Heuer gab es schon zwölf Tote auf den oö. Bergen

Oft für ein Stolpern zum fatalen Sturz – Manche verlassen die Kräfte

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Mit zwölf Toten auf den oö. Bergen bis 9. August ist heuer die Zahl der Todesopfer schon fast so hoch wie im ganzen Vorjahr. Im Bild: Die Einsatzkräfte bei einer Bergung vom Traunstein.
Mit zwölf Toten auf den oö. Bergen bis 9. August ist heuer die Zahl der Todesopfer schon fast so hoch wie im ganzen Vorjahr. Im Bild: Die Einsatzkräfte bei einer Bergung vom Traunstein. © Bergrettung Gmunden

Von Michaela Ecklbauer

HALLSTATT – Das seit dem Frühjahr fast nahtlose Schönwetter hat heuer schon viele Menschen in die oö. Berge gelockt. Leider gab es in dieser Wander- und Klettersaison bereits extrem viele Todesfälle. Bis Donnerstag verzeichnet die Bergrettung OÖ zwölf Tote – einer davon starb im Winter auf der Piste. Im gesamten Vorjahr waren 13 Bergtote – einer auf einer Skitour – zu beklagen.

Erst am Donnerstag haben einer 75-Jährigen, die mit ihrem Sohn und Neffen auf dem Madlgupf in Steinbach am Attersee klettern war, die Kräfte verlassen. Sie wurde bewusstlos und verstarb noch an Ort und Stelle.

Die Zahl der Verunfallten liegt annähernd auf Vorjahresniveau: 102 Einsätze im Fels und Gelände mit 216 Verletzten. Im Vorjahr verunfallten bis 8. August 222 Personen – 109 Mal mussten die Bergretter ausrücken. Bis zum Jahresende waren es 194 Wander- und Klettereinsätze.

„Der typische Verunfallte ist männlich und zwischen 50 und 65 Jahren alt“, weiß Landesbergretter Christoph Preimesberger: „Momentan haben wir Hochsaison. Es sind auch viele Eltern mit halbwüchsigen Kinder unterwegs, denen die Tour zu anstrengend wird. Die klassischen Felswand-Einsätze machen nur sieben bis zehn Prozent aus, und dabei handelt es sich oft um höhere Gewalt – Steinschlag oder Wettersturz“, schildert Preimesberger dem VOLKSBLATT. Am meisten gefordert sind die rund 800 oö. Bergretter – darunter 25 Frauen – durch Wanderer, in Folge von Stürzen, die auch letal ausgehen können.

Dolinen-Opfer bedankt sich mit Spende

Viele der Geretteten seien sehr dankbar, mit manchen sind die Einsatzkräfte auch Jahre später noch in Kontakt. Besonders erfreulich sei, dass ein Deutscher, den die Hallstätter Bergretter im November 2017 nach fünf Tagen aus einer Doline befreit haben, der Einsatzorganisation nun monatlich eine Spende zukommen lässt. „Wir freuen uns auch über jede mentale Unterstützung“, so Preimesberger, der heuer schon von einigen außergewöhnlichen Einsätzen berichten kann: „Darunter ein Chinese (12), den die Kräfte verlassen haben und ein indisches Paar, das beim Abstieg von den Salzwelten Angst vor wilden Tieren bekam. Völlig unterschätzt werde auch, dass die Gletscher zurückgehen und damit die Anforderungen an die Bergsteiger höher werden. Ende Juli riss eine 13-Jährige, die schlecht ausgerüstet, auf einem Schneefeld am Dachstein ausgerutscht war, ihre Mutter mit in eine Gletscherspalte.

Generell rät Preimesberger allen, die es in die Berge zieht, eine Bergekostenversicherung abzuschließen, denn ein Einsatz mit Hubschrauber kann dem Betroffenen schnell einmal 5000 bis 9000 Euro kosten.