Kein Ansturm auf Geschäfte am Marienfeiertag

Der verkaufsoffene Marienfeiertag am Dienstag hat in Österreich zu keinem übermäßigen Kundenansturm auf die Geschäfte geführt. Aus epimediologischer Sicht sei das gut, aber nicht für die Umsätze der Händler, räumte Handelsobmann Rainer Trefelik im APA-Gespräch ein. Er wies auf das Fehlen von Gastronomie und Touristen hin. Die Besucherfrequenz blieb weitestgehend moderat, von Gedränge war keine Rede. Der Trend gehe in Richtung gezielten Einkauf und kurze Verweildauer, hieß es.

Der zweite Einkaufstag nach dem harten Lockdown ist laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ohne besondere Vorfälle verlaufen. „Die Menschen in Österreich haben sich bisher in dieser herausfordernden Phase wirklich außergewöhnlich gut verhalten“, sagte er in einem Statement zur APA. „Ich will wirklich ein großes Danke sagen – an alle die sich so vorbildlich an die Maßnahmen halten und das Motto ‚schau auf dich, schau auf mich‘ damit mit Leben erfüllen.“

Der Handel zeigte sich weitgehend nicht unzufrieden mit dem Geschäft, jedoch aufholen lässt sich der fast drei Wochen andauernde Lockdown kurz vor Weihnachten nicht. Heuer gehe es in erster Linie um Schadensbegrenzung, so Trefelik. Die Prognosen reichen derzeit von „annähernd gleich viel wie im Vorjahr“ (Johannes Kepler Universität Linz) bis zu „einem negativen Szenario von über 30 Prozent Umsatzeinbußen im stationären Handel“ (KMU Forschung Austria). „Abgerechnet wird ganz am Ende. Aber es fehlen Touristen, die Gastronomie, Events. Das alles noch umzudrehen ist unrealistisch“, sagte Trefelik.

Wie schon am Montag ist auch am Dienstag der Ansturm auf die Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf bzw. Wiener Neudorf (Bezirk Mödling), dem größten Einkaufszentrum Österreichs, ausgeblieben. Anton Cech, Head of Shopping Center, sagte im APA-Gespräch: „Es ist das Besucheraufkommen nicht so, dass wir gestürmt werden mit Massen. Das heißt im Vergleich zu einem normalen Weihnachtsgeschäft ist es schon deutlich unter der Normalfrequenz, was aber in Anbetracht der Pandemie durchaus positiv von uns zu beurteilen ist.“

Ein „übliches Kundenaufkommen“ verzeichnete das Designer Outlet Parndorf im Bezirk Neusiedl am See. Nachfrage habe es vor allem nach Outdoor- und Sportartikeln sowie nach Deko-Produkten für das traute Heim gegeben, sagte General-Manager Mario Schwann.

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Auch in Wien ist es am Dienstag geordnet zugegangen. „Es ist mäßig viel los. Eigentlich hätten wir uns mehr erwartet. Ich würde jetzt nicht sagen ruhig, ich würde sagen normal“, beschrieb Margarete Gumprecht, Handelsobfrau in der Wiener Wirtschaftskammer, im APA-Gespräch am frühen Nachmittag die Lage in den Einkaufsstraßen und Shoppingcenter. Die Kundinnen und Kunden würden sich diszipliniert verhalten und nicht länger als notwendig in den Geschäften verweilen: „Die Kunden wissen gezielt, was sie brauchen, sie sind sehr konkret. Sie haben sicher schon in der Zeit vorher recherchiert, was sie möchten.“

Menschen, die einen Einkaufsbummel machen würden, gebe es ihrer Wahrnehmung nach kaum bis nicht: „Diese Spontankäufe, die es früher gegeben hat, wird es heuer, glaube ich, definitiv nicht geben.“ Besonders gefragt seien aktuell Unterhaltungselektronik, der digitale Spielebereich, Fernseher, Handys, Computer, Drucker und Druckerpatronen, zählte Gumprecht auf. Außerdem werde viel für das eigene Zuhause gekauft – „um es sich zu Hause gemütlich zu machen“. Dies sei definitiv ein Trend.

Grundsätzlich nehme sie, Gumprecht, aber wahr, dass die Menschen einerseits sparsamer seien, oder aber mit Bedacht wertvollere Geschenke und qualitativ hochwertige Waren kaufen würden. Ihre Prognose bis Weihnachten: „Wenn es so weitergeht, werden wir die durch den Lockdown verlorenen drei Wochen wahrscheinlich nicht aufholen.“

Die Einkaufszentren in Oberösterreich haben sich derweil mit der Kundenfrequenz am Marienfeiertag durchwegs zufrieden gezeigt. „Wir haben eine gute Frequenz“, sagte Maria Prims, Centermanagerin von „Hey! Steyr“ und „Taborland“ in Steyr sowie von „Welas Park“ in Wels, am Dienstag. In der „Passage Linz“ berichtete Centerleiterin Monika Sandberger, dass die Kaufabsicht der Kunden hoch gewesen sei. „Jeder, der kommt, kauft.“

Die steirischen Einzelhändler haben am zweiten Einkaufstag nach dem Lockdown gute Umsätze verzeichnet – „überrannt“ wurden sie jedoch nicht. Diese Bilanz zog Gerhard Wohlmuth, Spartenobmann der Fachgruppe Handel in der steirischen Wirtschaftskammer, am Dienstagnachmittag auf APA-Anfrage. Sowohl in Einkaufszentren als auch im urbanen Bereich habe es eine rege Nachfrage nach Konfektionen, Schuhen und Sportartikeln gegeben. Aufgefallen ist, dass die Verweildauer der Kunden in den Geschäften niedriger war, weil sehr selektiv eingekauft wurde.

Ähnliches wurde auch aus Vorarlberg und Salzburg berichtet. Auch hier blieb der Kunden-Ansturm aus. Die Frequenz liege deutlich unter der maximalen Kundenanzahl, sagte Manuel Mayer, Centermanager des Einkaufszentrums „Europark“ in Salzburg. Mit dem Umsatz seien die Händler aber zufrieden. In der Getreidegasse in der Salzburger Altstadt bot sich den Einkäufern ebenfalls eine entspannte Atmosphäre. Ein Gedränge wie an früheren Einkaufstagen am 8. Dezember gab es diesmal nicht.

Schnee und Regen dürften in Kärnten die Kauflust etwas gedämpft haben. Einkaufszentren in Klagenfurt und Villach berichteten aber von einer guten Stimmung – und einer starken Nachfrage nach Gutscheinen.

Während die meisten Menschen freihaben, müssen viele Handelsangestellte am Marienfeiertag arbeiten. Seit 1995 dürfen die Geschäfte am 8. Dezember offenhalten, einige Handelsketten lassen trotzdem zu. Für diesen Tag sind nämlich Zuschläge und Zeitausgleich für die Beschäftigten fällig. Profiteure sind vor allem große Einkaufszentren und Einkaufsstraßen, wenngleich sich die wirtschaftliche Bedeutung des Marienfeiertags in Grenzen hält. Experten schätzen, dass der 8. Dezember weniger als ein Prozent zum Jahresumsatz beiträgt.

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