Hans Weigand reitet die Welle in der Albertina

Der Erlöser stürzt, die Welle schlägt über ihm zusammen. „Surfender Jesus“ heißt das 2016 entstandene Werk von Hans Weigand. Es steht für die ganze Ausstellung, die ab morgen in der Albertina zu sehen ist: Die alte Technik des Holzschnitts und klassische Motive werden von dem 67-Jährigen neu interpretiert und überraschend arrangiert. Die Schau heißt nach einem 2019 entstandenen Triptychon, das den Titel eines Songs von The Doors abwandelt: „Rider in the Storm“.

Viele der 31 ausgestellten Werke sind nach Songs benannt. Dass der gebürtige Tiroler nicht nur von Psychedelic Rock und dem frühen Punk, von Popkultur und Science-Fiction, sondern auch von der Surfkultur beeinflusst wurde, ist unübersehbar. Die Welle wird hier ganz oft geritten, manchmal als „barocke Welle“, manchmal als Hokusai-Zitat. Manchmal bricht „schwindelerregende Brandung“ über den Protagonisten herein („Vertigo Surf“), manchmal ist ein „Gefallener Engel“ das Resultat der unberechenbaren Wassermassen. Und wenn es nicht gerade in Aktion ist, steht fast überall ein Surfbrett zumindest im Bildhintergrund.

„Der Wellenreiter in seiner Risikobereitschaft für ein kurzes Gefühl der Freiheit ist die Symbolfigur des desillusionierten Menschen“, interpretierte Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder, der gemeinsam mit Constanze Malissa die Ausstellung auch kuratierte, dieses häufig wiederkehrende Bildmotiv in der heutigen Presseführung. „Diese Kunst ist wieder unendlich aktuell geworden – leider. Es ist nicht die Zeit, Idyllen zu malen.“ Für ihn sei es „eine erschütternde, eine bewegende Ausstellung“, denn die Bruchstücke der klassischen Kultur, der Architektur, des Pop und des Films (den „Planet der Affen“ findet man immer wieder zitiert, das Gruselhaus aus „Psycho“ schwebt förmlich über den Wellen) führten uns in ihren neuen Montage unsere Traumata vor Augen.

„Ich war immer dagegen, eine Idee platt zu illustrieren“, warnte Weigand vor einer aktuellen politischen Interpretation seines Oeuvres angesichts von Klimakrise und Ukraine-Krieg. „Ich beschwere mich über den Krieg schon seit Vietnam. Die Menschheit hat offenbar das größte Problem, in Frieden zu leben. Die Griechen waren gut beraten, das Spiel und die Kunst zu erfinden, um ihre Konflikte auszutragen.“ Und tatsächlich haben Weigands Holzschnitte und Mischtechniken auch viel subversiven Humor und spielerische Leichtigkeit – nicht nur, wenn ein angeketteter Affe mit verzücktem Lächeln das „Schwarze Quadrat“ Malewitschs zu kopieren versucht.

Hans Weigand, der bei Oswald Oberhuber an der Universität für angewandte Kunst studierte, ist mehr Anarchist als Postmodernist. Als er Mitte bis Ende der 1990er-Jahre in Los Angeles lebte, tauchte er nicht nur tief in den Way of Life der Hippiekultur, sondern auch buchstäblich in die wogenden Wellen ein – als Surfer, der es eigener Aussage zufolge nie zur Meisterschaft brachte, aber auch mit seinem Atelierboot, mit dem er gemeinsam mit den Künstlerfreunden Raymond Pettibon und Jason Rhoades immer wieder in Seenot geriet. Doch mit den Katastrophenszenarien der Holzschnittserie „Drop City“, oder Bildern, die das Naturparadies des Mururoa Atolls mit den Atompilzen der französischen Kernwaffentests kontrastieren, rückt das Dystopische doch wieder in den Vordergrund.

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„Die Schrecken des Krieges“ sollen bereits nächste Woche in den Räumen neben der Weigand-Schau deutlich werden: Eine kurzfristig angesetzte Präsentation wird Arbeiten Goyas mit aktueller ukrainischer Kriegsfotografie kontrastieren, kündigte Schröder an: „Das ist unsere Stellungnahme zur Ukraine.“

(S E R V I C E – „Hans Weigand: Rider in the Storm“, Ausstellung in der Albertina, 19. Mai bis 21. August, Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 10 bis 21 Uhr, Katalog: 19,90 Euro. ; )

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