„Habicht und Hendl stecken in uns allen“

Das Schauspielerpaar Hilde Dalik & Michael Ostrowski über seinen neuen Film „Der Onkel“

V. l.: Hilde Dalik, Michael Ostrowski und Anke Engelke
V. l.: Hilde Dalik, Michael Ostrowski und Anke Engelke © Stefan Fürtbauer

Dieser Kinofilm ist im doppelten Sinn ein Familienfilm: „Der Onkel“, in dem Michael Ostrowski Drehbuch, Regie und Hauptrolle übernommen hat, ist nicht nur perfekt für alle Altersgruppen — idealerweise als gemeinsames Erlebnis —, es spielt Ostrowskis fast komplette Familie mit.

Lebensgefährtin Hilde Dalik und Michael Ostrowski über schräge Typen, Tierfabeln und den Muttertag.

VOLKSBLATT: Die Idee zum „Onkel“ ist ja lange in Ihnen gereift – wie ist sie entstanden?

OSTROWSKI: Helmut Köpping und ich haben uns immer unterhalten über so einen Typen, der sich einschleicht in eine Familie, die in einer traumatischen Situation ist, und man weiß nicht genau, was mit ihm ist. Es gibt ein ganz starkes Geheimnis aus der Vergangenheit zwischen ihm und seiner Schwägerin, unerfüllte Liebe … Das war so ein starker Ausgangspunkt und dann haben wir angefangen zu entwickeln: Was passiert, wenn der kommt, mit den Kindern, mit den Nachbarn usw.

Und ist Onkel Mike Ihr Alter Ego, der, der Sie eigentlich sind oder der, der Sie immer sein wollten?

OSTROWSKI: (lacht) Es steckt sehr viel von mir in dieser Figur, gleichzeitig lebe ich nicht in meinem Ford Escort und bin kein Trickbetrüger. Er ist mir sehr nahe, gleichzeitig ist er sehr weit entfernt. Was mir viele Leute jetzt beim Anschauen sagen, ist, dass der so direkt ist, der Onkel, wie er auf Leute zugeht. Das empfinde ich auch, es fallen ganz viele Schranken weg, die es im normalen Leben gibt. Mike wirkt dadurch wie ein Katalysator und löst mit seinem komplett ungewöhnlichen Zugang zu Menschen irrsinnig viel aus.

Ist der Film ein wenig die erwachsene Weiterführung der „Sex, Drugs, Rock’n’-Roll“-Trilogie, die Sie ja im Sinne von Michael Glawogger vollendet haben?

OSTROWSKI: Es ist eine Weiterentwicklung, man wird ja nicht unbedingt jünger. Ich glaube, wir haben etwas sehr Schönes geschaffen im österreichischen Film, irgendwo auch ein neues Genre.

Wie ist es, wenn einem der eigene Partner eine Rolle auf den Leib schreibt?

DALIK: Super und schön. Wir arbeiten immer irgendwie miteinander. Wenn Michi ein Drehbuch schreibt, lese ich das, wenn er eine Rolle angeboten bekommt, reden wir auch drüber. Genauso ist es umgekehrt. Und ich habe immer schon gewusst, dass ich im „Onkel“ die Nachbarin spielen soll.

Mochten Sie Ihre Figur, die leicht verpeilte Jenny?

DALIK: Ja, sehr, weil das einmal etwas anderes ist. Obwohl, ich hab eh Glück, dass ich immer unterschiedliche Rollen angeboten bekomme, aber: je vielfältiger, umso mehr freut sich die Schauspielerinnenseele.

„Der Onkel“ ist kein ganz komischer Film, aber auch kein ganz ernster – aber mit der Besetzung von Anke Engelke als Gloria ist ja die Tendenz schon eher zum Komischen, oder?

OSTROWSKI: Er ist beides, sehr ernst und sehr komisch. Das ist ein ernstes Thema, das man ernsthaft angehen muss. Es geht um eine große Liebe, auch um Traurigkeit. Im Leben ist es doch oft auch so, dass in den ernstesten Momenten die lustigsten Sachen passieren, das entsteht nebeneinander. Es ist ein Film, der eine Leichtigkeit hat, aber auch eine gewisse Melancholie.

Im Film ist von einer Tierfabel über einen Habicht und Hennen die Rede: Was wären Sie davon?

OSTROWSKI: Wahrscheinlich eine gute Mischung. Natürlich sind wir alle Hendln, weil wir gerne miteinander in einem Stall leben, aber der Habicht ist halt ein Einzelgänger und auch der Brutalinski und natürlich bin ich das auch. Habicht und Hendl stecken in uns allen.

Gerhard Polt ist auch dabei, der sonst nur in eigenen Filmen spielt …

OSTROWSKI: Er ist ein Freund von mir. Wir haben uns über Projekte immer wieder getroffen, das war die Connection. Und das Drehbuch hat ihm sehr gefallen.

Es spielen zwei Ihrer Kinder mit und Ihre gemeinsame Tochter mit Hilde Dalik. Wie kam es dazu?

OSTROWSKI: Wir haben im ersten Lockdown Jugendliche über E-Casting gesucht. Irgendwann haben mich meine Kinder gefragt, wie das eigentlich funktioniert — ich hab sie immer eher ferngehalten von meinem Beruf. Die Anke (Engelke, Anm.) hat einmal gesagt: ,Die Kinder suchen sich den Beruf der Eltern nicht aus. Warum soll man es ihnen aufdrängen?´ Meine Kinder haben sich dafür interessiert und ich hab gesagt: ,Dann probiert es halt.´ Für mich war das eine sehr beglückende Erfahrung, weil sie natürlich etwas mitgebracht haben, das man nicht gut entstehen lassen kann: Sie sind echte Geschwister und spielen sehr authentisch.

Im Film drückt Mike seinem Neffen eine geladene Waffe in die Hand und fordert ihn zum Schießen auf, Jenny lässt die kleine Tochter einfach beim unbekannten Mike. Sind Sie auch so locker in der Erziehung?

OSTROWSKI: Vielleicht anders locker. Diese ungewöhnlichen Aktionen, über Grenzen zu gehen, ist manchmal auch befreiend. Mike ist vielleicht der erste, der den Neffen ernst nimmt, ihn motiviert. Ich versuche auch, meine Kinder ernst zu nehmen und ihnen etwas zuzutrauen.

DALIK: Ich bin nicht so. Ich suche selber aus, wem ich mein Kind in die Hand drücke und überlasse.

Wie wäre es für Sie, wenn der Nachwuchs Gefallen an der Schauspielerei findet? Oder sollen sie doch zuerst einen „anständigen“ Beruf wählen?

OSTROWSKI: Ich sage ihnen gar nix. Der große Vorteil ist, sie haben einmal gesehen, wie das läuft. Und sie haben sich bewährt. Und das ist nicht einfach, einen Film zu drehen, wenn die Anke Engelke deine Mutter spielt … Für mich war es auch eine Extrabelastung, sie zu nehmen, denn, wenn es nicht funktioniert, krieg´ ich die Extrawatschn.

DALIK: Die lernen ja schon einen anständigen Beruf. Elisea studiert Medizin in Graz und Maris spielt Tennis, aber auf Leistungssport.

Ihre kleinste Tochter scheint jetzt schon ein besonderes Talent zu haben?

OSTROWSKI: Im Film war sie nicht einmal eineinhalb und das war eine sehr bezaubernde Szene mit ihr. Ein Kleinkind sitzt allein mit einem Fremden im Auto und unterhält sich mit ihm.

DALIK: Die Kleine war ein Wahnsinn, der ganze Kinosaal ist immer ergriffen von ihrem komödiantischen Talent und auch die Anke Engelke hat gesagt, sie spielt nicht mehr, weil sie ihr die Show stiehlt.

„Der Onkel“ schreit am Ende geradezu nach einer Fortsetzung. Entweder lebt Gloria ihr fades Vorstadtleben weiter, oder sie haut mit Mike a la „Bonnie & Clyde“ ab.

OSTROWSKI: Ich schreibe den Onkel gerade als Roman fertig, er erscheint im Dezember bei Rowohlt. Das ist schon spannend für mich, mein erstes Buch. Mal schauen, was aus dem entsteht.

Frau Dalik, Sie setzen sich für karitative Zwecke ein, haben gerade ein Mutter-Kind-Haus besucht … ein Appell, am Muttertag nicht nur an die eigene Mutter, sondern an Frauen zu denken, die Hilfe nötig haben?

DALIK: Unbedingt, das ist ganz wichtig. Ich habe zwei Mutter-Kind-Häuser besucht, wo wohnungslose Frauen mit ihren Kindern unterkommen, die meistens nichts und niemanden haben. Solche Einrichtungen sollten eigentlich selbstverständlich sein. Die Kinder dieser Frauen sind die zukünftigen Mitglieder unserer Gesellschaft und wir brauchen starke, junge Menschen. Über die Caritas-Homepage kann man übrigens Muttertags-Pakete spenden.

Mit HILDE DALIK und MICHAEL OSTROWSKI sprachen Mariella Moshammer und Melanie Wagenhofer

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