Herrliche Wesen im Stadttheater

Premiere: Shakespeares „Der Sturm“ im renovierten Greiner Stadttheater

„Wack´re neue Welt, die solche Bürger trägt“: Die Greiner „Dilettanten“ schultern bravourös Shakespeares „Sturm“.
„Wack´re neue Welt, die solche Bürger trägt“: Die Greiner „Dilettanten“ schultern bravourös Shakespeares „Sturm“. © Hammer

Was gibt’s für herrliche Geschöpfe hier! „Wack´re neue Welt, die solche Bürger trägt!“, entweicht es spontan der unbefangenen Miranda in Shakespeares später Komödie „Der Sturm“. Man möchte es auch der Greiner Dilettantengesellschaft nach gut zwei Stunden (mit Pause) zurufen.

Zur ersten Premiere auf der Bühne des frisch renovierten Stadttheaters sollte ein bedeutendes Werk der Theaterliteratur zur Aufführung kommen. Gert Theo Umberg (studierte u. a. bei Samuel Beckett Regie) löste den Sturm aus und übernahm auch Regie, Christian Hoga Hochgatterer vollendete die Inszenierung, als Umbergs Gattin Elisabeth Krejcir (Burgschauspielerin, die auch schon in Grein inszenierte) kurz nach Beginn der Proben plötzlich verstarb. Dramaturgisch begleitete Umberg die Dilettanten weiter bei der Stückfassung in der Übersetzung von Brandon Larch.

Rache & Läuterung

Der Vorhang öffnet sich. Bühnenfüllend tost das wilde Meer vor verrotteten Planken, die sinkendes Schiff, später Planken, Treibgut oder Grenzen bedeuten (Bühnenkonzept: Umberg). Der alte Magier Prospero, einst Herzog von Mailand, von seinem Bruder grausam entmachtet und vermeintlich getötet, doch per Zufall mit Tochter Miranda auf unbewohntem Eiland gelandet, klärt seine jungfräulich naive Tochter über ihre Herkunft auf.

Hans Peter Baumfried ist als Prosperero ein mächtiger Gebieter über Natur, Menschen und Geister (souverän beherrscht er auch den umfangreichen Text). Nicht Machtmensch, sondern vor allem ein alter Mann, der sein Ende vor sich sieht. Sein finales Werk ist jener Sturm, in dem alle, die ihm Ungemach verursachten, Schiffbruch erleiden und, den Tod vor Augen, an verschiedenen Orten der Insel stranden.

Hier beginnt das Rache, Läuterungs- und Katharsis-Drama, für dessen viele Schichten sich ein weiterer Besuch auszahlen könnte. Doch auch schon bei der Premiere betören die schlüssig erzählte Geschichte, schöne Bilder, edle Sprache, Kostüme (Christine Geirhofer) und Maske (Barbara Schaffner, Nora Lehner).

Prospero untertan sind der elegant laszive Luftgeist Ariel (Astrid Zehetner als geschlechtsloser Vamp im meerblauen Catsuit) und der lehmverschmierte Caliban alias Melanie Janz als boshafter, mit Feuerwasser gefügig gemachter Dämon. Zusammen mit dem Narren Trincolo (Alfons Puchner) und dem schiffbrüchigen Kapitän Stefano (Franz Reiter) stehen sie für Shakespeares lustige Figuren, die ein Attentat auf Prospero planen.

Als Liebespaar bezaubern die liebreizend unbefangene Miranda (Christine Puchner) und Jonas Kummer, ein ebenso unerfahrener Jüngling Ferdinand, der jedoch bei aller Naivität die Grandezza eines Sohnes der Königin von Neapel verinnerlicht hat. Großartig agiert Gabriele Huber Lichtblau als seine Mutter. Bis in die Fingerspitzen bewahrt sie selbst im Wahnsinn kaprizierte Noblesse und Contenance. An ihrer Seite (Dilettantenchef) Christian Geirhofer als Prosperos machthungriger Bruder Antonio, andererseits devoter Begleiter der Königin.

Gier & Freiheit

Für die sichtbaren und unsichtbaren Ebenen von Macht- und Geldgier, Sehnsucht nach Freiheit vs. Feigheit und Angst setzt die Greiner Inszenierung auch das Wunderwerk der neuen Bühnentechnik in Gang. Lustvoll hantieren Emma Geirhofer und Kulturstadtrat Lothar Pühringer an den aufwändigen Licht- und Videoanlagen.

Im Verwehen des Stücks berührt Luftgeist Ariel die Fragwürdigkeit ihrer und der Freiheit allgemein mit Leonard Cohens traurigem Halleluja. Riesiger Applaus und ein verdienter Abgang zu einer der legendären Dilettanten-Premierenfeiern.

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