Hanno Millesi: Der Charme der langen Wege

Lambert und Bert — das klingt wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder Pat und Patachon. In seinem neuen Roman „Der Charme der langen Wege“ erzählt Hanno Millesi von einer Doppel-Existenz.

Als Lambert ist der Protagonist ein unscheinbarer, schräger Zeitgenosse, als Bert ist er ein Meister seines Faches. Bert ist Geräuschemacher und mit seinem Tontechniker als Duo „Sindy & Bert“ unschlagbar. Bert weiß, wie’s geht. Wie er ganz altmodisch und analog jene Geräusche erzeugt, die im Kino für eine hyperrealistische Beglaubigung des Gesehenen sorgen. Und wie jene Geräusche klingen, die in der Imagination der Zuschauer die ihnen vorgesetzten Zukunftsbilder erst so richtig festsetzen lassen.

Nicht nur für die Gegenwart gilt: Die Welt ist alles, was Geräusch ist. Der Antrieb eines UFOs etwa — von Bert erzeugt durch das rasche Flappen einer Flip-Flop-Sohle. Doch Bert hat zwei Problemzonen, die ihn wieder zum Lambert werden und diesen ziemlich alt aussehen lassen. Zum einen der technische Fortschritt. Computer sorgen immer mehr für eine perfekte Geräuschkulisse.

Zum anderen trifft ein Golfball bei einem Spaziergang seinen Kopf und vor allem sein Hörvermögen. Was macht ein Geräuschemacher, der kaum mehr etwas hört? Lambert schnappt sich sein liebstes Aufnahmegerät, die eingemottete legendäre DX-8-80T, packt sie auf eine Schubkarre und macht sich durch die Stadt auf den Weg in seine Vergangenheit.

Wolfgang Huber-Lang
Hanno Millesi: Der Charme der langen Wege. Edition Atelier, 184 S., 20 €

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