Hamilton-Pole nach Verstappen-Fehler in Jeddah

Lewis Hamilton hat beim vorletzten WM-Lauf der Formel 1 die Pole-Position herausgefahren. Der Weltmeister profitierte am Samstag in der Qualifikation für den Grand Prix von Saudi-Arabien allerdings von einem späten Eigenfehler Max Verstappens, der mit seinem Red Bull auf dem Weg zur klaren Bestzeit in der letzten Kurve gegen die Mauer krachte. WM-Leader Verstappen blieb damit nur die drittbeste Zeit. Neben Hamilton in Reihe eins steht Valtteri Bottas im zweiten Mercedes.

Soferne diese Reihung bis zum Rennstart am Sonntag um 18.30 Uhr MEZ (Live ServusTV, Sky) aufrecht bleibt. Zwar wurde der von Red Bull angekündigte Protest gegen den Freispruch von Hamilton wegen angeblicher Missachtung gelber Flaggen im dritten Freien Training nicht eingelegt, aber Verstappen droht eine Rückversetzung, sollte sein Getriebe bei dem Unfall beschädigt worden sein und gewechselt werden müssen.

Die erste Startposition für Hamilton wäre auf dem nagelneuen und 6,174 Kilometer langen Kurs in Jeddah am Roten Meer enorm wichtig, weil Überholen hier trotz des hohen Tempos schwer möglich ist. Verstappen schockte Mercedes zunächst im Q3 mit einer klaren Bestzeit vor Bottas und Hamilton. Dann schlug der vor dem vorletzten WM-Lauf acht Punkte hinter Verstappen liegende Hamilton mit einer Fabelrunde zwar zurück, Verstappen hätte diese dann mit Sicherheit aber nochmals getoppt.

„Max war vier Zehntel vorne, das ist hier eine Ewigkeit“, bedauerte Helmut Marko den Unfall. „Natürlich hätten wir ihm sagen können, du bist eh schon so weit vorne. Aber das ist nicht Max, das sind nicht wir“, hielt der Österreicher im ServusTV nichts von zurückhaltender Fahrweise. „Das waren nur Nuancen, es hat sich halt blöd ausgewirkt. Ich hoffe, das Getriebe hat nichts.“

Hamilton war nach dem FP3 bei den Renn-Stewards vorgeladen worden. Von der Missachtung einer doppelt geschwenkten gelben Flagge wurde Hamilton freigesprochen, weil diese „versehentlich und für weniger als eine Sekunde“ aktiviert worden war. Wegen des Vorwurfs unnötigen Langsamfahrens erhielt das Mercedes-Team eine Geldstrafe von 25.000 Dollar. Die Situation im von Verstappen gewonnenen Abschlusstraining war durchaus brenzlig gewesen, weil der heranbrausende Haas-Pilot Nikita Masepin dabei in Kurve acht das Hamilton-Auto nur knapp verfehlt hatte.

„Wir haben Berufung eingelegt“, erklärte zunächst Marko. „Max ist dafür in Katar fünf Plätze nach hinten gegangen. Hier legt man alles wieder anders aus, so kann das nicht weitergehen.“ Die vom Steirer angekündigte Berufung trudelte bei der FIA jedoch nicht fristgerecht ein, berichteten mehrere Medien übereinstimmend. Zum bevorstehenden Rennen meinte Marko angesichts des Getriebes im Verstappen-Wagen: „Mal abwarten, von welcher Position wir wirklich starten. Das ist noch nicht das Ende des Tages. Aber es ist jedenfalls schade, wenn man auf der Strecke so dominiert und sich das nicht in einer tollen Pole auswirkt.“

Die Planung des nagelneuen Jeddah Corniche Circuit hatte erst im Dezember vor einem Jahr begonnen. Ab April wurde von 2.000 Arbeitern am schnellsten Stadtkurs der Formel 1 gebaut und dieser letztlich in nur sieben Monaten fertiggestellt. Hochhäuser wurden dabei teilweise in nur 70 Tagen errichtet. Der deutsche Streckenarchitekt Hermann Tilke warnte im ServusTV angesichts der Streckenbarrieren und der hohen Geschwindigkeiten: „Die Fahrer müssen hier sehr konzentriert sein. Einen Fehler verzeiht die Strecke nicht.“

„Das ist eine ganz schön schwierige Strecke hier. Der Speed ist phänomenal“, sagte Hamilton nach seiner 103. Pole, der fünften in diesem Jahr. „Eins und zwei, darauf kann man stolz sein. Ein tolles Ergebnis.“ Am Sonntag gelte es, die WM-Chance am Leben zu halten. „Das ist unser Ziel. Aber Red Bull ist sehr schnell hier.“ Verstappen rang um Fassung. „Das ist fürchterlich. Schade, das war ein wirklich gutes Qualifying. Aber immerhin wissen wir, dass das Auto sehr schnell ist.“

Vor dem vorletzten Saisonrennen führt Verstappen mit acht Punkten Vorsprung auf Hamilton die Wertung in der Fahrer-WM an. Im Idealfall könnte sich der 24-jährige Niederländer schon eine Woche vor dem Finale in Abu Dhabi erstmals zum Weltmeister krönen.

Wenn Hamilton aber auch in Saudi-Arabien vor Verstappen gewinnt, dann wird in Abu Dhabi der Weltmeister, der dort als Erster über die Ziellinie fährt. Scheidet Hamilton allerdings am Sonntag aus und wird Verstappen mindestens Zweiter, ist die WM vorzeitig entschieden. Hamilton geht schon auf seinen achten WM-Titel los. Damit wäre der 36-Jährige alleiniger Rekordchampion vor Michael Schumacher.

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