Hector Berlioz: La Damnation de Faust (Deutsche Grammophon)

Die Lebensgeschichte des Hector Berlioz ist die eines ewig Suchenden, eines Erneuerers und zu seiner Zeit Unverstandenen. Allein durch seine Orchesterbehandlung mussten seine Kompositionen mehr als nur revolutionär wirken. Auch bei der Wahl seiner Bühnenwerke beschritt er Neuland. Seine Oper „Benvenuto Cellini“ erlitt einen (heute unverständlichen) Misserfolg, und noch lange vor seinem Triumph mit den „Trojanern“ griff er nach dem „Faust“-Stoff mit seiner „Damnation de Faust“. Das Werk ist weder eine Oper noch ein Oratorium, Berlioz nannte es „Dramatische Legende“, und so wurde es leider ein selten gespieltes Zwitterwerk. Schade, denn es ist von einer blühenden, farbenreichen Partitur, und das nicht nur beim „Höllenritt“ oder dem Ungarischen Marsch. Den wollte Berlioz unbedingt dabeihaben, und so finden wir Faust plötzlich in Ungarn, was etwas irritierend wirkt und mit Goethes Handlung nicht viel zu tun hat. Aber hier ist der Mythos „Faust“ im Vordergrund — als dauerhaft Irrender samt seinen Nebenfiguren (Mephisto) als Grundlage für philosophische Betrachtungen. Die vorliegende Doppel-CD bei DG ist keine Neuproduktion, sondern stammt aus 1959 und wurde bisher kaum auf Tonträgern produziert. Die Bekanntschaft lohnt sich schon allein mit dem Orchester unter der Leitung von Igor Markevitch. Die vier Solisten sind nämlich eher unbekannt, was aber kein Nachteil ist. Erwähnenswert sind die klangschönen Soldatenchöre sowie das Orchester Lamoureux. Insgesamt eine interessante Ergänzung zum Vergleich mit den Faust-Opern des Charles Gounod oder Arrigo Boito. sz

Wie ist Ihre Meinung?