„Hatte im Wahlkampf viele positive Begegnungen“

OÖVP-Spitzenkandidat Wöginger: „Es ist gut, wenn gewählt wird“ — Überrascht von Vandalismus

August Wöginger (44) ist seit November 2017 Klubobmann der ÖVP im Nationalrat. Der Innviertler — er stammt aus Sigharting — ist bereits seit dem Jahr 2002 Nationalratsabgeordneter, seit dem Jahr 2016 ist er auch ÖAAB-Bundesobmann. Wöginger ist Landesspitzenkandidat der OÖVP.
August Wöginger (44) ist seit November 2017 Klubobmann der ÖVP im Nationalrat. Der Innviertler — er stammt aus Sigharting — ist bereits seit dem Jahr 2002 Nationalratsabgeordneter, seit dem Jahr 2016 ist er auch ÖAAB-Bundesobmann. Wöginger ist Landesspitzenkandidat der OÖVP. © OÖVP/Kerschbaummayr

VOLKSBLATT: Wann endet für den OÖVP-Landesspitzenkandidaten August Wöginger der Wahlkampf?

WÖGINGER: In der Nacht auf Sonntag. Am Samstagvormittag bin ich noch bei einer Verteilaktion in Kopfing, am Nachmittag ist dann Seniorenwandertag in Schardenberg, die Wandergruppe werde ich beim Abmarsch begrüßen. Anschließend fahre ich nach Werfen zur großen Schlussveranstaltung des ÖAAB-Salzburg.

Sind Sie froh, dass er vorbei ist?

Es ist gut, wenn gewählt wird, aber ich hatte im Wahlkampf sehr viele positive Begegnungen. Die Menschen sind auf uns zugegangen, wir haben auch tolle Groß-Events auf den Messen in Ried und Wels gehabt, und in den Ortsparteien hat es viele Aktivitäten gegeben. Wir haben viele positive Gespräche geführt.

Sie erwähnen das Positive, hat Sie umgekehrt im negativen Sinn etwas überrascht?

Der Vandalismus an unseren Landschaftselementen und den Plakaten war von einer Aggressivität, die wir aus den letzten Wahlkämpfen nicht gekannt haben.

Muss man sich da am Riemen reißen, um die Contenance nicht zu verlieren?

Ja. Besonders erschreckend ist, dass das auch bei uns am Land passiert, weil man hier doch stets das Gemeinsame vor das Trennende stellt. Wir sind alle demokratisch legitimierte Parteien, die um Stimmen werben, da haben diese Aggressionen nichts verloren.

Wie sieht Ihr Wahltag aus?

In meiner Heimatgemeinde Sigharting ist Erntedankfest, in Sigharting bin ich auch Wahlzeuge. Gegen Mittag fahre ich dann nach Wien.

Stichwort Erntedank —auch der Wahltag ist so etwas wie ein Erntetag. Trauen Sie sich einen Wahltipp abzugeben, nachdem die Umfragen ja klar und stabil gewesen sind?

Umfragen sind wie Parfum: Man soll daran riechen, es aber nicht trinken. Wir hoffen, dass wir zulegen können, dann ist es für uns ein Erfolg.

Waren Ihre Warnungen vor teuren Beschlüssen in den letzten beiden Nationalratssitzungen berechtigt?

Bei der letzten Sitzung am Donnerstag konnte verhindert werden, dass noch irgendwelche Wahlzuckerl beschlossen werden, das ist uns bei der Sitzung in der Vorwoche nicht zur Gänze gelungen. Rot-Blau hat Beschlüsse gefasst, die letztendlich viel Geld kosten, wir haben aber unser Programm noch gut abarbeiten können – siehe Ökostrom- und Gewaltschutzpaket, siehe erster Teil der Steuerreform und auch die Pensionsanpassung.

Braucht Sebastian Kurz eine starke Schulter zum Anlehnen, um nicht nach links zu kippen?

Sebastian Kurz bietet vielen Menschen in Österreich eine starke Schulter, er ist für mich der Volkskanzler.

Es gibt auch für einen Volkskanzler den Tag nach der Wahl. Vorausgesetzt, die ÖVP erhält den Regierungsbildungsauftrag: Welche Koalitionsmöglichkeiten sehen Sie?

Zuerst wird gewählt, dann wird gezählt, und dann wird geschaut, mit wem es im Parlament eine Mehrheit gibt. Wir wollen so stark werden, dass an uns vorbei keine Koalition geschmiedet werden kann.

Haben Sie den Eindruck, dass im Wahlkampf alle Parteien tatsächlich an diesen Tag nach der Wahl gedacht haben?

Lassen Sie es mich so sagen: Rot-Blau hat einen sehr späten Wahltermin beschlossen, sie haben zu ihrem Vorteil ein Parteienfinanzierungsgesetz beschlossen und sie haben die Regierung mit Sebastian Kurz abgewählt, was die Menschen bis heute nicht verstehen.

Wie rasch kann eine neue Regierung stehen?

Ich hoffe, so rasch als möglich, aber Qualität geht vor Zeit. Wir wollen eine tragfähige Bundesregierung und müssen ausloten, mit wem letzten Endes der erfolgreiche Weg fortgesetzt werden kann.

Wo sehen Sie deren dringendste Aufgaben?

Das ist die Steuerentlastung, der Kampf gegen die illegale Migration, die Klimaschutzfrage muss ernst genommen werden — insgesamt haben wir ja ein 100-Punkte-Programm. Da muss man sehen, mit wem man die meisten Punkte auf den Weg bringt.

Was kann August Wöginger im Nationalrat für Oberösterreich bewirken?

Ich glaube, dass ich in den letzten zwei Jahren bewiesen habe, dass der Klubobmann die Drehscheibe zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung ist. Wir haben mehr Studienplätze nach Oberösterreich gebracht, auch mehr Polizistinnen und Polizisten, die Abschaffung des Pflegeregresses wurde gut gelöst. Ich werde mich auch künftig dafür einsetzen, dass mein Heimatbundesland gut bedient wird. Die Steuerentlastung beispielsweise dient besonders dem Industriebundesland Nummer 1. Der Standort Oberösterreich muss auch weiterhin abgesichert sein.

Bleiben Sie, was Sie sind — Klubobmann der ÖVP?

Das entscheiden die Abgeordneten bei der konstituierenden Klubsitzung am 22. Oktober. Ich hoffe es, weil mir diese Aufgabe sehr viel Freude bereitet und ich das sehr gerne tue.

Mit ÖVP-Klubobmann und OÖVP-Spitzenkandidat AUGUST WÖGINGER sprach Markus Ebert

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