„Habe keine Ängste aufkommen lassen“

Torhüter Pavao Pervan im Exklusiv-Interview über sein Debüt für Wolfsburg, seine Weiterentwicklung und das Nationalteam

Der 30-jährige Torhüter Pavao Pervan ist beim VfL Wolfsburg schon angekommen und fühlt sich bei den Wölfen sehr wohl.Pavao Pervan in Aktion (bei einem Training mit dem Nationalteam).
Der 30-jährige Torhüter Pavao Pervan ist beim VfL Wolfsburg schon angekommen und fühlt sich bei den Wölfen sehr wohl.Pavao Pervan in Aktion (bei einem Training mit dem Nationalteam). © APA/Jäger

Unverhofft kommt oft, am Samstag haben Sie für den VfL Wolfsberg ihr Debüt in der deutschen Bundesliga gegeben, weil die Nummer eins, Koen Casteels, zu seiner schwangeren Frau reiste. Wie haben Sie die Premiere erlebt?

PAVAO PERVAN: „Auch aufgrund des Ergebnisses (3:1) war es ein sehr positives Erlebnis. Ich denke, ich habe es recht ordentlich gemacht und Ruhe ausgestrahlt. Es war wichtig, dass ich gezeigt habe, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde.“

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„Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen“

Waren Sie denn gar nicht nervös?

„Es ist natürlich ein anderes Niveau, eine andere Liga. Aber ich habe, nachdem ich am Freitag schon damit spekuliert und es am Samstag erfahren habe, keine Zweifel oder Ängste aufkommen lassen und bin einfach mit Freude an die Sache herangegangen. Immerhin ist ja der Kindheitstraum, in der deutschen Fußball-Bundesliga zu spielen, in Erfüllung gegangen.“

Welches Feedback haben Sie bekommen, wie sind ihre Noten ausgefallen?

„Mit den Noten habe ich mich gar nicht beschäftigt, mir ist die Meinung der Trainer wichtiger und die waren zufrieden. Wie zum Beispiel mein Tormanntrainer Pascal Formann, der grundsätzlich in der Bewertung unserer Leistungen sehr kritisch ist. Auch Cheftrainer Bruno Labbadia hat mir gratuliert.“

Wie fielen die Reaktionen aus der Heimat aus?

„Die Trainer, ehemalige Mitspieler und Sponsoren, es haben sich unheimlich viele Leute gemeldet und sich für mich gefreut. Ich habe die ganze Heimfahrt aus Leverkusen gebraucht, die Nachrichten zu beantworten.“

„Habe mir alle Spiele des LASK angeschaut“

Verfolgen Sie noch den LASK?

„Natürlich, ich habe mir alle Spiele angeschaut und freue mich immer, wenn sie gewinnen.“

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Trainerteam?

„Mit Bruno Labbadia habe ich schon einige Gespräche geführt, er hat einen extremen Willen, legt viel Wert auf Mentalität — bei allen im Team. Und Pascal Formann ist wahnsinnig akribisch, er lässt nie locker, das passt gut zu mir. Er macht sogar von den Trainingseinheiten Videoanalysen, zeigt einem Kleinigkeiten auf und das ist gut. Denn auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten, ob du den Ball hältst oder nicht.“

„Habe schon jetzt Schritt nach vorne gemacht“

Klingt schon jetzt nach Weiterentwicklung?

„Ja, denn das Niveau im Training ist höher und ich werde tagtäglich voll gefordert. Ich denke, ich habe schon jetzt einen Schritt nach vorne gemacht, etwa im Stellungsspiel oder im physischen Bereich, denn die Vorbereitung war extrem hart. So habe ich das noch nie erlebt.“

Welche sportlichen Ziele verfolgt Wolfsburg diese Saison?

„Die Anspannung vor dem Start war nach den letzten beiden Jahren sehr groß, aber bis jetzt haben wir es topp gemacht. Es ist wahnsinnig viel Qualität vorhanden und natürlich gibt es Träume. Aber in erster Linie müssen wir uns stabilisieren und so weit wie möglich von den Abstiegsrängen fern bleiben.“

„Das Einleben ist mir nicht schwer gefallen“

Sportlich läuft es also gut, aber wie haben Sie die Eingewöhnungsphase erlebt?

„Das Einleben ist mir nicht schwer gefallen, es ist alles topp organisiert und man bekommt einige Leute zur Seite gestellt, die sich um die Dinge im Umfeld kümmern, so dass man sich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren kann. Auch von der Mannschaft wurde ich super aufgenommen.“

Haben Sie schon eine eigene Wohnung bezogen?

„Die ersten sechs Wochen habe ich noch im Hotel gewohnt, derzeit bin ich in einer Übergangswohnung, bevor meine richtige Wohnung dann Ende September bezugsfertig wird.“

„Betreuerstab ist fast so groß wie LASK-Kader“

Wie gefällt es Ihnen in Wolfsburg?

„Sehr gut, in der Stadt ist alles nah beisammen und sie ist einen Besuch wert. Man merkt, dass Volkswagen sehr präsent ist und sich die Leute unglaublich mit Volkswagen identifiziere, das habe ich bei einer Werksführung, die sehr beeindruckend war, schon mitbekommen. Genauso beeindruckend ist die Infrastruktur des VfL, es gibt sehr viele Möglichkeiten und einen riesigen Betreuerstab. Der ist fast so groß wie beim LASK der Spielerkader. Kein Wunder, wenn man weiß, dass das Budget hier deutlich größer ist. Aber man sieht, dass das Geld sehr gut investiert wird.“

„Wenn Franco Foda mich braucht, bin ich bereit“

Im Nationalteam, das heute gegen Schweden spielt und am Dienstag in Bosnien-Herzegowina in die Nations League startet, fehlen Sie. Überrascht?

„Nein, denn ich denke, das ÖFB-Team ist ein Thema, wenn man konstant im Klub spielt. Das wird bei mir vorerst nicht der Fall sein und die drei, die jetzt nominiert sind, haben sich das absolut verdient. Aber wenn mich Franco Foda braucht, bin ich natürlich bereit.“

Interview: Roland Korntner