Handel erwartet schwierige Herbstlohnrunde

Beschäftigte der Supermärkte wurden als Heldinnen und Helden gefeiert. Im Herbst soll sich das nach Ansicht der Gewerkschaft in höheren Gehältern niederschlagen. Doch während der Lebensmittelhandel ganz gut dasteht, rollt im Modebereich bereits die Insolvenzwelle. “Die Kollektivvertragsverhandlungen werden schwierig. Wir werden differenzieren müssen”, sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik.

“Die Variante, dass wir nicht alle in einen Topf schmeißen, dem kann ich viel abgewinnen. Es ist gut, wenn man neue, kreative Wege geht”, so Trefelik im APA-Gespräch. Er führt die Verhandlungen heuer erstmals auf Arbeitgeberseite. Die Gewerkschaft hat sich zuletzt für Einmalzahlungen ausgesprochen, die sich am betriebswirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Unternehmens orientieren sollen. Wer gut verdiente, soll mehr bezahlen. Wer nicht gut verdiente, soll dennoch so viel zahlen, dass die Kaufkraft gesichert und gestärkt wird.

Die Idee ist nicht neu. 2009 gab es für die Beschäftigten der Metallindustrie einkommensunabhängig eine Einmalzahlung von 100 bis 250 Euro, die sich nach der Höhe des Betriebsergebnisses (EBIT) des jeweiligen Unternehmens richtete. Etwas Ähnliches wollen die Arbeitnehmervertreter heuer im Herbst bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Handelsangestellten durchsetzen.

“Wünsch dir was, spielt es heuer nicht”, verwies Trefelik auf die größte Krise der Zweiten Republik. “Wir wollen die Arbeitsplätze behalten.” Derzeit sei noch mehr als jeder zehnte Beschäftigte im Handel (inklusive Kfz- und Großhandel) in Kurzarbeit. Was passiert, wenn die Kurzarbeitsmodelle auslaufen, weiß niemand. “Die größte Hoffnung ruht auf einer medizinischen Lösung des Coronaproblems. Solange wir keine medizinische Lösung haben, ist der Rest nur Symptombekämpfung. Es nutzt nichts, wenn die Regierung ein Pflaster drauftut”, sagte der Handelsvertreter.

Nichts abgewinnen kann Trefelik jedenfalls Forderungen nach einer Viertagewoche. “Wir müssen wieder anpacken, ich halt nichts von einer Viertagewoche.” Der Handel brauche alles, was für eine Aufbruchsstimmung sorge. “Die Unbeschwertheit des Seins ist derzeit getrübt”, so Trefelik. Homeoffice erschwere Spontan- und Impulskäufe. “Im Homeoffice brauche ich keinen neuen Anzug.” Gut liefen Sortimente, die das eigene Heim verschönerten, alles rund ums Cocooning (Rückzug ins Zuhause, Anm.). Betriebe, die nicht auf touristische Kunden angewiesen sind, würden es leichter haben.

Trefelik will sich einen Überblick beschaffen, wie es den Handelsbetrieben wirklich geht. Selbst Zahlen der Statistik Austria seien mit Vorsicht zu genießen, weil sie nur Durchschnittswerte zeigten. Für das erste Halbjahr meldete die Behörde für den Einzelhandel mit Nicht-Nahrungsmitteln Einbußen um 7,8 Prozent, der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren verzeichnete hingegen ein Plus von 7,3 Prozent. Doch auch im Lebensmittelhandel gebe es abseits der großen Ketten viele, die Herausforderungen hätten, räumte der Handelsobmann ein.

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