Heimische Kartoffeln sind beinahe ausverkauft

Anhaltende Trockenheit treibt auch heuer den heimischen Landwirten Sorgenfalten ins Gesicht

Regenmangel macht auch heimische Erdäpfel zur Mangelware.
Regenmangel macht auch heimische Erdäpfel zur Mangelware. © APA/Punz

Strahlender Sonnenschein und wenig Regen — was bei den meisten Österreichern für gute Laune sorgt, lässt bei den Landwirten Sorgenfalten entstehen. Alle Anzeichen deuten auf eine Wiederholung der Dürrekatastrophe hin.

Das Vorjahr ist den Landwirten noch in leidvoller Erinnerung. Die Hagelversicherung berichtet von einem Gesamtschaden von mehr als 230 Millionen Euro. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Wochen anhalten, könnten sich die Dürreschäden des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, heißt es in einer Aussendung der Hagelversicherung.

Oberösterreich von Dürre hauptbetroffen

In Oberösterreich sind schon jetzt die Grünland-Bauern massiv betroffen. „Uns fehlen seit Jahresbeginn 25 bis 40 Liter Regen“, erklärt Helmut Feizlmayr, Ackerbau-Referent in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich gegenüber dem VOLKSBLATT. Oberösterreich sei somit von der Trockenheit am meisten betroffen. Für den ersten Schnitt der in den nächsten Wochen durchgeführt wird, steht derzeit zu wenig Gras auf den oberösterreichischen Wiesen. Zudem sorgt der Engerling von Mai- und Junikäfern dafür, dass nicht genügend Futter für die Tiere zur Verfügung steht. Helfen würde den Bauern nur eines: Regen. „Wir brauchen ganz dringend Regen. Die gemeldeten Niederschläge am Wochenende sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Feitzlmayr.

„Setzt sich diese Entwicklung fort, wird Österreich bald seine Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit heimischen Lebensmitteln versorgen können“, so die Hagelversicherung. Auf den drohenden Versorgungsengpass haben gestern rund 120 Landwirte in Wien aufmerksam gemacht. Sie verteilten die „letzten heimischen Erdäpfel“, wie es in einer Aussendung heißt. 130.000 Tonnen Kartoffeln konnten im Vorjahr nicht für Speisezwecke angeboten werden.

„Wir haben seit März keine Kartoffeln mehr. Seit ich mich erinnern kann, war das noch nie so schlimm wie heuer“, schildert Martin Paminger, Geschäftsführer der Produktionsgemeinschaft Sauwald Erdäpfel im Gespräch mit dem VOLKSBLATT die Dramatik der Situation. 35 Prozent der Kartoffeln aus dem Vorjahr mussten weggeschmissen oder für die Tierfütterung verwendet werden. Auch bei der Erzeugergemeinschaft „Eferdinger Landl-Erdäpfel“ sieht es ähnlich aus.

„Österreichische Kartoffeln sind praktisch ausverkauft“, erklärt deren Obmann Manfred Schauer. Großes Problem sei vor allem der Drahtwurm der sich im vergangenen Jahr in den Kartoffeln eingenistet hat, weil er in der Erde zu wenig Feuchtigkeit fand. In den Supermarktregalen landen deshalb derzeit vermehrt Kartoffeln aus dem Ausland. Paminger würde sich die gleichen Chancen wie die Landwirte im Ausland wünschen. „Es gibt Spritzmittel gegen den Drahtwurm, die im Ausland erlaubt, aber hierzulande verboten sind, so Paminger.

Gütesiegel garantiert österreichische Qualität

Auch Franz Wanzenböck, Obmann der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), schlägt in dieselbe Kerbe. „Wenn jetzt Ware aus dem Ausland zu uns kommt, muss sichergestellt werden, dass die nach denselben hohen Produktionsstandards produziert wurde, wie sie auch von unseren Bauern verlangt werden“, so Wanzenböck. Es könne nicht sein, dass den heimischen Bauern Mittel entzögen werden, aber „wenn wir nicht mehr in der Lage sind, diese hochwertigen Produkte zu erzeugen, kommen sie aus dem Ausland, wo die Maßstäbe nicht so streng angelegt werden“. Wanzenböck appelliert an die Konsumenten: „Stärker denn je gilt es, darauf zu achten, was man kauft. Die Packungen sehen gleich aus, aber nur wenn das AMA-Gütesiegel auf der Packung zu sehen ist, kann man sicher sein, das österreichische Qualität drin ist. Bitte beim Einkauf auf dieses Gütesiegel achten und somit auf heimische Qualität setzen!“

Wie ist Ihre Meinung?