Handel will ab 8. Februar wieder aufsperren

Bis mindestens 7. Februar sind alle Geschäfte – außer Lebensmittelhändler, Drogeriemärkte und Apotheken – wegen Corona behördlich geschlossen. Die restlichen Handelsgeschäfte drängen nun auf ein Aufsperren ab dem 8. Februar. Das tatsächliche Lockdown-Ende hängt jedoch von der Infektionslage ab, wackelt also. „Mit Teststrategien, Abstandhalten und FFP2-Masken wird der Öffnung der Weg geebnet“, so der Standpunkt der Handelsobfrau der Wirtschaftskammer Wien, Margarete Gumprecht.

„Der Wiener Handel ist sicher, wir sind vorbereitet und wollen am 8. Februar wieder die Tore für unsere Kunden öffnen“, bekräftigte die Branchensprecherin am Freitag in einer Aussendung. Es gehe auch um das „unternehmerische Überleben“. Rund 27.000 Betriebe seien derzeit in Wien geschlossen.

„Die bevorstehende Öffnung ist ein wichtiger Schritt, um die Liquidität unserer Unternehmer zu sichern und Arbeitslosigkeit abzuwenden“, betonte Gumprecht. Viele Betriebe stünden mittlerweile vor großen finanziellen Herausforderungen. „Jede Woche Lockdown kostet den Wiener Unternehmern zwischen 150 bis 200 Millionen“, so die Wiener Handelsobfrau. „Die Jänner-Löhne sind fällig und viele haben Probleme diese zu bezahlen.“

„Jeder Tag zusperren bringt enorme Umsatzverluste“, machte sich auch der Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Rainer Trefelik, für ein Wiederöffnen in knapp eineinhalb Wochen stark. Gleichzeitig forderte er aber einen Ausbau der öffentlichen Testinfrastruktur und einen „möglichst niederschwelligen“ Zugang zu den Coronatests. „Vor allem im ländlichen Raum gibt es noch viel zu wenig Testmöglichkeiten.“ Hier gelte es, so rasch wie möglich nachzubessern. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich auf einfache Weise testen lassen oder auch selbst testen können, ähnlich wie es für Schüler vorgesehen ist“, forderte Trefelik.

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„Am Lockdown-Öffnungsplan darf nicht gerüttelt werden – mit 8. Februar muss eine erste schrittweise Öffnung eingeleitet werden, denn die Betriebe sind nun endgültig an ihrer Liquiditäts-Schmerzgrenze angelangt“, bekräftigten auch Wirtschaftskammer-Steiermark-Präsident Josef Herk und der dortige Handelsobmann Gerhard Wohlmuth in einem Appell an die Regierung. Die „Vorbereitungen für ein sicheres Aufsperren“ liefen in den Unternehmen auf Hochtouren.

Am 8. Februar als „Startdatum eines schrittweisen Wiederhochfahrens der Wirtschaft“ müsse festgehalten werden. Jede weitere Woche Lockdown koste der österreichischen Wirtschaft 1,1 Milliarden Euro. „Eine Fortsetzung in Richtung Ostern käme einer Arbeitsplatzvernichtung gleich“, warnte Herk.

Auch der Bürgermeister von Wels verdeutlichte am Freitag die aktuelle Situation. „Der fast durchgehende Lockdown seit Anfang November bringt den Handel und die Dienstleister in Wels in eine immer verzweifeltere Lage – einerseits besteht aufgrund der Schließung keine Möglichkeit Umsätze zu machen, andererseits wurden die zugesagten Hilfen seit November teilweise nicht ausbezahlt – beziehungsweise reichen diese nicht, um die Einnahmenausfälle abzudecken“, so Andreas Rabl in einer Aussendung.

Ein wichtiger erster Schritt wäre dem Stadtpolitiker zufolge, alle Geschäfte bis 300 Quadratmeter – die meist ohnehin eigentümergeführt seien – aufsperren zu lassen. Davon würde vor allem der Einzelhandel – insbesondere im Bereich Mode, Schuhe, Schmuck – profitieren. „Diesen Geschäften wäre es dann möglich, durch einen Abverkauf im Februar die dringend benötigte Liquidität zu schaffen.“ Die derzeit vorhandenen Sicherheitskonzepte seien dafür völlig ausreichend und funktionierten auch bei den großen Lebensmittelketten.

Viele Einzelhändler überlegten bereits, ob sie ihre Geschäfte fortführen oder zusperren sollen. „Das hätte dramatische Auswirkungen auf alle Städte, da die Ortszentren dann den Eindruck von Geisterstädten vermitteln“, befürchtet der Welser Bürgermeister.

„Bei der Öffnungsdebatte siegt derzeit die Unvernunft“, stellte Rabl fest. Gerade in den kleinen, eigentümergeführten Geschäften seien ohnehin nie mehr als ein bis zwei Kunden gleichzeitig anwesend. „Derzeit ist es so, dass die Kunden vor dem Eingangsbereich der Geschäfte im Regen warten und der Verkauf über die Gasse erfolgt.“ Gleichzeitig drängten sich Kundenmassen in den großen Lebensmittelhandelsketten. „Das ist unzumutbar und unverständlich“, kritisierte der Bürgermeister.

„Wir haben nun zu retten, was noch zu retten ist und das wird uns nur mit einem Ende des Lockdowns mit 8. Februar gelingen – jetzt zählt jeder Tag“, so FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung. Die türkis-grüne Regierung habe die notwendigen Maßnahmen in den Betrieben zu finanzieren und zu fördern, „dem Ende des Lockdowns wäre das die beste Hilfe für alle“. Er forderte erneut eine Öffnung aller Betriebe und Schulen. „Wir erwarten uns Lösungen, Vorgaben und Transparenz, was wir bekommen, ist aber genau das Gegenteil“, sagte der Oppositionspolitiker in Richtung Regierung.

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