Harter Lockdown? Handel bringt sich in Stellung

Rasche Hilfen gefordert – Auch Hoteliervereinigung setzt finanziellen Notruf für Tourismusbranche ab

Handel-Lockdown jetzt, um das Weihnachtsgeschäft zu retten?
Handel-Lockdown jetzt, um das Weihnachtsgeschäft zu retten? © gpointstudio - stock.adobe.com

Der Handelsverband fordert angesichts einer möglichen Verschärfung der Corona-Maßnahmen am Samstag „gute und rasche“ Hilfen. „Wir befürchten ein Händlersterben von 6000 Geschäften“, sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will am Freitag.

Der aktuelle „Lockdown light“ habe bereits bei vielen Händlern, etwa im Bereich Textil, Schmuck, Sport und Lebensmittelgroßhandel, zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Diesen Betrieben müsse bereits jetzt besser geholfen werden.

„Der Handel hat Verständnis, dass immer die Gesundheit an erster Stelle steht. Wenn es weitere Restriktionen gibt, dann muss es aber auch dasselbe Verständnis für rasche Hilfen geben“, so der Branchenvertreter.

Die kommenden Wochen bis Weihnachten seien der „wichtigste Zeitraum“ für die Handelsbranche. Viele Betriebe hatten gehofft, die Verluste aus den ersten Corona-Monaten vielleicht nun wieder aufzuholen.

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Sollten erneut wie im März und April alle Händler außer dem Lebensmitteleinzelhandel, Drogeriemärkten, Trafiken und Apotheken schließen müssen, dann drängt der Handelsverband auf einen 80-prozentigen Umsatzersatz für die betroffenen Unternehmen. Diese Art von Hilfe gibt es bereits für Betriebe im Bereich Beherbergung, Veranstaltungen, Gastronomie und Freizeitangebote für den Monat November.

Gegen Teilschließung

Nur Teile des Handels zu schließen, wie etwa größere Geschäfte und Einkaufszentren, hält Will nicht für sinnvoll. Die Erwerbsfreiheit nur für Teile der Branche einzuschränken wäre rechtlich äußerst kritisch und den kleinen Händlern würde bei einem harten Lockdown auch die Kundenfrequenz fehlen. „Wenn es nur eine Geisterstadt ist, dann bringt es nichts für den Handel“, sagte der Handelsverband-Geschäftsführer.

Mögliche coronabedingte Schulschließungen und die damit verbundene elterliche Aufsichtspflicht würden die Personaldecke in der Branche auch sehr ausdünnen. Laut Statistik Austria hatten zuletzt 177.000 Beschäftigte im Handel ein oder mehr Kinder unter 15 Jahren.

Auch die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat am Freitag einen finanziellen Notruf für die Tourismusbranche abgesetzt. Den von der Coronakrise hart getroffenen Betrieben ist man bereits mit diversen Maßnahmen entgegengekommen. So wurden etwa Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bis Jänner 2021 gestundet. Die Fälligkeit sollte nun weiter hinausgeschoben werden, so der Appell der ÖHV. Denn zahlreiche Betriebe könnten das nicht bezahlen. Einige drohen nun angesichts mangelnder Umsätze bei gleichzeitig weiterlaufenden Kosten unterzugehen.

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