zwölf Bilder des Künstlers beschlagnahmt und erst 35 Jahre später refundiert wurden. Das Buch wird zum 89. Geburtstag des Künstlers präsentiert. „Wir müssen fit sein für die Zeit nach der Krise, alles was wir jetzt verlieren, müssen wir ja irgendwie wieder verdienen“, sagt Galerist Paul Fischnaller. www.hofkabinett.at; Tel. 0664/38 25 345

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