Harte Arbeit für den Wohlstand

Es ist ein sich stets wiederholendes Wechselspiel zwischen Phasen der Hochblüte und weitreichenden Krisen, die die Entwicklung der Stadt Steyr prägten. Sie ist somit Modell unseres Landes, unserer Gesellschaft. Die 33. Oberösterreichische Landesausstellung 2021 widmet sich unter dem Titel „Arbeit Wohlstand Macht“ bis 7. November an mehreren Orten in Steyr der Entwicklung der Eisenstadt. Im Museum Arbeitswelt wird sich der Arbeiterschaft und ihrer Lebenswelten — einst und heute — gewidmet.

Die ehemalige Messer- und Waffenfabrik beheimatet heute das Museum Arbeitswelt © Pia Odorizzi

Auf Regen folgt Sonne, jedes Hoch ist der Beginn eines Tiefs. Steyr steht als einst zweitgrößte Stadt Österreichs modellhaft für die große Welt: Während der Monarchie fanden Arbeiter aus dem ganzen Reich in den Steyrer Fabriken Beschäftigung.

Doch die Wirtschaftskrise der 1920er brachte die Arbeitslosigkeit zu den Menschen und die Armut. Viele wanderten aus, die anderen mussten mit dem Wenigsten auskommen. Bürgerkrieg, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg. Doch dann kamen bessere Zeiten, auch für die Arbeiterschaft in Steyr, die jeher mit ihren Händen den Wohlstand und den Reichtum der Adeligen und Bürger schufen.

Die 1950er brachte den ersten Luxus in die noch bescheidenen vier Wände, doch auch wenn Urlaube ins Ausland anstanden, lauerte die nächste Krise schon wieder hinter der Ecke …

Im Museum Arbeitswelt ist ein Teil der Oberösterreichischen Landesausstellung untergebracht, und zwar jener, der sich mit den Arbeitern, ihrer Lebenswelt, aber auch der Industrialisierung und den Produkten, die in Steyr entstanden und entstehen, auseinandersetzt.

Das Gebäude am idyllischen Wehrgraben ist ein besonders beeindruckendes. Einst Heimat einer Messer- und Waffenfabrik bestechen die Gebäude auch als Museum genutzt mit ihrer Gründerzeit-Architektur. Für die Schau sind die leeren und riesig wirkenden Hallen gut genutzt. Zu Beginn ein Auto, ein beeindruckender Oldtimer gepaart mit einer Fotografie stolzer Arbeiter.

Die Kleinsten fanden Platz in der Schublade

In der darauf folgenden Halle wartet, chronologisch kuratiert, eine Schau, die die Geschichte Steyrs erzählt, aus der Sicht jener, die die Arbeit erledigt haben, die so prägend für die Eisenstadt ist. 1884 initiierte Josef Werndl die „Elektrische Landes-, Industrie-, Forst- und kulturhistorische Ausstellung“.

Es wurde eine „Weltausstellung“ im kleinen Steyr, die aber immerhin den Kaiser in die Eisenstadt lockte. Aber wie sah das Leben jeder aus, die mit ihren Händen für den Wohlstand der Stadt in den kommenden Jahrhunderten sorgten? Von der kleinen Wohnstube, in der Generationen Platz finden mussten, die Kleinsten in Schubladen schliefen, bis zu den frühen Arbeiterwirtshäusern, in denen man sich versammelte, trank, Politik machte — die Lebenswelten der Arbeiterschaft finden viel Raum in der Schau, die immer wieder gekonnt die Fäden ins Heute spinnt, in eine Zeit, in der Beschäftigung nicht weniger bedeutend als damals ist, aber Begriffe wie „Work-Life-Balance“ an Wichtigkeit gewinnen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Arbeiter von der Freizeit zu träumen, wenn es auch noch nicht die weite Ferne war, sondern das nahe Salzkammergut, das auf heute nostalgischen Plakaten zur sommerlichen Frische lockte.

Wer Steyr sagt, muss auch Auto sagen

Wer Steyr sagt, muss auch Auto sagen. Und Fans der fahrbaren Untersätze kommen bei der heurigen Landesausstellung auf ihre Kosten. Von wahren Klassikern, wie einem originalen Cabriolet „made in Steyr“, einem Steyr II (das älteste hier erzeugte Auto), dem legendären „Baby“ Modell 50/55 und dem Kleinwagen „Pucherl“ Puch 500 bis zu hochmodernen Flitzern – die Automobilherstellung ist nicht nur in Steyr bis heute ein Thema, sondern auch im Museum Arbeitswelt tonangebend.

Doch auch schwarze Zeiten werden in dem ehemaligen Fabriksgelände nicht ausgeklammert. Zwangsarbeit und Wohlstand auf den geschundenen Rücken von Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, werden bedrückend gezeigt. Besonders spannend sind auch die Migrationswellen, die auf einer großen Weltkarte sichtbar werden.

Gerade die vergangenen Jahren haben den Menschen vor Augen geführt, wie fragil auch die eigene Arbeit und der damit einhergehende Wohlstand ist. Die gelungene Schau schließt mit hochaktuellen Fragen nach der Zukunft der Arbeit, aber auch der künftigen Wertschätzung der Arbeiterschaft. Wo könnten diese brennenden Fragen besser gestellt werden, als in Steyr?

Die Oberösterreichische Landesausstellung bietet in der Ergänzung mit dem Schloss Lamberg und dem Innerberger Stadel einen außergewöhnlich umfassenden Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Stadt, deren Entwicklung uns alle widerspiegelt.

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