Gute Organisation, damit die Verunsicherung weicht

Margot Nazzal will als neue Direktorin für Kultur und Gesellschaft Institutionen „zukunftsfit“ machen

Die Direktorin der Abteilung für Kultur und Gesellschaft beimLand OÖ, Margot Nazzal
Die Direktorin der Abteilung für Kultur und Gesellschaft beimLand OÖ, Margot Nazzal © Land OÖ

Sie will als Direktorin die neu formierte Abteilung für Kultur und Gesellschaft beim Land OÖ „zukunftsfit“ machen und ist ein Organisationsprofi. Die 39-jährige Juristin Margot Nazzal, seit Anfang August zuständig u.a. für 70 Mitarbeiter im Bereich Kulturdirektion und mehrere Tausend in Landesmusikschulwerk, Theater und Orchester GmbH, Landes-Kultur GmbH etc., über ihre kulturellen Vorlieben, Corona-Herausforderungen und Chancen, die sich aus der Kritik ergeben.

VOLKSBLATT: Was interessiert Sie persönlich an Kultur?

MARGOT NAZZAL: Ich habe den Vorteil, dass ich mich — nachdem ich aus keinem bestimmten Bereich komme — für alles interessiere. Privat gehe ich in Konzerte, ins Theater, in Museen. Im Zuge der Vorbereitungen für meine neue Aufgabe ist mir bewusst geworden, wie viel es in Oberösterreich gibt, das mir noch nicht so bekannt ist. Das ist gerade in Zeiten von Corona eine noch größere Bereicherung.

Haben Sie sich schon mit der heimischen Kulturszene vertraut gemacht?

Ich bin in Woche 4 und dabei, mich hier im Haus zu orientieren, die Akteure kennenzulernen. Ich stehe also am Anfang dieser großen und schönen Aufgabe.

Sie haben sich unter 25 Bewerbern durchgesetzt. Was befähigt Sie, die neue Direktion für Kultur und Gesellschaft zu leiten?

Was jetzt vor allem gefragt ist, ist sicherlich der Blick auf innen. Ich komme aus der Verwaltung und bin Juristin, das ist das Werkzeug, das ich mitbringe. Ich war im Büro für Außenbeziehungen, habe im Präsidium viel mit Organisationsmanagement zu tun gehabt, hatte die interne Revision inne, bin sehr prozessorientiert im Sinne von Verbesserungen, Aufbau- und Ablauforganisation. Zuletzt war ich auch im Bereich Außenbeziehungen und Protokoll, da ging es darum, wie man ein Land im Veranstaltungsbereich und in Außenbeziehungen repräsentiert. Das kann ich in der Kultur auch gut verwenden.

Wie würden Sie Ihre neue Aufgabe beschreiben?

Es ist ein bisschen die Fortsetzung von dem, was ich jetzt schon gemacht habe. Zunächst muss einmal die innere Organisation gut aufgestellt sein. „Zukunftsfit“ zu sein, wird auch von einer Kulturorganisation verlangt: Die Abläufe müssen passen, wir müssen kundenorientiert arbeiten. Die Corona-Situation etwa hat viele Bereiche vor Herausforderungen gestellt. Da ist die Digitalisierung noch einmal mehr in den Fokus gerückt: von der Reduzierung von Kundenkontakten bis hin zum Förderwesen. Und es geht auch um effizienten und effektiven Ressourceneinsatz. Nach außen ist es wichtig, die Kulturverwaltung insgesamt in ihrer Größe gut zu transportieren, Flaggschiffe wie das Bruckner Orchester, aber auch kleinere Bereiche sichtbarer zu machen und noch besser international zu vernetzen. Es stehen ja große Projekte an, auch die müssen gut laufen, ob das jetzt das Brucknerjahr (Anm., 200. Geburtstag) ist, die Kulturhauptstadt oder die Landesausstellungen.

Stichwort Corona: Wie sieht es mit Anträgen von Kulturschaffenden auf Unterstützung beim Land Oberösterreich aus?

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Die eingebrachten Anträge wurden abgewickelt. Die Zahl schwankt und ist auch abhängig von der Situation beim Bund. Das wird uns auch noch begleiten, je nachdem, wie es auch bei der Bundeslösung weitergeht.

Stehen umgekehrt Rückforderungen von bereits ausgezahlten Landesförderungen für Veranstaltungen, die nicht stattfinden konnten, im Raum?

Wir sind da bemüht, im Interesse aller Beteiligten gute Lösungen zu finden. Rückforderungen sehe ich jetzt einmal nicht.

Es hieß immer wieder, die Förderabwicklung sei kompliziert und langwierig. Konnten da Vorgänge beschleunigt werden?

Wir sind öffentliche Hand. Man kann nicht sagen, man macht es so kundenorientiert, dass das ungeprüft weitergeht. Da besteht eine besondere Verantwortung. Die Geschwindigkeit darf nicht die Qualität reduzieren. Für Kunden muss etwas so schnell wie möglich passieren, aber gewisse Formalitäten und interne Dokumentation braucht es, um alles nachvollziehbar zu machen.

Wie ist der Stand in Sachen neues Kulturleitbild?

Schade, dass ich da erst zu einem so späten Zeitpunkt einsteige. Ich wäre gern schon am Diskussionsprozess beteiligt gewesen. Derzeit wird noch an der Ausformulierung des Entwurfes gearbeitet. Das soll im Herbst abgeschlossen sein.

Wie geht es mit den Landesausstellungen weiter, die als nicht mehr zeitgemäß gelten und auch vom Chef der Landeskultur GmbH, Alfred Weidinger, bereits angezählt wurden?

Für 2021 ist alles sehr weit gediehen, da laufen die Arbeiten noch wie bisher. Für die Zeit danach haben Direktor Weidinger und ich von Landeshauptmann Stelzer den Auftrag, darüber nachzudenken, wo es in Zukunft hingeht. Formate, die sich bewährt haben, verdienen es, dass man darüber nachdenkt, wie das künftig sein soll, damit sie attraktiv bleiben. Unsere Zeit lebt ja ein bisschen davon, dass Dinge kurzfristiger umgesetzt werden, die Gestaltung nicht mehr so große Vorlaufzeiten hat. In Summe gilt es, Leitveranstaltungen „zukunftsfit“ zu machen und auch an Zukunftsthemen orientiert, dass es neben der historischen und der künstlerischen Aufarbeitung auch immer den Blick in die Zukunft gibt, Stichwort: moderne Technologien.

Dass man damit in den Regionen präsent ist, ist ein Markenzeichen. So wird es auch künftig bleiben müssen, dass man Kultur dorthin bringt und sich nicht alles nur im Zentralraum abspielt.

Ihre Abteilung verantwortet das Kulturbudget. In letzter Zeit ist einige Kritik an der Kulturdirektion bzw. an Ihrem Vorgänger laut geworden in Sachen Museumsdepot oder KTM Motohall.

KTM Motohall ist abgeschlossen, da gibt es Prüfberichte des Rechnungshofes. Damit haben wir auch die Chance, zu sehen, wo es Verbesserungspotenzial gibt. Wenn Kritik in einer Dichte auftritt wie in der letzten Zeit, verursacht das nach außen etwas, nach innen tritt Verunsicherung auf. Deswegen will ich als nächsten Schritt hausintern hinterfragen, wo es etwas zu verbessern gibt — auch auf Basis dieser Kritikpunkte. Zuletzt wurden da aber auch schon gute Fortschritte gemacht. Es gibt etwa das Förderhandbuch, in dem klar definiert wird, wie die Förderabwicklung zu funktionieren hat.

Wird es auch in den Bereichen Stifterhaus, Landesarchiv, Landesbibliothek und Landesmusikschulen Neuerungen geben?

Die Einrichtungen sind alle dabei, sich „zukunftsfit“ zu machen, da läuft alles in Richtung Digitalisierung.

Das Land OÖ stellt für die Kulturhauptstadt 2024 drei Mio. Euro zur Verfügung. Sind Sie in das Projekt auch sonst involviert?

Wir als Kulturdirektion sind natürlich im Überblick mit dabei, schauen auch, dass das mit anderen Veranstaltungen, die aus der Kulturverwaltung heraus passieren, abgestimmt ist. Das Operative und die Programmatik laufen aber vor Ort.

Gibt es schon Pläne für das Brucknerjahr 2024?

Wir haben den Auftrag, uns zentral anzuschauen, was das Verbindende ist, damit alle Institutionen, die mit Bruckner zu tun haben, an einem Strang ziehen und ein schönes Gesamtkonzept entstehen kann. Ich habe diesbezüglich auch schon einen Termin mit der Stadt Linz.

Apropos Stadt-Land. Das Verhältnis ist ja nicht friktionsfrei, Stichwort Kündigung des Theatervertrages. Denken Sie, dass Sie dazu beitragen können, damit das besser wird?

Auf operativer Ebene hatte ich auch bisher schon gute Kontakte zur Stadt. Ich bin aus meinem bisherigen Berufsfeld, der Diplomatie, heraus, jemand, der es gewohnt ist, auf alle offen zuzugehen und zu schauen, wie man Bestmögliches herausbringt aus gemeinsamen Themen. Der Rest liegt nicht innerhalb meiner Sphäre.

Der OÖ. Kultursommer wurde kritisiert, etwa weil man keine Tickets über die Homepage erwerben kann.

Das ist ein tolles Produkt, das Aktivitäten unter ein gemeinsames Dach bringt. Wir werden im Herbst prüfen, wie man das noch weiterentwickeln kann. Ob dann Ticketing ein Teil davon ist, muss man sich anschauen.

Welchen Stellenwert hat das kulturelle Ehrenamt?

Das Ehrenamt ist in so vielen Bereichen im Land OÖ präsent, vor allem in der Kultur. Es zeichnet unser Land aus. Da gilt es für uns, dass man das ermöglicht, fördert, auch Beiträge leistet, damit die Leute das vor Ort weiterhin so betreiben können. Das Forum Volkskultur ist Ansprechstelle und knüpft Kontakte, es vergibt Preise und Auszeichnungen, um das Ehrenamt auch vor den Vorhang zu holen.

Mit MARGOT NAZZAL sprach Melanie Wagenhofer

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