Günther Grossböck: Herz – Tod (Universal)

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In jeder Beziehung einzigartig ist die neue CD des niederösterreichischen Bassisten Günther Groissböck (42) mit vier Liederzyklen, die ein Thema zum Inhalt haben, aber dieses sehr unterschiedlich musikalisch behandeln. Ungewöhnlich ist schon der Titel „Herz-Tod“. Für den erfolgreichen, gesuchten Opernsänger (im neuen Staatsopern „Lohengrin“ gibt er den König Heinrich, in Salzburg ist er der Ochs von Lerchenau) bedeutete dies eine vierfache Identifikation, ein viermaliges Eintauchen in die persönliche Gefühlswelt der Komponisten. So nennt er auch seine Auseinandersetzung mit den „Vier ernsten Gesängen“ von Brahms mit dem testamentarischen Stoff, die „Wesendonck“-Lieder von Wagner als Zeugnis seiner Liebe zu „Tristan und Isolde“, die „Michelangelo“-Lieder Hugo Wolfs oder Gustav Mahlers „Rückert“-Lieder eine Art künstlerisches Glaubensbekenntnis, das man ihm uneingeschränkt abnimmt. Groissböcks Stimme hat eine jede Sensation aussparende Entwicklung außerhalb von Mainstream und Karrieredrang durchgemacht, der Sänger erreichte wohl gerade deshalb die Weltspitze unter den heutigen Basskönigen. Seine in klangvoller Schönheit strömenden Linien der Tiefe, die Kultur seiner Phrasierung und der Sprache ringen jedem Hörer Bewunderung ab. In Gerold Huber hat er zudem einen der empfindsamsten Pianisten als Begleiter.

G. Sz.