Gütesiegel für 24-Stunden-Pflegebetreuung liegt vor

Das vom Sozialministerium angekündigte Gütesiegel für Vermittlungsagenturen, die 24-Stunden-Betreuung anbieten, liegt vor. Das österreichweit einheitliche Zertifikat beruht auf Freiwilligkeit. Mit den ersten Zertifizierungsverleihungen sei im Sommer 2019 zu rechnen, kündigte das Ministerium am Dienstag an.

“Ich betrachte das Österreichische Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen in der 24-Stunden-Betreuung als ganz wesentlichen Schritt in Richtung nachhaltiger Sicherstellung hochwertiger Betreuung und Stärkung der Situation betreuungs- und pflegebedürftiger Menschen und deren Familien zu Hause”, betonte Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Die Richtlinien seien vom Sozialministerium unter Mitwirkung der Wirtschaftskammer und “relevanter Stakeholder” erarbeitet worden.

Vermittlungsagenturen könnten damit unter Beweis stellen, dass sie – über die gesetzlichen Anforderungen hinaus – höhere Qualitätsstandards erfüllen. So müssen sich die Agenturen beispielsweise vertraglich verpflichten, in regelmäßigen Abständen, mindestens aber einmal pro Quartal, eine Qualitätssicherung durch Hausbesuche diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger durchzuführen und für einen Notfallplan zu sorgen.

Das Zertifizierungsverfahren wird vom Verein zur Förderung der Qualität in der Betreuung älterer Menschen durchgeführt. Das Recht zur Führung des Gütesiegels wird für drei Jahre vergeben. Danach ist eine Rezertifizierung möglich.

Für die Partei JETZT ist das Zertifikat ein “Etikettenschwindel”. “Das Gütesiegel für die 24-Stunden-Betreuung ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wird, denn es enthält keine notwendigen Mindeststandards, an die sich die Agenturen halten müssen”, kritisierte die Abgeordnete Daniela Holzinger. Die Probleme bei der 24-Stunden-Betreuung reichten von der notwendigen Qualifizierung der Personenbetreuer über ihre Deutschkenntnisse bis hin “zur unklaren Förderung und zu dubiosen Vermittlungsagenturen, die mit der Not der Angehörigen ein Geschäft auf dem Rücken der Personenbetreuer machen”, meinte Holzinger. Durch das unverbindliche Gütesiegel werde keines der Probleme gelöst, zeigte sie sich überzeugt: “Es verleiht den zertifizierten Agenturen vielmehr einen Freifahrtschein für drei Jahre.”

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