Herzpatienten haben höheres Risiko

Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Lunge stellt die Corona-Pandemie eine doppelte Belastung dar. Einerseits besteht, wie die ersten Erkenntnisse zeigen, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, andererseits wird derzeit bei Herzbeschwerden ärzt- liche Hilfe spät in Anspruch genommen.

Während des Corona-bedingten Shutdowns hat sich in Österreich die Zahl der Herzinfarkte um 40 Prozent verringert. Mediziner vermuten, dass es weniger körperliche Aktivitäten gab aber auch Patienten weniger ärzt- liche Hilfe in Anspruch nahmen. Denn aus medizinischer Sicht haben nicht nur Lungen- sondern auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen schwereren Covid-19-Verlauf.

Axel Bauer, Direktor der Uniklinik für Innere Medizin in Innsbruck, erklärt das damit, dass sie zum einen durch ihre Grund- erkrankung eingeschränkte Reserven haben. Dadurch können sie die zusätzliche Belastung einer Infektionserkrankung schlechter kompensieren.

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Zum anderen kann die Immunabwehr bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die häufigsten sind Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen, Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder Klappenerkrankungen – geschwächt sein. Das Virus kann aber auch das Herz im Sinn einer akuten Herzmuskelschädigung direkt angreifen – was im chinesischen Wuhan, dem Ausgangsort der Pandemie, bei fünf der ersten 41 Patienten mit Covid-19 der Fall war.

Erste Anzeichen von Covid-19 sind auch bei Herzpatienten Unwohlsein, Fieber, trockener Husten und Kopfschmerzen. Das Tückische am Coronavirus ist allerdings, dass sich die schweren Verläufe oft erst nach einigen Tagen demaskieren. „Bisherige Untersuchungen zeigen, je schwerer die Grunderkrankung, desto gefährdeter ist der Patient“: Bauer denkt dabei vor allem an Personen mit fortgeschrittener Herzschwäche und akuten Herzinfarkten. Hinzukommt die Gruppe der immunsupprimierten Herztransplantierten.

Ungelöst bleibt bisher aber, warum die Infektionen unterschiedlich – von kaum merklichen bis zu schweren Verläufen – auftreten.

Medikamente nicht ohne Arzt absetzen

Primar Thomas Winter vom KH der Barmherzigen Schwestern in Ried, warnt vor dem selbstständigen Absetzen von Medikamenten, weil damit die Herzerkrankung bzw. der Blutdruck instabil werden kann. Es habe sich zudem gezeigt, dass medikamentös gut eingestellte Patienten einen günstigeren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben.

Da es spezielle Sicherheitsvorkehrungen in den Ordinationen und Spitälern gibt, sollte es nicht dazu führen, dass eine schwere Erkrankung aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu spät behandelt wird. Der Kardiologe rät zu drei bis vier Stunden pro Woche Bewegung an der frischen Luft, zu einem Rauchstopp und gesunder Ernährung mit viel Oliven- und Rapsöl sowie Gemüse.

Selbst in Corona-Zeiten dürfen regelmäßige Kontrollen der Herzerkrankung nicht außer Acht gelassen werden. „Manche Unter- suchungen lassen sich für eine begrenzte Zeit, ohne Nachteil aufschieben, andere jedoch nicht“, warnt Bauer: „Das muss individuell entschieden werden. Herzpatienten mit Angina pectoris oder Luftnot müssen jedenfalls abgeklärt und therapiert werden, sonst entstehen durch Covid-19 große Kollateral- schäden.“

Für die Betroffenen gilt erhöhte Vorsicht und das penible Einhalten der allgemein gültigen Vorbeugemaßnahmen von der Händedesinfektion über Abstandhalten und Gesichtsmaskentragen bis hin zum Gebot, statt selbst Einkaufen zu gehen, sich die Besorgungen von anderen erledigen zu lassen.

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