Heftige Gewitter prägten viel zu warmes Jahr 2021

Das vergangene Jahr war mit einem Plus von 1,2 Grad Celsius im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 „viel zu warm“ und zudem von heftigen Unwettern und lokalen Rekordregenmengen geprägt. Das geht aus dem am Donnerstag bei der Fachkonferenz „Klimatag 2022“ in Wien vorgestellten „Klimastatusbericht 2021“ hervor. Die Autoren des Reports erwarten eine weitere Zunahme schwerer, schadensverursachender Gewitter während des 21. Jahrhunderts in Österreich.

Der jährlich erscheinende Bericht wird im Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie der Bundesländer durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und der Universität für Bodenkultur (Boku) erstellt. Die Dokumentation zeigt deutlich, wie die Klimaerwärmung voranschreitet und Wetterextreme zunehmen.

Auch wenn 2021 nicht die extrem hohen Temperaturmittelwerte der Vorjahre erreichte, lag die Durchschnittstemperatur in Österreich bei 7,3 Grad Celsius. Sie war damit um 1,2 Grad höher als der Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 (die Experten vergleichen immer mit 30-jährigen Messperioden, Anm.). Speziell der Juni des Vorjahres stach hervor: Eine Hitzewelle machte ihn zum drittwärmsten und drittsonnigsten Juni seit Messbeginn.

Der Sommer insgesamt war der Klimabilanz zufolge österreichweit der neuntwärmste der über 250-jährigen Messgeschichte. Am stärksten spürbar war dies wohl bei den Tagen mit 30 Grad Celsius und mehr („Hitzetage“) und den Nächten, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlte („Tropennächte“).

24 solcher „Hitzetage“ gab es im Vorjahr jeweils in Graz (plus 20 gegenüber dem Mittelwert der Jahre 1961-1990), Wien (plus 14 Tage) und Eisenstadt (plus 13). 23 „Hitzetage“ waren es in Klagenfurt (plus 17), 20 in St. Pölten (plus 8), 19 in Innsbruck (plus 10), 13 in Linz (plus 7), 10 in Salzburg (plus 4) und 6 in Bregenz (plus 3). In Wien und Eisenstadt gab es jeweils acht Tropennächte, in St. Pölten und Graz waren es jeweils sechs. In diesen vier Städten bedeutete das jeweils ein Plus von sechs Nächten gegenüber dem Mittel von 1961-1990.

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2021 reiht sich auch in die Serie sehr sonniger Jahre ein: Insgesamt 1.707 Sonnenstunden bedeuteten ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Mittelwert des Bezugszeitraums 1961-1990.

Dagegen zeigt die Jahresbilanz der Niederschläge mit einem Mittelwert für ganz Österreich von rund 1.000 Millimeter ein Defizit von sechs Prozent. Den ungewöhnlich trockenen Monaten Februar, März, April, Juni und September standen dabei ein außergewöhnlich regenreicher Juli (plus 38 Prozent) und August (plus 30 Prozent) gegenüber.

Blickt man noch weiter zurück, bestätigt das Jahr 2021 mit einer Abweichung von plus 1,1 Grad Celsius gegenüber dem Schnitt der gesamten Messgeschichte den starken Erwärmungstrend der vergangenen Jahrzehnte. Es reiht sich damit an die 21. Stelle der wärmsten jemals gemessenen Jahre.

In den vergangenen vier Jahrzehnten ist der Temperaturanstieg in Österreich etwa doppelt so stark ausgeprägt wie im globalen Vergleich. Das ist laut Bericht vor allem auf die raschere Erwärmung der Luft über einem Kontinent im Vergleich zu jener über den thermisch trägen Ozeanen zurückzuführen. Auch die Zunahme der bodennahen Sonneneinstrahlung in Mitteleuropa könnte Einfluss darauf haben, ebenso wie geringere Wolkenbedeckung infolge geänderter atmosphärischer Zirkulation.

Geprägt war 2021 einmal mehr von meteorologischen Extremereignissen, wobei heftige Starkregen und Gewitter mit Hagel in den Sommermonaten besonders große Schäden verursachten. Als Beispiel nennt der Bericht die Hagelschläge vom 24. Juni in Ober- und Niederösterreich, deren Ausdehnung und Intensität „seit mindestens mehreren Jahrzehnten in Mitteleuropa beispiellos“ gewesen seien. Dabei wurden Hagelkörner mit Rekordgrößen von bis zu zwölf Zentimeter registriert.

Das Tief „Bernd“, das Mitte Juli 2021 zuvor in Westdeutschland, Belgien und den Niederlanden das schlimmste Hochwasser seit Menschengedenken verursacht hat, führte von Wien bis Oberösterreich und von der Obersteiermark bis in den Bregenzerwald innerhalb kurzer Zeit zu hohen Niederschlagssummen, wie sie örtlich seltener als einmal in 100 Jahren zu erwarten sind. Am 30. Juli sorgten dann heftige Gewitter im Raum Graz mit Rekordniederschlägen zu Sturzfluten.

Die finanziellen Schäden dieser Unwetter waren enorm, heißt es im Bericht. So betrugen alleine die bei der Österreichischen Hagelversicherung im Vorjahr eingemeldeten Verluste durch Hagel und Sturm in der Landwirtschaft in Summe 110 Mio. Euro, 28 Mio. Euro davon entfielen allein auf den 24. Juni.

Laut Herbert Formayer, wissenschaftlicher Leiter des Klimastatusberichts, sind im 21. Jahrhundert mehr schwere, schadensverursachende Gewitter in Österreich zu erwarten. Grund dafür sei „die Kombination aus einer gesicherten Zunahme der Niederschlagsintensität um etwa zehn Prozent pro Grad Erwärmung und einer wahrscheinlichen Zunahme der Häufigkeit instabiler Luftschichtungen im Alpenraum“.

Aus diesem Grund komme entsprechender Vorsorge und Vorwarnsystemen eine entscheidende Rolle zu. „Wir müssen uns darauf vorbereiten“, so Formayer. Gleichzeitig müssten auch Maßnahmen zum Klimaschutz getroffen werden, „denn je höher die Temperatur ansteigt, umso stärker wird die Zunahme an schweren, schadensverursachen-den Gewittern während des 21. Jahrhunderts und darüber hinaus in Österreich ausfallen“, heißt es im Klimastatusbericht.

„Es sind genau diese Extremwetterereignisse, die der Klimastatusbericht 2021 beschreibt, auf die wir uns vorbereiten müssen“, sei doch Österreich als Alpenregion vom Klimawandel besonders betroffen, erklärte Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) in einer Aussendung. Wenn man weitermache wie bisher, werde die Klimakrise für verwüstete Landstriche und hohe wirtschaftliche Schäden sorgen. Für den Salzburger LHStv. Heinrich Schellhorn (Grüne), der Vorsitzende der Landesklimaschutzreferentenkonferenz ist, macht der Bericht deutlich, „dass wir uns im Wettlauf mit der Zeit befinden. Um eine Klimakatastrophe zu verhindern ist ein rasches und entschlossenes Handeln von uns allen gefordert: Politik, Wirtschaft, Gemeinden, Institutionen, jedem Bürger und jeder Bürgerin“.

(S E R V I C E – Internet: )

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