Haus-Rucker-Co-Sammlung für Lentos

Stadt Linz erwirbt Archiv Zamp Kelp für 400.000 Euro

Sie sorgte mit der „Nike“ einst für helle Aufregung in der Landeshauptstadt: die oö. Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. Die Stadt Linz hat nun, wie Bürgermeister Klaus Luger am Mittwoch informierte, einen Teil des Vorlasses der international renommierten Architekturavantgarde erworben.

Es handelt sich dabei um das Archiv, das Gründungsmitglied Günter Zamp Kelp der Stadt überlässt: Die Sammlung, die großteils aus Haus-Rucker-Co-Werken besteht, enthält 537 Einzelarbeiten, darunter Zeichnungen, Collagen und Modelle, und geht für 400.000 Euro an Linz. Ein Gutachter schätzte den Wert auf das Sechsfache.

1967 taten sich die Linzer Schulfreunde und Architekten Zamp Kelp und Laurids Ortner mit dem oö. Maler Klaus Pinter zusammen und gründeten die Gruppe Haus-Rucker-Co, die bald internationale Bekanntheit erlangte, und deren Arbeiten heute in Museen wie dem MoMa in New York oder dem Pariser Centre Pompidou zu sehen sind.

Eines ihrer Schlüsselwerke für Linz ist die 1977 entworfene „Nike“-Plastik, die seinerzeit für einen Skandal („Fetzenvogel“) gesorgt und danach Jahrzehnte ihr Dasein im Depot gefristet hatte, bevor sie vor einigen Jahren als Leihgabe des Architekturmuseums Frankfurt nach Linz zurückkehrte.

Mit dem Ankauf des Archives erfolgt nach dem Vorlass von VALIE EXPORT 2015 die zweite große Sammlungserweiterung des Lentos Kunstmuseum innerhalb weniger Jahre. Günter Zamp Kelp erklärte am Mittwoch, er habe sich gewünscht, dass sein Archiv als Ganzes übernommen werde und so für Ausstellungen und wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung stehe.

Das Lentos freue sich über „eine Sammlung von internationaler und kunsthistorischer Bedeutung mit regionalem Bezug, mit der das Museum zu einem wichtigen Leihgeber und einem Kompetenzzentrum für die österreichische Avantgarde rund um 1968 wird“, so Direktorin Hemma Schmutz. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer bewertete den Ankauf als „nachhaltiges Zeichen für die Weiterentwicklung des Lentos und damit des Kunststandortes Linz“.

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