„ Habe nie viel geübt, nur intensiv“

Rudolf Buchbinder über sein Linzer Programm, Arbeitsweisen & Pianisten-Nachwuchs

Rudolf Buchbinder (71) setzt morgen im Brucknerhaus seinen Beethoven-Sonatenzyklus fort.
Rudolf Buchbinder (71) setzt am Sonntag im Brucknerhaus seinen Beethoven-Sonatenzyklus fort. © APA/Hochmuth

Beim laufenden Brucknerfest wird Rudolf Buchbinder am Sonntag, um 18 Uhr (!) seinen Beethoven-Sonatenzyklus fortsetzen. Damit ist der Starpianist bei Teil sechs, dem vorletzten der Reihe mit insgesamt 32 Sonaten angelangt. Das Finale wird im Februar oder März nächsten Jahres erwartet.

VOLKSBLATT: Das monumentale Klavierwerk Beethovens bezeichnete Hans von Bülow als „Neues Testament“, als das „Alte“ wird Bachs Wohltempariertes Klavier genannt.

BUCHBINDER: Beethovens Zyklus ist ein einmaliges Dokument, das ihn ein Leben lang begleitete vom Opus 2 bis 111. Darin spiegeln sich jede seiner Gemütsverfassungen und Stimmungszustände.

Im Programm sind diesmal zwei Sonaten von epochaler Bedeutung für die Klavierliteratur, nämlich die „Pathetique“ c-Moll op. 13, entstanden 1799 und die „Waldstein“-Sonate C-Dur op. 53 aus 1803, die Beethoven seinem Freund und Gönner Graf Waldstein gewidmet hatte. Sonst werden noch drei weitere Sonaten zu hören sein. Aber schon die Reihenfolge richtet sich nicht nach der Entstehung der Werke, wohl mit Absicht.

Ja, eine chronologische Aufführung eignet sich nicht gut, weil Beethoven seine 32 Sonaten in jedem Lebensabschnitt blockartig komponierte, und abgesehen von bestimmten Formprinzipien jedes Stück für sich einen individuellen Charakter einnimmt. Mein einmaliger Versuch, die Werke nach der Reihe ihrer Entstehung aufzuführen, hat sich nicht bewährt, so dass ich davon Abstand genommen habe.

Nach welchen Kriterien wählten Sie die Zusammenstellung der Vortragsfolge?

Ich versuchte, Gegensätze zu berücksichtigen, eine Gegenüberstellung von früheren zu späteren Werken zu erzielen, denn die letzten Sonaten sind nicht immer die größten, wie zum Beispiel an der „Appassionata“ op. 57 festzustellen ist. Von einem Reife- oder Altersstil bei Beethoven kann ohnehin nicht gesprochen werden.

Sie haben den Zyklus bereits weltweit gespielt, wann haben Sie mit der Arbeit damit begonnen.

Vor etwa 35 Jahren. Inzwischen gibt es davon bereits die 57. Auflage. Dreimal habe ich ihn auch auf CD und DVD eingespielt.

Die lange Konzentration auf Beethoven ist bewundernswert, hatten Sie parallel zu Ihrem Mammutprogramm noch Zeit für andere Komponisten?

Beethoven war und ist jederzeit nur ein Teil meines Repertoires, es reicht von Bach bis zur Pflege von zeitgenössischen Werken. Ich will jeden Abend etwas anderes spielen.

Was reizte Sie besonders an Beethovens Sonaten?

Von Beginn an zum Beispiel die dynamischen Extreme in der Satztechnik, die er in seinen Kompositionen anwendete. Im Übrigen war Beethoven selbst nie zufrieden mit seinem Instrument, auf dem seine Werke früher viel schneller gespielt wurden.

Apropos Instrument, welches bevorzugen Sie?

Ich spiele auf dem Steinway-Konzertflügel, je nach geistiger und körperlicher Verfassung mit dem höchsten Anspruch, den ich mir selbst stelle.

Üben Sie regelmäßig und wenn, dann wie viel?

Ich habe nie viel geübt, nur intensiv und mir für mein Leben keinerlei Regeln aufgestellt. Wichtig ist für mich genügend Schlaf, denn je älter ich werde, umso höher steigt meine Nervosität vor Konzerten.

Wie steht es um den Nachwuchs in der Klavierwelt?

Durch die Öffnung in den asiatischen Ländern sehr gut. Da wachsen unglaublich viele äußerst talentierte Pianisten heran, man darf für die Zukunft einiges in der Pflege der klassischen Klavierliteratur hoffen. Wenn ich an die Vergangenheit denke, war für mich Arthur Rubinstein der größte Pianist, allein schon durch seine Repertoirebreite.

Mit Rudolf Buchbinder sprach Georgina Szeless