Harry Styles zelebrierte in Wien eine wunderbare Pop-Party

In Wien ließ sich Styles nicht fotografieren © APA/AFP/ANGELA WEISS

Harry Styles ist das Popphänomen der Stunde. Der Brite bewies am Samstagabend in der ausverkauften Wiener Stadthalle eindrucksvoll, dass der Hype um seine Person Substanz hat. Das wegen Corona verschobene Konzert war ein Hit-Feuerwerk ohne Makel, eine rockige, poppige, funkige und mitunter soulige Party, zelebriert von einem alles andere als abgehobenen Star. Der nette Harry beherrscht sein Metier und seine Fans.

Schon beim Support-Act Wolf Alice war die Stimmung im Saal ausgelassen. Wer immer die Idee hatte, die Londoner Alternative-Rock-Band auf Styles’ „Love On Tour“ einzuladen, dem gebührt Anerkennung. Das Double-Feature aus Indie- und Mainstream-Pop funktionierte bestens. Wolf Alice, bisher im Flex und in der Arena zu Hause, hielten sich nicht zurück und konfrontierten die Besucher sofort mit Gitarrenrock („Smile“) und später auch mit Punk („Play The Greatest Hits“). Ellie Rowsell unterstrich nicht zuletzt mit der Gänsehaut-Ballade „The Last Man On Earth“, welch großartige Sängerin sie ist.

Harry Styles mag ein vorwiegend junges, weibliches Publikum wie ein Magnet anziehen, das auf ohrenbetäubendes Singen und Kreischen konditioniert ist, aber es sind neben der Attitüde des Sängers in erster Linie die Songs, die ihnen aus dem Herzen sprechen – Federboas hin, rosa Cowboy-Hüte her (beides obligatorische Accessoires bei einem Styles-Gastspiel wie schwarze T-Shirts und Bier bei AC/DC). Die Musik zählt und Styles lieferte. Das als Prince-Tribute durchgehende „Music For A Sushi Restaurant“ eröffnete den bunten Reigen.

Zehn Lieder aus seinem aktuellen, hochgelobten Album „Harry’s House“ wurden geboten, deren Live-Darbietung untermauerte die Qualität der Kompositionen. Das locker-flockige „Daylight“, das mit Soul und Funk befeuerte „Cinema“ oder der unwiderstehliche Ohrwurm „Late Night Talking“ funktionierten im Vergleich zu den Hochglanz-Studio-Fassungen auch in erdigeren Arrangements. Den hypnotischen Dance-Track „As It Was“, eine Nummer eins auch in den österreichischen Single-Charts, hob sich Styles für den Zugaben-Teil auf.

Warum das Parkett in der Stadthalle bestuhlt war, darüber darf gerätselt werden. Sitzen blieb niemand, auch nicht auf den Rängen, wo sich Fans mit bunten Lichtern je nach Sektor in einheitlichen Farben ausgerüstet hatten, um bei „Lights Up“, dem Titel und Stil des Liedes entsprechend, das richtige Disco-Ambiente zu schaffen. Zu „Treat People With Kindness“, dem Leitmotiv des 28-Jährigen, machten die 11.000 den Mega-Chor.

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Ab „Adore You“ suchte Styles via Laufsteg (auf dem später „Matilda“ und „Boyfried“ akustisch intoniert wurden) die Nähe zu den Fans und gab das Motto aus: „Feel free to be what you always wanted to be.“ Die Aufforderung, sich an den Hände zu nehmen und der Person links „ich liebe dich“ zu sagen, mag aufgesetzt wirken. Aber als Gegenentwurf zur empathielosen Ellenbogen-Gesellschaft hat Styles „Wir sollten uns alle respektieren und wertschätzen“-Botschaft seine Berechtigung. Harrys Unterstützung beim Coming Out eines Fans ist mittlerweile zu einem Show-Ritual geworden (auch in Wien), für die Betroffene(n) aber vermutlich ein Segen.

Apropos Show: Der oft schrill gekleidete Styles absolvierte das Programm durchgehend in schwarz-weiß-karierter Hose und T-Shirt mit Kiwi-Motiv, es gab keine Gimmicks, nur Musik pur. Statt Pyros zündeten die Hits: „Sign Of The Times“, „Watermelon Sugar, “As It Was” und „Kiwi“ geballt zum furiosen Abschluss. Mit „Medicine“ packte der makellose Entertainer auch noch einen bisher unveröffentlichten Track dazwischen. Die nächste Wien-Station wird vermutlich das Stadion sein – berechtigter Weise.

hstyles.co.uk

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